7 Fragen an das polnische Fremdenverkehrsamt

Klaus Klöppel. Foto: Klaus Klöppel

Interview mit Klaus Klöppel

(Berlin, JW) Das polnische Fremdenverkehrsamt ist eine Außenstelle der POT, der in Warschau ansässigen Polska Organizacja Turystyczna. Mitten in Berlin, am Kurfürstendamm, findet sich die Einrichtung, die für die Vermarktung des Reiselandes Polen in Deutschland zuständig ist. Kein Wunder, dass wir im Rahmen unserer Interview-Reihe zum Tourismus in Polen (in Zusammenarbeit mit der XING-Gruppe ‚Reiseland Polen‘) auch mit einem Vertreter des Fremdenverkehrsamts sprechen. Die offizielle Vertretung der Tourismusorganisation Polens ist sowohl für die Betreuung der Presse in Deutschland zuständig, als auch für Anfragen von Individualreisenden und Reiseveranstaltern. Im Internet unter polen.travel vertreten, sieht man häufig auch Anzeigenkampagnen oder sogar Fernsehwerbung und Onlinewerbung mit dem Absender polen.travel. Auch auf Messen ist die Einrichtung präsent. Das Gespräch mit Herrn Klaus Klöppel, dem Pressesprecher des Polnischen Fremdenverkehrsamtes, führte Jens Hansel.

Polen.pl: Herr Klöppel, vielen Dank für Ihre Bereitschaft für dieses Gespräch. Natürlich geht es heute im den Tourismus in Polen. Aber zuerst interessieren uns ein paar Fakten zum Fremdenverkehrsamt. Verraten Sie uns, wie groß die Einrichtung in Bezug auf Mitarbeiterzahl und Aktivitäten ist? Wie viele Menschen reisten 2012 aus touristischen Gründen nach Polen, wie viele aus geschäftlichen Gründen?

Einerseits ist das Polnische Fremdenverkehrsamt in Berlin die größte Auslandsvertretung für Polen, was die Bedeutung von Deutschland als Quellmarkt für Polen unterstreicht. Rund ein Drittel aller ausländischen Touristen in Polen kommen aus Deutschland. Andererseits sind im Büro nur sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, was im Vergleich zu anderen Destinationen eher wenig ist. Sie sind für die Kontakte zu den Medien, zur Reisebranche und natürlich zu den Reisenden selbst zuständig. Das Büro wird während der täglichen Öffnungszeiten von vielen Reisenden besucht oder telefonisch kontaktiert, die sich über einzelne Orte und Angebote informieren möchten. Im vergangenen Jahr zählte Polen rund 14,8 Millionen ausländische Touristen, die mindestens eine Nacht im Land blieben. Das war ein Plus von 11 Prozent gegenüber 2011. Zum Teil ist der Zuwachs auf die Fußball-EM und die damit verbundene intensive Berichterstattung über Polen zurückzuführen. Die Zahl der Touristen aus Deutschland lag bei 4,8 Millionen, auch hier gab es auf hohem Niveau noch einen Zuwachs gegenüber 2011 – und zwar um etwa 5 Prozent. Diese Zahlen sind natürlich sehr erfreulich und sicher auch ein Ergebnis unserer intensiven Öffentlichkeitsarbeit. Umgekehrt ist Polen für die Deutschen auch eines der wichtigsten Reiseländer. Seit Jahren belegt das Land einen Platz unter den 10 beliebtesten ausländischen Destinationen. Noch mit deutlichem Abstand zu den Warmwasser-Zielen wie Spanien oder der Türkei, aber auf Augenhöhe mit Ländern wie Frankreich. Eine Unterscheidung zwischen touristischen und geschäftlichen Gründen wird bei der Erfassung der Zahlen nicht gemacht; oft sind die Grenzen ja auch fließend, denn auch Besucher, die geschäftlich nach Polen reisen, nutzen gerne touristische Angebote, gerade in Städten wie Warschau, Krakau oder Breslau.

Polen.pl: Was sind aus Ihrer Sicht die Themen für den Tourismus in Polen in den kommenden fünf Jahren? 2013 haben Sie das Thema Wellness ganz nach oben gesetzt. Was wird 2014 kommen, was 2015?

