„Schwarzer Donnerstag“ in den polnischen Kinos

Denkmal der während der Proteste im Dezember 1970 gefallenen Werftarbeiter in Danzig. Foto: Polen.pl

(Bremen, JE) Seit knapp zwei Wochen läuft der Film „Czarny Czwartek“ (Schwarzer Donnerstag) in den Kinos unseres Nachbarlandes. Regisseur Antoni Krauze hat es darin geschafft, ein wichtiges Stück polnischer Geschichte spannend und informativ zugleich aufzubereiten. Die historischen Ereignisse rund um den Streik der Werftarbeiter in Gdingen (Gdynia) im Dezember 1970 und die darauf einsetzende militärische Reaktion des Regimes bilden dabei den Schauplatz für eine Familiengeschichte, in der auf das große Glück die noch größere Tragödie folgt.

 

Krause rekonstruiert im Verlauf des Filmes den Ablauf der Proteste, ausgehend von den gut organisierten Werftarbeitern und ausgelöst durch eine erneute Erhöhung der Brotpreise. Er bedient sich dabei auch Originalaufnahmen von damals und spielt sie – zum Teil mit Originalkommentaren des polnischen Geheimdienstes unterlegt – geschickt zwischen den nachgedrehten Szenen ein. Der Film zeigt das äußerst brutale Vorgehen der polnischen Armee gegen die demonstrierenden Landsleute auf drastische Art und Weise. Gleichzeitig fängt er die Stimmung der zunächst überraschten, dann immer zornigeren Protestler ein. „Mordercy!“ (Mörder!) skandieren diese, als sie den Leichnam eines ihrer Anführer und eine blutverschmierte polnische Fahne durch die Innenstadt von Gdingen tragen. Ebenfalls brillant nachgespielt wird das Treffen der Regimeoberen um Władysław Gomułka, damals Generalsekretär der kommunistischen Partei, in dem über die angemessene Antwort auf die Revolte beraten wird – bis der Anruf aus Moskau kommt und die Sache klar ist: Der Aufstand muss um jeden Preis niedergeschlagen werden…

 

Vor diesem Hintergrund spielt die Geschichte des eher unpolitischen Werftarbeiters Brunon Drywa und seiner Frau Stefania (großartig gespielt von Michał Kowalski und Marta Honzatko). Fernab von Träumen nach Wohlstand und Demokratie finden sie ihr privates Glück in einer kleinen Wohnung mit fließendem Wasser. Alles, was sie brauchen, ist das Zusammensein ihrer jungen Familie. Bruno und Stefania sind dabei so sehr mit sich und den Kindern beschäftigt, dass sie den ernst der Lage kaum wahrnehmen. Während sich die Situation auf der Werft zunehmend zuspitzt, ist Stefania’s Hauptsorge immer noch der Baum für das anstehende Weihnachtsfest. Als dieser letztendlich geliefert wird, ist die Familienidylle und mit ihr das Verhältnis der Polen zu „ihrem“ Militär und der Regierung längst zerstört.

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