Aktive Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit – alles nur Alibi?

Bereits gegen 19 Uhr war die Fanmeile gut besucht (AK)

Gute Stimmung aber kein ‚Jobboom‘ – die EURO 2012 in Polen. Foto: Polen.pl (AK)

(Hamburg, JE) Während hierzulande immer noch vom Erfolgsmodell Polen gesprochen wird und auch polnische Medien und Politiker gerne weiter die stabile wirtschaftliche Entwicklung loben, ist die Zahl der Arbeitslosen in unserem östlichen Nachbarland in diesem Jahr wieder angestiegen. Im Vergleich zum Juli 2011 waren zum gleichen Zeitpunkt in diesem Jahr etwa 90.000 Menschen mehr als arbeitslos registriert. Die Gesamtzahl lag im Juli 2012 bei ca. 1.953.000, was einer Arbeitslosenquote von 12,3 Prozent entsprach. Wer sich die Entwicklung der Arbeitslosenstatistik anschaut, erkennt, dass die Zahl in diesem Sommer deutlich schwächer zurückgegangen ist nach dem traditionellen Anstieg in den Wintermonaten als im Vorjahr (Daten des polnischen ‚Bundesamts für Statistik‘ GUS, siehe http://www.stat.gov.pl).

Die Pleitewellen in einigen Branchen, insbesondere der im Sommer besonders aktiven Bauwirtschaft, dürften hier eine Rolle gespielt haben. Kaum einen Einfluss auf die Arbeitslosenstatistik zu haben, scheint dagegen das, was die Regierung ‚aktive Maßnahmen‘ der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit nennt. Wie die Wochenzeitung Polityka zeigt, hat sich die drastische Reduzierung der Ausgaben für ‚aktive Maßnahmen‘ im Jahr 2011 kaum auf die Zahl der Erwerbslosen ausgewirkt. Als das polnische Ministerium für Arbeit und Sozialpolitik im Jahr 2010 ganze 6,5 Mrd. Zloty für den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ausgab, betrug die Arbeitslosenquote 12,5 Prozent. Ein Jahr später, bei eher nicht verbesserter Gesamtwirtschaftslage, sanken die Ausgaben um 50 Prozent auf 3,2 Mrd. Zloty – die Arbeitslosenquote stieg lediglich um 0,1 Prozent.

Zu den betroffenen Maßnahmen zählen beispielsweise Schulungen oder die Finanzierung von Praktika in der Wirtschaft durch das Arbeitsamt, vor allem aber auch Starthilfen für Kleinunternehmer. 2011 hätten 26.108 arbeitslose Personen einen solchen Zuschuss für die Gründung einer eigenen Firma erhalten, schreibt Joanna Solska in der Polityka. Bis zu 20.000 Zloty hätten Firmengründer bekommen. Das Arbeitsministerium verkauft den Zuschuss als Erfolgsmodell. Über 75 Prozent der neuen Unternehmen würden sich länger als ein Jahr auf dem Markt halten. 80 Prozent der geförderten Unternehmen würden im ersten Jahr überhaupt keinen Umsatz notieren, halten Wissenschaftler dagegen. Ihre Erklärung ist einfach: Wer das geförderte Gewerbe direkt wieder abmelden würde, liefe Gefahr, den Zuschuss zurückzahlen zu müssen. Sobald diese Gefahr gebannt ist, melden die meisten bezuschussten Kleinunternehmer ihr Unternehmen wieder ab und kehren zurück in die Arbeitslosigkeit, vermutet Solska. Das Fördermodell sei nichts als kurzfristige Kosmetik der Arbeitslosenstatistik, die den Staat teuer zu stehen komme.

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Comments
  1. Johann König
  2. Jochen
  3. Juergen

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*