25 Jahre deutsch-polnische Freundschaft: Bürgerforum in Kassel

Rathaus Kassel: Deutsch-Polnsiches Bürgerforum

Rathaus Kassel: Deutsch-Polnsiches Bürgerforum

Die europäische Einheit ist aktuell in ernster Gefahr – meint Prof. Hermann Heußner, Vorsitzender der Europa-Union Kassel. Für den Rechtswissenschaftler der Hochschule Osnabrück ist die derzeitige Verfassungskrise in Polen eines der Symptome für die Probleme, die die Europäische Union vor eine große Herausforderung stellt. Gründe genug, aus Anlass des Jahrestags der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags, in der hessischen Stadt ein Bürgerforum zu 25 Jahren deutsch-polnischer Freundschaft –  zu „Bewährtem und neuen Herausforderungen“ in den Beziehungen beider Länder  zu organisieren.

„Europa braucht Polen“ im Rathaus Kassel

Eingeladen waren die Kasseler Bürgerinnen und Bürger in das Herz der Stadt – den Bürgersaal des Rathauses Kassel – einen Tag nach dem polnischen Verfassungstag:  Am 03. Mai 1791 verabschiedete Polen die erste moderne Verfassung Europas – noch vor der französischen Verfassung. Auch 225 Jahre später wird in ganz Polen mit einem Feiertag an dieses Ereignis erinnert, wenngleich viele Polen das lange Maiwochenende nach dem Tag der Arbeit  gerne für einen Kurzurlaub nutzen.

Prof. Hermann Heußner, Vorsitzender Europaunion Kassel: Eröffnung des deutsch-polnischen Bürgerforums

Prof. Hermann Heußner, Vorsitzender Europaunion Kassel: Eröffnung des deutsch-polnischen Bürgerforums

Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt hatte die Europa-Union Kassel Expertinnen und Experten eingeladen, um an mehreren Tischen im Rahmen eines „World Cafe“ die Teilnehmerinnen und Teilnehmer miteinander ins Gespräch zu bringen. Ziel dieser Methode war ein Dialog zu aktuellen Themen und Fragestellungen der deutsch-polnischen Beziehungen. Zu den Experten gehörte  die Mitorganisatorin des Bürgerforums, Krystyna Götz, die als ehemalige Koordinatorin des Lehrerentsendeprogramms in Warschau und Fachschaftsberaterin Deutsch in Krakau die Rolle der Sprachförderung im deutsch-polnischen Prozess beleuchtete. Die Berliner Studentin Nelly Wacker, Projektmitarbeiterin beim Deutsch-Polnischen Jugendwerk, war Expertin für den deutsch-polnischen Jugendaustausch.

Rolle der Medien und aktuelle Situation in Polen

Die Rolle der Geschichte im Diskurs beider Länder beleuchtete Dominik Pick, der seit kurzem am Zentrum für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin als Historiker tätig ist. Von Matthias Kneip vom Deutschen Poleninstitut Darmstadt wurde das Thema Polen im deutschen Schulunterricht diskutiert. Kneip reist als Autor selber seit längerer Zeit an zahlreiche deutsche Schulen, um über Deutschlands Nachbarland zu berichten.

Der Weblog „Polen.pl“ war ein Beispiel für Medien des deutsch-polnischen Dialogs und wurde an einem weiteren Runden Tisch des Bürgerforums vom Autor dieses Beitrags vorgestellt. Wie auch in den anderen Expertenrunden spielte hier die aktuelle politische Situation in Polen eine zentrale Rolle in den Gesprächen: Viele Fragen kreisten um die derzeitige Verfassungskrise in Polen, um den politischen Rechtsruck in der polnischen Politik, um die erkennbare Spaltung der polnischen Gesellschaft sowie um die Aufgabe und Rolle der öffentlich-rechtlichen und privaten Medien in Polen.

Engagement für eine Deutsch-Polnische Gesellschaft in Kassel

Kasseler Bürgerinnen und Bürger beim deutsch-polnischen Bürgerforum

Kasseler Bürgerinnen und Bürger beim deutsch-polnischen Bürgerforum

Ziel des Bürgerforums, an dem rund 80 Menschen teilnahmen,  war auch die Initiierung von weiteren Kontakten nach Polen, z.B. durch Schulpartnerschaften, einer möglichen Städtepartnerschaft nach Polen und der Schaffung von Foren für den weiteren polnisch-deutschen Dialog: Diesem Ziel ist das Bürgerforum in seiner Abschlussrunde bereits näher gekommen: Am Ende erklärten zahlreiche Teilnehmer, sich an der Gründung einer deutsch-polnischen Gesellschaft in Kassel beteiligen zu wollen. Für Prof. Hermann Heußner von der Europa-Union eine große Freude: Ein solches Engagement trage dazu bei, eine Spaltung in der Europäischen Union zu verhindern und ein Europa der Bürgerinnen und Bürger zu sichern.

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