Wellness ist in diesem Jahr ein Schwerpunktthema in der Präsentation Polens, denn es hat sich in diesem Sektor in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Sehr viele moderne Wellnesshotels sind dort neu entstanden und sie haben ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Thema wird auch 2014 noch einen Schwerpunkt bilden. Daneben gibt es einige klassische Themen – wir präsentieren Polen als Ziel für Städtereisen mit einem sehr guten kulturellen und Unterhaltungsangebot, wir stellen die vielfältigen Angebote für Familien vor, die von Ferien auf dem Bauernhof bis zum Erholungsurlaub an der Ostsee reichen, und wir zeigen den Reichtum der polnischen Natur, der für naturbegeisterte und aktive Touristen hervorragende Möglichkeiten bietet. Natürlich bemüht sich Polen auch darum, auf dem Markt der Geschäftsreisen zu punkten; auch dort wurde die Infrastruktur in den vergangenen Jahren sehr stark ausgebaut; es gibt in allen Metropolregionen, aber auch in vielen landschaftlich schönen Gebieten moderne Tagungszentren. Es gibt seit Jahren einen Trend zu Städte- und Kulturreisen, in diesem Segment hat Polen viel zu bieten; es gibt einen starken Trend zum sanften Reisen, zu aktiver Erholung in der Natur, auch hier hat Polen ein enormes Potenzial. Und der Trend geht zu Reisen in der Nähe, auch hier bietet sich Polen an, denn das Land ist für deutsche Gäste nah und gleichzeitig ein wenig exotisch. Eine schöne Mischung. Insofern sehe ich die Chancen als sehr gut, dass auch in den kommenden Jahren das Interesse am Reiseland Polen wachsen wird.

Polen.pl: Wie steht es generell um den Tourismus in Polen? Ist der EM-Effekt schon abgeflaut, oder gab es gar keinen EM-Effekt? Wie ist ihre Einschätzung, wo liegen die Chancen für das Reiseland Polen in der Zukunft?

Ich habe schon darauf hingewiesen, dass es im vergangenen Jahr einen Zuwachs an Touristen gab. Das ist eigentlich ungewöhnlich, denn bei vielen Großereignissen verzeichnet man im Jahr der Veranstaltung eher eine Stagnation oder einen leichten Rückgang und die positiven Effekte setzen erst später ein. Ich sehe vor allem zwei Gründe für das Wachstum – es wurde, gerade auch von deutschen Medien, sehr viel im Vorfeld über Polen berichtet und so die Neugierde geweckt. Und im Zusammenhang mit der EM wurde die gesamte Infrastruktur verbessert. Es entstanden neue Flughäfen, Bahnhöfe, Straßen und Autobahnen und nicht zuletzt auch viele neue Hotels. Auch das wirkt sich positiv aus. Natürlich gehen wir davon aus, dass der positive Trend anhalten wird. In diesem Jahr gibt es mit der Beachvolleyball-Weltmeisterschaft Anfang Juli im kleinen Ort Stare Jabłonki in Westmasuren sowie mit der Volleyball-EM der Herren im September in der Dreistadt zwei weitere sportliche Events der Extraklasse und wir hoffen auch dabei auf viele Besucher auch Deutschland. Im kommenden Jahr folgt dann die WM im Volleyball.  Generell sehe ich die Chancen für das Reiseland Polen sehr gut, wenn auch weiterhin dort ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Angeboten gewahrt bleibt und wenn die Verantwortlichen auf allen Ebenen weiter am Ball bleiben und sich nicht auf den Erfolgen ausruhen.

Die Touristen heute sind sehr anspruchsvoll und können die Angebote in verschiedenen Ländern und Regionen vergleichen. Und andere Länder und Regionen sind leider auch nicht einfallslos im touristischen Wettbewerb. Es gibt also keinen Grund für Polen sich jetzt auszuruhen und den Erfolg der letzten Jahre zu genießen. Polen muss immer wieder mit neuen Angeboten auf sich aufmerksam machen. Es gab vor Jahren mal eine interessante Erhebung. Dabei wurden die Deutschen zu ihrer Polen-Affinität gefragt. Etwa ein Drittel gab an, schon in Polen gewesen zu sein, war begeistert und würde gerne mal wieder dorthin fahren. Für das zweite Drittel war Polen kein Thema und das dritte Drittel gab an, noch nie in Polen gewesen zu sein, aber Interesse zu haben, das Land endlich mal kennenzulernen. Ein Drittel von 80 Millionen Deutschen ist doch ein ganz ordentliches Wachstumspotenzial. Wenn man diesen gute Angebote machen oder interessante Anlässe schaffen kann, werden sich viele von ihnen auch auf den Weg nach Polen machen.

