7 Fragen an Katja Lange zur Sicht von Busfahrern auf Fahrten nach Polen

Im Interview: Katja Lange von Dr.Herrmann Touristik

Im Interview: Katja Lange von Dr.Herrmann Touristik

(Berlin, JW) Reiseveranstalter, Vertreter des Fremdenverkehrsamtes, Reiseleiter und Hoteliers: In unserer Interview-Serie zum Tourismus in Polen haben wir einige Perspektiven erfahren. Im aktuellen Interview wird es ganz praktisch in Bezug auf Reisen nach Polen. Wir sprachen, auf einer Fahrt durch Polen, mit der Busfahrerin Katja Lange zu Ihren Erfahrungen mit Fahrten nach Polen. Das Interview entstand durch Jens Hansel in Kooperation mit der XING-Gruppe ‚Reiseland Polen‘.

Polen.pl: Katja, wir haben ja schnell gelernt, dass man sich an Bord des Busses meist duzt. Danke, dass Du mit uns zum Thema ‚Tourismus in Polen‘ sprichst. Fährst Du oft mit Bussen nach Polen? Und wenn ja, wohin?

Katja: Bei meiner jetzigen Firma arbeite ich noch nicht ganz so lange, aber schon bei der vorherigen bin ich mindestens vier Mal im Jahr nach Polen gefahren. Meist mit Gruppen, die an die polnische Ostsee oder nach Masuren wollten. Kolberg war sehr beliebt, aber auch Touren mit Danzig und der maurischen Seenplatte. Ich war schon ziemlich oft da.

Polen.pl: Was fällt Dir spontan zu diesen Reisen ein: Gibt es etwas, dass die Reisen nach Polen anders macht als Reisen in andere Länder?

Katja: (lacht) Früher haben wir oft gescherzt, dass man einen neuen Bus zuallererst nach Polen fahren sollte. Wenn er die dortigen Straßen übersteht, ohne dass Teile abfallen, dann ist er europatauglich. Tatsächlich sind schlechte Straßen für uns Busfahrer immer nervig, und in Polen gibt es immer noch ziemlich viele davon. Weiter östlich mehr. Insgesamt würde ich den Spruch heute aber nicht mehr unterschreiben, es ist besser geworden. Trotzdem sind die Touren durch enge Straßen und ziemlich viele aggressive Fahrer immer recht anstrengend.

Im Gegensatz zu anderen Kollegen, die mir manchmal davon erzählen, bin ich noch nie in eine der legendären Kontrollen geraten. Manche Kollegen sprechen von berüchtigten Kontrollen, bei denen manchmal so genau hingeschaut würde, als ob ein Problem am Bus gesucht würde. Selbst wenn Fahrzeiten und Pausenzeiten, Reifen und Motor einwandfrei seien, würde dann aufgrund eines kleinen Risses im Lack die Gruppe mehrere Stunden festgehalten und eine hohe Strafe auferlegt. Ob das Mythologie ist oder tatsächlich häufiger vorkommt, kann ich nicht sagen. Ich habe es oft gehört aber nie erlebt. Im Gegenteil: Wenn ich in Polen kontrolliert wurde, lief das sehr positiv ab. „Guten Tag“ vom Polizisten, „Guten Tag“ von mir. Dann die Fragen nach den Lenkzeiten, die Prüfung der Papiere und weiter gings.

Polen.pl: Wo gefällt es Dir am besten, Katja?

Katja: (überlegt) Eine gute Frage. Ich habe keinen Lieblingsort und kein Lieblingsland. Meine Fahrten führten mich schon überall hin, nach Italien, England, Österreich, Polen, und, und, und. Überall, wo es Wasser und Wiese und schöne Felder gibt, fühle ich mich wohl. In Polen finde ich besonders interessant diese Kirche an der Ostsee, die so langsam abrutscht und das Greifenschloss in Stettin. Meistens sehe ich ja hauptsächlich die Hotels; auf der Fahrt kann man sich nicht so viel umsehen. Die Hotels zum Beispiel an der Ostsee sind aber alle sehr gut; zumindest die, die ich kenne.

Polen.pl: Wie ist das mit der Mautpflicht auf den polnischen Autobahnen. Macht das Probleme?

