Adam Krzemiński – ein polnisch-deutscher Europäer

Adam Krzemiński. Foto: Mariusz Kubik (www.mariuszkubik.pl)

Adam Krzemiński. Foto: Mariusz Kubik (www.mariuszkubik.pl)

(Bottmingen, HF) Der Publizist Adam Krzemiński gilt als der polnische Deutschlandkenner schlechthin. Der in der Nähe von Zamość in Südostpolen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges geborene Krzemiński studierte Anfang der siebziger Jahre in Warschau und Leipzig Germanistik. Er begann als 28-jähriger seine journalistische Laufbahn bei der polnischen politischen Wochenzeitschrift Polityka, der er zeitlebens treu blieb, obwohl er in Polen auch in anderen Zeitungen und Zeitschriften wie zum Beispiel der Gazeta Wyborcza und dem Tygodnik Powszechny publiziert.

Worin unterscheiden wir uns, worin sind wir uns ähnlich?

In seiner Dankesrede zur Verleihung des Viadrina-Preises 2006 sagte er von sich, dass er versuche, „seinen Lesern, Zuhörern und nicht zuletzt sich selbst diese deutsch-polnische Nachbarschaft zu erklären: Worin unterscheiden wir uns, worin sind wir uns ähnlich? Wo stören wir uns gegenseitig, und wo ergänzen wir uns beinahe nahtlos?“

Kulturübersetzer Richtung Weichsel

Seinen Landsleuten ist der Publizist ein wichtiger Kultur-Übersetzer, Unterstützer und politischer Ratgeber. Lange Zeit veröffentlichte er hauptsächlich über Themen, die im Zusammenhang mit der deutschen Geschichte und Gesellschaft standen. Er erklärte seinen Lesern, „wie die Deutschen ticken“, wie und warum man hinter der Oder anders urteilt und wie man das aus polnischer Sicht bewerten kann. Und er half den Polen dabei, ein gelösteres Verhältnis zum historischen preussischen Kulturerbe auf polnischen Boden zu finden („Preussen, das sind wir. Wir müssen erneut grössere Teile des Landes entdecken, in dem wir leben.“); was die Bereitschaft zu Erhalt des Erbes wachsen liess.

Sensiblisierung der Nachbarn

In die entgegengesetzte Richtung geschaut erklärt Krzemiński seinen deutschen Lesern polnisches Denken und bettet dieses in die in Deutschland in der Breite höchstens in Bruchstücken bekannte polnische Geschichte ein. Zugleich versucht er den Leser diesseits der Oder für die polnische Empfindsamkeit zu sensibilisieren, was ein grösseres Unterfangen darstellt, wie jeder bestätigen kann, der sich mit deutsch-polnischem Austausch befasst.

Im deutschsprachigen Raum kann man Krzemiński in verschiedenen Printmedien lesen. So war er zum Beispiel Gastredakteur der Zeit, schrieb Beiträge in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, er publizierte im Spiegel, in der Welt, in der Neuen Zürcher Zeitung, der Frankfurter Rundschau, der Süddeutschen Zeitung, im Merkur und im Internet (z.B. hier).

Europäische Kommnikation

In den letzten Jahren treten neben die deutsch-polnischen Themen zunehmend solche, die die europäische Zusammenarbeit, insbesondere die Kommunikation zwischen den Völkern und das gegenseitige Zuhören und sich Verstehen betreffen.

Der Buchautor Krzemiński

Adam Krzemiński ist zudem Autor oder Koautor einer Reihe von Büchern:

  • Polen im 20. Jahrhundert. Ein historischer Essay. 2012, 3. Auflage, Beck
  • Schuld & Sühne – Stolz & Vorurteil: Polen und Deutsche. Gunter Hofmann, Adam Krzemiński, Dirk Reinartz und Lukasz Trzcinski. Edition Fototapeta. 2008. (Rezension)
  • Testfall für Europa: Deutsch-polnische Nachbarschaft muss gelingen. Edition Körber Stiftung, 2008
  • Deutsch-Polnische Verspiegelung. Holzhausen, 2001

Gesellschaftliche Anerkennung für grosse Verdienste

Im Jahr 1993 wurde Adam Krzemiński für Verdienste um die Pflege der deutschen Sprache im Ausland und zur Förderung der internationalen kulturellen Zusammenarbeit die Goethe-Medaille verliehen. Diese entspricht einem offiziellen deutschen Orden. In Würdigung seiner Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung erhielt er 1996 den Essayistik-Preis des polnischen PEN-Clubs und 1999 das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Im November 2006 wurde ihm der Viadrina-Preis der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) überreicht.

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