5 Ideen für die Deutsch-Polnischen Gärten in Warschau

Logo: Deutsch-Polnische Freundschaftsgärten

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Der deutsche Botschafter in Polen, Rolf Nikel, hat am 11. April die Initiative „Deutsch-Polnische Gärten“ vorgestellt. Gemeinsam mit der Botschaft möchte die Warschauer Stadtverwaltung den Skarzewski-Park im Süden Pragas auf der rechten Weichselseite revitalisieren. Im direkten Umfeld hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Das neue, zur Fußballeuropameisterschaft 2012 erbaute Nationalstadion dominiert die Skyline der östlichen Weichselseite. Die U-Bahn-Linie 2 hat Praga deutlich besser angeschlossen. Nördlich des Parks ist das hippe Praga zu Hause und südlich der nach dem Komponisten und Politiker Ignacy Jan Paderewski benannten grünen Lunge hat sich in Saska Kępa eine der beliebtesten Wohngegenden der Hauptstadt entwickelt.

Zahlreiche namhafte Unternehmen – derzeit allesamt polnische Tochterunternehmen deutscher Konzerne wie Siemens, T-Mobile und andere – unterstützen das Projekt bereits, ebenso wie die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und bemerkenswerterweise der Zweitligaverein Polonia Warszawa. Privatpersonen und Unternehmen sind weiterhin eingeladen, dem Projekt, welches den Garten bis 2019 in neuem Glanz erstrahlen lassen soll, finanziell unter die Arme zu greifen.

Unsere Redakteure Jens, Frank, Anna, Katharina S. und Natalie haben einige Ideen zusammengetragen, wie sich der Deutsch-Polnische Freundschaftsgarten mit Leben füllen könnte.

Idee Nr. 1: Deutsch-Polnischer Lauf

Foto: Skeeze / Pixabay / CC0

Foto: Skeeze / Pixabay / CC0

Sport verbindet, Sport im Grünen sowieso. Was also sollte besser zur Idee der deutsch-polnischen Nachbarschaftsgärten passen, als ein gemeinsames Sportereignis? Welche Sportart erreicht viele Menschen? Abgesehen vom Fußball ist das doch das Laufen. Volksläufe bringen heute schon Zehntausende auf die Straßen, auch aus verschiedenen Nationen. So starten bei den großen Stadtläufen in Deutschland auch sehr viele Sportler mit polnischem Pass; beim Marathon in Warschau hört man ebenfalls viele deutsche Stimmen. Nur: Begegnung ist rar bei diesen Veranstaltungen, weil jeder erst einmal für sich läuft und vorher und hinterher wenig Berührungspunkte bestehen.

Genau dies anders zu machen, ist meine Idee für die deutsch-polnischen Gärten: Eine Staffel-Laufveranstaltung ohne extremen Ehrgeiz zu Bestzeiten, aber mit hohem Ehrgeiz für viel Dialog. Lauf-Staffel-Teams, die deutsch-polnisch besetzt werden: Die Stabübergabe findet abwechselnd statt, Gesprächsstoff kommt damit ganz von selbst. Anmelden kann sich jeder. Die Teams werden dann so zusammengestellt, dass nicht jeder in seiner Laufecke hockt, wie sonst bei solchen Veranstaltungen. Gepicknickt wird zwischendurch, jeder bringt etwas mit. Die Kommentatoren kommentieren mehrsprachig, es gibt natürlich auch die obligatorische Vorab-Futterparty, vielleicht als Pierogi-Party statt Pasta-Party?