Katja: Davon merke ich fast nichts. Es piept immer mal vom Mautgerät, wenn man unter den Messtoren durchfährt. Das erkläre ich meinen Fahrgästen dann, damit die nicht denken, dass sei irgendein Warnpiepton. Aber sonst ist das für Gelegenheitsfahrer wie mich unkompliziert. Die Anmeldung der Fahrten macht die Firma, die Mautbox ist da. Wenn ich nicht sicher bin, ob diese aufgeladen ist, kann ich es an den meisten Raststätten prüfen. Ehrlich gesagt: Das ist nichts Besonderes mehr, in Österreich und Tschechien ist es ja genau so.

Polen.pl: Gibt es neben den engen und manchmal holprigen Straßen andere Punkte, die Dir negativ aufgefallen sind?

Katja: (lacht) Irgendwas findet man immer. Aber im Ernst stören mich besonders bei den Danziger Hotels und vielen Hotels in Masuren die oft fehlende Serviceorientierung. In Kolberg zum Beispiel haben sich die Anbieter schon sehr auf die Touristen eingerichtet; man ist sehr kundenorientiert und tut etwas dafür, dass die Gäste zufrieden sind. So soll das sein. Da habe ich fast nur gute Erfahrungen gemacht. Anders in Danzig und Masuren: Dort habe ich manchmal das Gefühl, als Gast Bittsteller zu sein. Das kann ich nicht verstehen. Ich bin als Busfahrerin ja nicht nur Fahrerin, sondern auch ein bisschen Reiseleiterin und damit Dienstleisterin. Und da gehört es dazu, dass ich mir Mühe gebe, dass meine Gäste zufrieden sind.

Polen.pl: Wer fährt denn mit Dir so nach Polen? Gibt es bestimmte Gruppen von Reisenden?

Katja: Meistens haben die Teilnehmer der Fahrten eine verwandtschaftliche Beziehung nach Polen oder haben ihre Wurzeln dort. Das ist ein Teil. Der andere Teil ist einfach interessiert. Man kann auch nicht sagen, dass nur besonders reiche, besonders geschichtsorientierte oder besonders sparsame Menschen mitreisen. Es sind alle dabei. Letztens hatte ich eine 93jährigen Mitfahrerin, die war so fit, das hat mich sehr beeindruckt.

Polen.pl: Fährst Du nur im Sommer nach Polen?

Katja: Nein. Meistens schon (lacht), aber nicht immer. Nicht so schön für die Fahrer sind die Silvester- und Weihnachtsfahrten. Dann bin ich natürlich übers Fest oder zu Neujahr auch unterwegs. Diese Fahrten werden immer beliebter. Das ist einerseits schön, weil die Menschen rauskommen, andererseits auch bedenklich, weil sie diese Tage nicht im Kreis ihrer Familie oder Freunde verbringen. Obwohl: Manche bringen zumindest Silvester ihre Freunde auch mit. Ganz oft haben wir dann auch ganz tolle Gruppen.

Mir ist ein persönliches und lockeres Verhältnis immer wichtig, und ich habe schon viele tolle Menschen kennengelernt. So eine lange Reise schweißt die Menschen auch zusammen und man lernst sich gut kennen. Das ist auch das, was mir an dem Job so gut gefällt. Ich arbeite schon immer im sozialen Bereich und war auch schon in der Altenpflege tätig; eindeutig ist man als Busfahrerin auch für die Gruppe verantwortlich und das gefällt mir. Aber jetzt bin ich ein bisschen abgeschweift. Also: Die meisten Fahrten finden von Frühjahr bis Herbst statt, im Winter hauptsächlich zu Weihnachten und zum Jahreswechsel.

Polen.pl: Vielen Dank für die interessanten Einblicke in Deine Perspektive auf Urlaubsreisen nach Polen. Immerhin ist Polen ja eines der beliebtesten Busreiseländer für Touristen aus Deutschland und die Zahlen steigen weiter. Deswegen wird es wahrscheinlich nicht die letzte Fahrt für Dich ins Nachbarland gewesen sein. (Katja wendet lachend ein: Hoffentlich nicht!) Wir sehen uns also bestimmt wieder, vielleicht bei einer unserer nächsten Touren.

Katja Lange ist für das Unternehmen Dr. Herrmann Touristik aus Berlin tätig und lebt in der Nähe von Berlin. Sie kommt aus einer Busfahrer-Familie und fährt leidenschaftlich gern mit den großen Fahrzeugen durch Europa.

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*