13. Dezember – Jahrestag und Protestmarsch

Kreuz warszawa Warschau Religion Toleranz Photo: Polen.pl (BD) 20111025

Ganz im Trend: Historische Gedenktage für politische Protestmärsche nutzen.

(Hamburg, JE) Am 13. Dezember 1981 wurde in Polen der Kriegszustand ausgerufen. Das damalige kommunistische Regime vertreten durch General Jaruzelski (der alternde General wurde gerade ins Krankenhaus eingewiesen) wollte mit dieser Hilfe unter anderem der aufstrebenden polnischen Oppositionsbewegung Herr werden. Viele der Anführer der Solidarność wurden damals verhaftet. Auch PiS-Anführer Jarosław Kaczyński. Im Unterschied zu anderen Inhaftierten wurde Kaczyński jedoch am gleichen Tag bereits wieder entlassen, was ihn in einem Interview mit der Gazeta Polska zu folgender merkwürdiger Aussage veranlasste:

„Abends haben sie mich gehen lassen. Das war für mich eine sehr unschöne Überraschung. Ich fand damals im Übrigen, dass ich in einer deutlich schlechteren Situation bin als die Inhaftierten“. Kaczyński stilisiert sich in dem Interview als Helden der turbulenten Zeit und spricht gleichzeitig Premier Tusk eine solche Rolle ab. „Dieser Held – damals und heute – ist Jarosław Kaczyński nicht. Und das tut weh, sehr weh und obwohl Kaczyński morgen, am 13. Dezember, den politischen Marsch zur Erinnerung an den Kriegszustand anführen wird, werden wir trotzdem erinnern, welche Rolle er damals gespielt hat – nämlich gar keine“, lautet die Replik des „unverschämten Bloggers“ auf www.tokfm.pl.

Der angesprochene Marsch ist mal wieder der Versuch seitens der PiS, einen historischen Anlass zu nutzen, um die aktuelle Politik der Regierung anzuprangern. Da ist man sich auch nicht für hanebüchene Vergleiche zu schade. Um die Freiheit in Polen stünde es heute schlecht, lässt Kaczyński verlauten und rückt die Tusk-Regierung damit in eine Ecke mit der kommunistischen Führung von 1981. Laut newsweek.pl spielt bei dieser Taktik der Opposition vor allem die Smolensk-Katastrophe eine wichtige Rolle. Über den Versuch, der PO nachzuweisen, dass sie die wahren Unfallursachen zu vertuschen versuche (ähnlich wie die Kommunistische Partei damals im Fall Katyn), möchte die PiS den eigentlich autoritären Charakter der Regierung demonstrieren. Die PiS wäre dann natürlich der einzige Garant für ein ‚freies Polen‘. Für den heutigen Protestmarsch – denn nur darum geht es – in der Hauptstadt werden mehrere tausend Teilnehmer erwartet.

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