Idee Nr. 2: Zweisprachiges Musik-Festival

Foto: Robert z Ziemi / Pixabay / CC0

Foto: Robert z Ziemi / Pixabay / CC0

In Warschau hat Live-Musik im Park eine wundervolle Tradition: Sommers treffen sich Familien, Paare, Freunde und Touristen im Bäderpark unter dem Chopin-Denkmal, um Klavierklängen zu lauschen. Während man sich immer noch wundern kann, warum nicht mehr polnische Acts auf der deutschen Seite der Grenze gebucht werden und umgekehrt, wäre es an der Zeit, auf der Welle des Festival-Hypes zu reiten, der beide Länder erfasst hat. Das Ziel sollte es gar nicht sein, den Groß-Events in der Hauptstadt wie den Juwenalia-Festen oder gar dem nach einem Mobilfunkanbieter benannten Stadion-Open Air Konkurrenz zu machen. Der Fokus sollte auf Musik liegen, die sich im Garten-Ambiente umsetzen lässt und Begegnungen über Sprache ermöglicht. Schließlich hat die deutsche Sprache als Fremdsprache in Polen seit dem EU-Beitritt deutlich an Beliebtheit verloren.

Die Goethe-Institute in aller Welt tun in diese Richtung schon allerhand. Aufmerksamkeit dabei erregen natürlich vor allem große Namen, etwa wenn Die Toten Hosen in Uzbekistan oder Kraftklub in Kolumbien auftreten. So groß brauchen wir ja gar nicht denken. Polnische und deutsche Songwriter, die eine Gartenparty mit Volksfest-Charater begleiten? Streetfood, Angebote für Kinder, Handarbeit-Workshops, fertig ist das Sommerfest. HipHop in beiden Sprachen, MCs, die Kids mit Workshops für das verbale Handwerk begeistern können und am Abend können dann die DJs aus beiden Hauptstadt-Szenen den Umzug in die Clubs ein paar Querstraßen weiter nördlich einleiten. Bei Cocktails und Longdrinks sollte doch nach diesem Tagesprogramm eine gemeinsame Sprache möglich sein.

Idee Nr. 3: Kulinarischer Freundschaftsgarten

Foto: Republica / Pixabay / CC0

Foto: Republica / Pixabay / CC0

In den beiden ersten Vorschlägen wird meine Idee schon gestreift. Doch statt mit Pierogi-Party und Streetfood andere Veranstaltungen zu rahmen, schlage ich einen kulinarischen Freundschaftsgarten als Hauptereignis vor. Zwar müssen wir Menschen Nahrung aufnehmen, um zu leben. Wir versuchen aber, in Gesellschaft zu essen und zu trinken. Kaum jemand geht gerne allein in die Mensa. Gäste werden stets bewirtet – und sei es nur mit einem Erfrischungsgetränk. Ernährung ist gemeinschaftsstiftend und wird in diesem Sinne mehr oder weniger zelebriert. Willst Du jemanden kennen lernen, dann iss mit ihm bzw. ihr. Oder noch besser: Kocht gemeinsam! Kulinarische Events lassen sich ganz unterschiedlich aufziehen: Sei es ein Picknick, zu dem jeder schon etwas Fertiges mitbringt, ein gemeinsamer Kochkurs, eine Motto-Food-Party oder eben ein klassischer Grillabend.

Dabei haben Deutsche und Polen gute Voraussetzungen: 1. Die beiden „nationalen Küchen“ haben einiges gemeinsam, unterscheiden sich aber doch genügend, um noch die eine oder andere Kuriosität zu entdecken. 2. Als Nachbarn kennt jeder Stereotype über den anderen. Viele sind mit Kulinarik verbunden. Bei gemeinsamen Kochereignissen kann überprüft werden, wie viel Wahres letztlich dran ist. 3. Da keine der beiden Küchen den Status einer „haute cuisine“ genießt, besteht weder Grund zu Überheblichkeit noch zu Scham. Man kann sich getrost auf Augenhöhe begegnen. Beim gemeinsamen Dessert-Wein bzw. -Bier kann dann noch die internationale Ignoranz gegenüber der jeweiligen Kochtradition gemeinsam beklagt werden. Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid. Auf die Freundschaft!