Polen.pl: Denken wir an die Medien in Deutschland. Blogs wie Polen.pl sind natürlich hochinteressiert an Neuigkeiten aus dem Tourismus in Polen. Wie steht es aber mit den anderen Medien? Im Fernsehen sieht man wenig darüber, in der Zeitung liest man auch nur gelegentlich etwas über den Ostseeurlaub oder Radtouren in Masuren. Woran liegt es, dass manch anderes Land so viel öfter in den Wochenend-Reisebeilagen beschrieben wird?

Dazu habe ich eine etwas andere Einschätzung. Für uns hat die Pressearbeit einen sehr hohen Stellenwert und wir erleben, wie in den vergangenen Jahren das Interesse am Reiseland Polen kontinuierlich gewachsen ist. Das betrifft vor allem die Tageszeitungen, aber auch einen großen Teil der Zeitschriften, Hörfunk, Fernsehen und das Internet. Etwas schwerer fällt es noch im Bereich der Hochglanzmagazine. Dort gibt es sicher Titel, für die Polen weiter weg liegt als die Seychellen. Aber auch dort registrieren wir erfreulicherweise Veränderungen. Das hat natürlich auch mit der Entwicklung der touristischen Infrastruktur in Polen zu tun. Es sind einfach eine Menge attraktiver Hotels entstanden, die auch höchste Ansprüche befriedigen. Es hat lange gedauert, bis Polen seinen ersten Michelin-Stern erhalten hat, aber jetzt gibt es ihn und damit wird nicht nur Wojciech Modest Amaro geehrt, sondern auch der Ehrgeiz vieler anderer junger Köche belohnt, die für eine moderne Interpretation der traditionellen polnischen Küche stehen. Auch junge polnische Künstler, Modemacher und Designer werden heute beim Fachpublikum im Ausland wahrgenommen und geschätzt. Hier ist sehr viel in Bewegung und das alles trägt auch dazu bei, dass Polen als Reiseziel attraktiver wird. Die Tore von Robert Lewandowski sind vielleicht effektiver für die Vermarktung von Polen als manche gut gemeinte Werbekampagne. Daran hat es in der Vergangenheit noch gefehlt: Identifikationsfiguren, die modern wirken, gut rüber kommen, erfolgreich sind und die eine breitere Öffentlichkeit mit Polen assoziiert – Sportler, Schauspieler, Musiker oder Models. Genau das Gleiche gilt übrigens auch für Produkte die mit einem Land verbunden werden. Wer an eine leckere Pizza denkt, bekommt schon Lust nach Italien zu reisen. Polen hat hervorragende Biere, die aber erst langsam auch auf dem deutschen Markt verbreitet werden. Polen ist das Mutterland des Wodkas, aber in den Regalen oder an den Bars fallen die polnischen Produkte kaum auf. Das sind nur Beispiele. Reisen hat sehr viel mit dem Image eines Landes zu tun, und das wird durch viele Faktoren geprägt, nicht allein von den Touristikern.

Ich habe das Gefühl, Polen als Land ist nach wie vor viel zu bescheiden in der Selbtvermarktung. Ich würde mir wünschen, dass mehr über das kulturelle Angebot Polens, mehr über die wirtschaftlichen Leistungen und die Produkte made in Poland in Deutschland informiert wird. Wer weiß schon, dass Polen ein wichtiger IT-Markt ist? Wer assoziiert Polen mit Markenlabels von Schuhen oder Kleidern? Das alles würde die Neugierde auf das Land wecken – und davon kann auch die Tourismusbranche profitieren.

Polen.pl: Eine ganz konkrete Frage: Welches sind aus Ihrer Sicht die drei meistunterschätzten Sehenswürdigkeiten Polens, welche sind überbewertet?

