Ahnenforschung 2.0: Ein Reiseblog auf Spuren der Vergangenheit

Briefumschlag und Stift. Foto: Polen.pl (JW)

Eine Blog auf Spuren der Vergangenheit

(Berlin, JW) Goethe schrieb Briefe, auch über seine Reisen. David Hume kommentierte seine Reisen in Berichten. Wer heute auf große Fahrt geht – sei es eine mehrwöchige Radtour oder eine längerer Neuseeland-Trip – schreibt einen Weblog. Oder mindestens E-Mails, wenn man zur älteren Generation gehört. Ausgenommen von Blogs schienen bisher die ‚Handlungsreisenden‘ in Sachen Ahnenforschung, die sich eher in fachlich orientierten Online-Foren austauschten. Mit dem Projekt inthedarknight.com von Marcel Krüger ist nun ein Weblog erschienen, in dem der Autor den Weg seiner Großmutter nachvollziehen möchte. 67 Jahre nach dem Geschehen reist Krüger daher vom Heimatort seiner Mutter Łęgajny (Legainen) in Polen nach Jekaterinburg im Ural und zurück.

Recherche, Auseinandersetzung und Dokumentation

Nach eigenen Angaben möchte der Autor sich auf der Reise nicht nur Recherchen widmen und sich mit der Geschichte beschäftigen, sondern auch die Reise selbst – seine erste Reise nach Polen und Russland – dokumentieren. Und zwar „mit allen Mitteln des Web 2.0“. Krüger ist nach eigenem Bekunden Blogger und Schreiber. Auch ein Ziel seiner Reise: Das Treffen anderer Schreiber in Polen und Russland sowie Erkenntnisse zur heutigen Sicht auf die gemeinsame Geschichte.

Ausgangspunkt dafür ist die Entführung seiner Großmutter im Alter von 23 Jahren, die vor 67 Jahren geschah. Er beschreibt, dass seine „Grossmutter (…) 1945 von der Roten Armee aus Ostpreussen verschleppt (wurde)“ und erst nach Jahren der Zwangsarbeit wieder nach Westdeutschland gelangte, ohne jemals wieder in ihren Heimatort zu kommen. Die Wahl des Namens für den Weblog begründet der Blogger mit einem Gedicht der nicht unumstrittenen Agnes Miegel.

Bericht aus Polen

Einige Tage berichtet Krüger aus Polen, in lesenswerten Beiträgen. Schnell stellt er fest, dass es ohne Polnischkenntnisse nicht so einfach ist, in Kontakt mit den Menschen zu kommen um tiefgründige Gespräche zu führen. Aber er stellt auch fest, dass er seine „Zeit in Polen sehr genossen“ habe, Gefallen an Piroggen gefunden hat, die Menschen sehr zuvorkommend und höflich erlebte und unbedingt noch einmal wiederkommen muss. Tatsächlich sind die online dokumentierten Erkenntnisse zur Vergangenheit auch gering, was allerdings ohne eine sehr intensive Vorbereitung einer solchen Recherchetour auch kaum anders möglich ist: Andere Ahnenforscher verbringen oft mehrere Wochen in den Archiven und den Orten ihres Recherchemittelpunktes. So darf man Krügers Reise auch weniger als Ahnenforschung im klassischen Sinne verstehen als eine erste Annäherung an die heutige Lebenswelt auf Basis der eigenen familiären Verbindung.

Im Blog lesen: inthedarknight.com (Hinweis: Der runde schwarze Pfeil klappt die Blogbeiträge komplett auf)

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  1. Jens

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