Idee Nr. 4: Spielbretter, Karten & Co. – ein Garten für Spielfreunde

Foto: Strecosa / Pixabay / CC0

Foto: Strecosa / Pixabay / CC0

Der vierte Vorschlag soll Freunde von Brett- und Kartenspielen zusammenführen. Bereits seit Jahren wächst dieser Markt in beiden Ländern stark und es gibt kaum ein Einkaufszentrum in Polen, in dem in den Gängen nicht die Stände stehen, an denen Spiele ausprobiert und verkauft werden. Gleichwohl es jeweils eine etwas unterschiedliche Akzentuierung gibt (in Polen finden vor allem Kriegsspiele steigenden Absatz), verbinden Brettspiele vor allem miteinander. Das Zusammenwachsen beider Märkte wird auch dadurch deutlich, dass Verlage aus Deutschland seit einigen Jahren vermehrt polnische Spiele auf den deutschen Markt bringen. Als eines der schönsten Spiele der vergangenen Jahre sei hier nur „Kolejka“ (Warteschlange) genannt. Und was eignet sich besser, um sich gemeinsam über die Geschichte auszutauschen, als der „kommunistische Klassiker“ – das Anstehen –  das man einfach selbst auf dem Brett nachspielt?

Brett- und Kartenspiele erfüllen vor allem eine soziale Funktion. Der Park eignet sich daher besonders gut, um sowohl Deutsche als auch Polen für ein Spiel zusammenzubringen. Egal, ob etwas für eingefleischte Fans à la Warhammer oder Freunde von Uno – für jeden kann etwas dabei sein. Figuren verschieben, würfeln, Karten auslegen, Angreifen & Verteidigen oder Holzscheiben schnippsen – der Kreativität sind heute keine Grenzen mehr gesetzt. Nach einer Partie geht man weiter zum nächsten Tisch und spielt mit neuen Leuten. Eine bessere Gelegenheit, um Gleichgesinnte kennenzulernen und mit ihnen einen tollen Nachmittag zu verbringen, gibt es gar nicht – und Spaß macht es auch noch! Und nach einer verlorenen Runde setzt man sich einfach im Park bei einem Eis zusammen und der Ärger ist verflogen.

Idee Nr. 5: Open-Air-Kino mit deutsch-polnischen Filmen

Nowe Horizonty 2009, Wrocław (Foto: Wikimedia / Yarl / CC-BY)

Nowe Horizonty 2009, Wrocław (Foto: Wikimedia / Yarl / CC-BY)

Unter freiem Himmel einen Film anschauen und dabei in einer lauen Sommernacht Popcorn naschen – das ist ein besonderes Erlebnis! Wer das Film-Festival „Nowe Horyzonty“ aus Breslau kennt, weiß, wie einzigartig die Atmosphäre im „freien Kino“ ist. Dabei treffen sich Kinofans, um unterm Sternenhimmel die vielseitige Welt des Films zu entdecken. Es gibt zahlreiche deutsch-polnische Filme oder Produktionen, die sich mit dem Nachbarland beschäftigen, sodass die Auswahl nicht schwer fallen wird. Zahlreiche Filme erzählen Geschichten über Menschen, die in beiden Ländern aufgewachsen sind, stellen die gemeinsame Geschichte dar oder spielen an Kulissen in Deutschland und Polen.

Filme verbinden. Ein Open-Air-Festival zum deutsch-polnischen Film sollte aus diesem Grund nicht fehlen. Wir wären sicherlich einer der ersten, der ein Ticket für das deutsch-polnische Filmfestival kauft und gespannt vor der Leinwand sitzt! Eine Liste mit Filmtipps können wir gern schon vorher einreichen.

Und was, liebe Leserinnen und Leser, sind Ihre Ideen für die Deutsch-Polnischen Freundschaftsgärten? Schreiben Sie uns Ihre Vorschläge in die Kommentare!

Die Deutsch-Polnischen Freundschaftsgärten im Netz:
deutsch-polnische-gaerten.de | ogrody-polsko-niemieckie.pl | facebook.com/OgrodyGaerten

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