Bildschirmfoto 2013-05-13 um 05.34.37Gegenfrage: Von wem unterschätzt? Von Touristen, Medien oder von den Bewohnern vor Ort? Man trifft in Polen häufig auf interessante Sehenswürdigkeiten, die von den Menschen vor Ort gar nicht als etwas Besonderes gesehen werden. Ich ernte in Polen manchmal verwunderte Blicke, wenn ich auf die Frage nach meinen Lieblingsorten in Polen auch Łódź nenne. Ich finde die Stadt mit ihren ganzen Zeugnissen der Industriegeschichte, mit dem phantastischen Kunstmuseum und ihrer kreativen Szene sehr spannend; auch wenn Sie vielleicht nicht dem Ideal eines Touristenziels entspricht. Dann gibt es touristische Angebote, die zwar schon von vielen in- und ausländischen Touristen besucht sind, aber dennoch zu wenig bekannt sind. Ich denke zum Beispiel an Floßfahrten auf dem Dunajec. Das würde ich schon zu den Top-Angeboten in Europa zählen. Aber machen Sie mal die Probe aufs Exempel und fragen Passanten am Brandenburger Tor, wer den Dunajec-Durchbruch kennt. Also hier haben wir auch in Zukunft noch viel zu tun. Und schließlich gibt es eine ganze Reihe von wirklich interessanten kleinen Städten, die eine größere Aufmerksamkeit verdienen. Als positives Beispiel fällt mir hier Chełmno (Kulm) ein, das sich seit einigen Jahren sehr erfolgreich als Stadt der Verliebten vermarktet, weil dort eine Reliquie des Heiligen Valentin aufbewahrt wird. Durch das jährliche Fest zum Valentinstag und die ganzen anderen Angebote für Verliebte kennt man die Kleinstadt an der Weichsel inzwischen in ganz Polen und viele stellen erstaunt fest, dass die Stadt in ihrem mittelalterlichen Zentrum auch viele andere touristische Schätze birgt. Inzwischen beginnt man auch im Ausland die Stadt wahrzunehmen; in diesem Jahr haben auch verschiedene deutsche Zeitungen und Sender über die Stadt der Verliebten berichtet. Es ist sicher nicht verwunderlich, wenn ich auf die Frage nach Sehenswürdigkeiten in Polen, die überbewertet werden, keine Antwort parat habe… Aber ich möchte vielleicht auf einen anderen Aspekt eingehen. Manchmal wird das Auslandsmarketing Polens noch zu sehr aus der polnischen Perspektive betrachtet. Nicht alles, was für polnische Touristen interessant ist, spricht auch deutsche Gäste an – und Besucher aus den USA haben nochmal andere Interessen. Ich will ein Beispiel nennen. In Polen möchte man Urlaub auf dem Bauernhof besser vermarkten. In der Tat gibt es da einige phantastische Angebote. Aber viele Bauernhöfe sind für deutsche Gäste nicht wirklich geeignet, weil die Besitzer keine Fremdsprachen können oder weil die meisten deutschen Gäste andere Ansprüche bezüglich des Übernachtungsangebots haben. Hier muss man also immer die Zielgruppe im Auge behalten.

Polen.pl: Viele kritisieren die touristische Infrastruktur, weil es noch immer viele eher umprofessionell agierende Hotels und Anbieter bei Sehenswürdigkeiten gibt. Ist das immer noch so, oder handelt es sich um Klagen in Einzelfällen? Oder liegt es einfach daran, dass der Tourismus aus Deutschland für viele Tourismus-Unternehmer in Polen gar nicht so sehr im Fokus steht, weshalb man sich manchmal nicht so sehr auf Gäste aus Deutschland einstellt? Man findet viele Museen mit ausschließlich polnischer Beschriftung, viele Hotels hadern damit, sich auf Wünsche deutscher Gäste etwa in Bezug auf das Bier zum Abendessen oder das Brötchen zum Frühstück einzustellen. Ist das authentisch oder umprofessionell?

Ich wundere mich umgekehrt auch manchmal, weshalb es zum Beispiel in touristischen Zentren oder Restaurants in Brandenburg kaum Informationen auf Polnisch gibt, obwohl polnische Gäste eine interessante und wachsende Zielgruppe sind. Sicher gibt es in Polen noch einige Museen und andere Einrichtungen, in denen man sich als ausländischer Besucher hilflos fühlt, weil fremdsprachliche Informationen fehlen und auch die Mitarbeiter vor Ort nur Polnisch sprechen. Aber das ist zum Glück die Ausnahme und ich habe auch den Eindruck, dieses Problem wird geringer. Bei neuen Museen ist es üblich, dass sie zumindest auch umfangreiche Informationen auf Englisch haben und oft gibt es auch fremdsprachliche Führungen oder elektronische Guides in mehreren Sprachen. Bei den Hotels oder Restaurants kann ich aus vielen eigenen Erfahrungen einen Trend zur Professionalisierung erkennen. Bei Hotels der Mittelklasse oder Luxuskategorie kann man in aller Regel davon ausgehen, dass man als Gast mit Englisch gut zurecht kommt. Und in den Orten, die viele deutsche Gäste zählen, gibt es in der Regel auch deutschsprachige Mitarbeiter und Informationen. Generell ist mein Eindruck, dass nicht alle Hotel- und Restaurantbesitzer den Wert von guten Mitarbeitern genügend schätzen. Damit die Gäste sich wohlfühlen und wiederkommen oder ein Haus weiterempfehlen, kommt es nicht nur darauf an, dass die Zimmer schön sind und es einen gut ausgestatteten Wellnessbereich gibt, sondern dass man auch ein aufmerksames, interessiertes und freundliches Personal hat. Und in gutes Personal muss man investieren – durch eine gute Bezahlung oder durch Qualifizierung. Hotels oder Restaurants, die das praktizieren, haben meist auch langfristig Erfolg, ob in Deutschland oder in Polen. Und wer in Personal nur einen Kostenfaktor sieht wird irgendwann die Folgen spüren.

Was generell für meinen Geschmack in Polen noch unterentwickelt ist, ist die Zusammenarbeit vor Ort und ein gemeinsames regionales Marketing. Viele Hoteliers klagen zum Beispiel, dass die touristische Saison an der Ostsee zu kurz ist. Aber um die zu verlängern, bedarf es gemeinsamer Initiativen. Da reicht es nicht, wenn ein Hotel ein ganz gutes Angebot im Winter hat, aber alle anderen Hotels oder Restaurants in der Zeit geschlossen sind. Hier würde ich mir mehr gemeinsame Initiativen wünschen – warum nicht zum Beispiel Winterwochen in einem Seebad mit regionalen Gerichten in den Restaurants und kostenlosen Nordic Walking-Schnupperkursen für die Gäste der Hotels? Ein positives Beispiel ist die Aktion „Posen zum halben Preis“, die von der lokalen Tourismusorganisation organisiert wird und an der sich zahlreiche Hotels, Restaurants, Kultureinrichtungen und andere Dienstleister beteiligen. Man schafft damit einen Anlass zu einem Schnupperbesuch, die Hotels haben an dem Wochenende die Zimmer voll, und viele Gäste, die begeistert sind, kommen gerne einmal wieder. Die Aktion hat inzwischen eine ganze Reihe von Nachahmern in Polen gefunden.

Polen.pl: Es erscheint so, als seien viele Touristikveranstalter, die sich auf Polen spezialisiert haben, eher Einzelkämpfer. Ist der Markt zu klein für große Unternehmen, oder entwickelt er sich noch? Kann es daran liegen, dass der Tourismus mit Radreisen oder Kurreisen eher spezifisch auf kleinere Anbieter zugeschnitten ist?

Manche kleine Veranstalter haben schon vor der Wende Reisen organisiert, als man noch nicht selbst bei Hotels ein Zimmer bestellen konnte, eine Reihe von polnischstämmigen Bürgern haben danach damit begonnen, Reisen nach Polen zu organisieren und oft kleine Nischen besetzt. Aber der Markt verändert sich in vielerlei Hinsicht. Große Veranstalter haben Polen längst für sich entdeckt. In den Katalogen von TUI, ITS, Dertour oder Neckermann ist Polen inzwischen gut vertreten und die Veranstalter sind zufrieden mit den Ergebnissen. Auch bei großen Spezialveranstaltern wie Studiosus oder Wikinger ist Polen gut präsent. Es gibt sehr viele größere und kleinere Busreiseveranstalter, die regelmäßig Touren nach Polen im Programm haben, Polen ist seit Jahren auf Platz drei der beliebtesten Auslandsziele von Busreisenden. Es gibt auch viele Kuranbieter, für die Polen einen wichtigen Stellenwert hat. Der Markt ist sehr vielfältig und nicht zuletzt durch das Internet stark in Bewegung. Chancen hat wie überall derjenige, der innovativ ist, neue Produkte entwickelt, der auch den Mut hat, neue Regionen mit ins Programm aufzunehmen und nicht nur Me-too-Produkte anbietet. Wer sich darauf beschränkt, seit 20 Jahren die gleiche Rundfahrt zu den Höhepunkten Polens anzubieten, könnte irgendwann Absatzprobleme bekommen. Generell ist der Anteil der Polen-Reisenden, der die Dienste eines Veranstalters oder Reisebüro in Anspruch nimmt, eher gering. Das könnte auch eine Chance sein, mit guten Angeboten und Dienstleistungen neue Gäste zu gewinnen.

Polen.pl: Herr Klöppel, vielen Dank für die ausführlichen und fundierten Antworten. Über einige Punkte werden wir noch einmal genauer nachdenken und bestimmt auch Beispiele hier bei Polen.pl vorstellen. Beispielsweise das Thema ‚regionales Marketing von Regionen‘ und die Frage des ‚touristischen Potenzials Polens‘ hinsichtlich der riesigen Zahl interessierter Menschen, die Polen bislang noch nie besuchten. Wir sind gespannt auf die neuen Kampagnen und Hinweise des Fremdenverkehrsamtes und werden hier natürlich weiterhin berichten.

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  1. Benbulben

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