Arbeitslosigkeit in Polen steigt: Welche Branchen sind betroffen?

Die Graphik zeigt -Wer will Jobs in Polen streichen in 2013. Graphik: polen-pl.eu (BDZ)

Wer streicht Jobs in Polen. Graphik: polen-pl.eu (BDZ)

(Warszawa, BDZ) Man hört es hier, man hört es dort – die polnische Wirtschaft erfährt gerade eine harte Bremsung.

Die magere Wirtschaftsdynamik im Euroraum, insbesondere in Deutschland, sehen die Einen als Grund; sinkende  Konsumnachfrage im Inland beklagen die Anderen. 14 Prozent der Menschen sind ohne Arbeit – das ist die harte Realität in Polen. Interessant ist aber auch zu erfahren, welche Branchen betroffen sind, welche Firmen sich gezwungen fühlen, sich gesund zu schrumpfen.

Die Baubranche kriselt schon seit Sommer

Die tiefe Krise in der Baubranche, insbesondere dem Straßenbau, dauert spätestens seit dem Ende der Fussballeuropameisterschaft 2012 an. Zahlreiche Unternehmen scheinen sich bei der Preisfeststellung ernsthaft verkalkuliert zu haben, eine regelrechte Konkurswelle rollte durch die Branche im Spätsommer 2012. Etwas überraschend wirkte vor diesem Hintergrund die Nachricht, die Anfang Dezember über die Aufdeckung illegaler Preisabsprachen informierte.

Die Staatsanwaltschaft gab bekannt, Mitarbeiter von 10 Straßenbauunternehmen sollen sich 2009 abgesprochen haben, welche Firma in welchem Ausschreibungsverfahren beim Bau der A4 welche Beträge bieten würde. Anscheinend sicherten aber nicht einmal die Absprachen eine ausreichende Gewinnspanne, um das Weiterbestehen der Firmen zu sichern.

LOT kämpft ums Überleben

Die polnische Fluglinie findet seit Jahren kein Rezept, um gewinnbringend auf dem Markt zu agieren. Eine angestrebte Privatisierung durch Übernahme oder Börsengang ist ebenfalls nicht gelungen. Eine Serie von unglücklichen Ereignissen in 2012 machte dem LOT- Chef das Leben auch nicht einfacher.

Die Konkurrenz des heute bereits nicht mehr existierenden Beförderers OLT zwang LOT, über einige Monate hinweg niedrige Preise anzubieten. Die Entscheidung, neue Dreamliner-Maschinen in Betrieb zu nehmen, scheint wegen deren Störanfälligkeit aus heutiger Sicht ebenfalls etwas unglücklich. Die Dreamliner werden bis Oktober 2013 am Boden bleiben müssen, was die Lage nicht vereinfacht.

Der neue Chef Sebastian Mikosz will zahlreiche unrentable Verbindungen streichen, 10 Maschinen loswerden und 600 Mitarbeiter entlassen. Hoffentlich bringt es die traditionsreiche Fluglinie wieder auf die Gewinnstrecke.

Finanzbranche schreibt schwarze Zahlen

Anders scheint die Lage in der Finanzbranche zu sein. Alle bekannte Namen zeigen schwarze Zahlen. Deren Aktivität, Jobs zu streichen wird damit begründet, man wolle sich für härtere Zeiten rüsten. Im Falle der Raiffeisenbank Polbank und von BNP Paribas sind Entlassungen allerdings eher Folge der Fusionen, die 2011/2012 erfolgten.

Der französische Riese übernahm die schwächelnde Fortis Bank, die in Belgien zu Hause ist. Die österreichische Raiffeisenbank kaufte die Zweigstelle der griechischen Eurobank Ergasias, die in Polen als EFG Polbank erfolreich agierte.

Im Falle der polnischen Versicherungsgruppe PZU sind Streichungen ein Teil einer langfristigen Strategie, mehr Gewinn zu erwirtschaften. Von Überleben kann hier nicht die Rede sein, PZU ist seit Jahren Marktführer der polnischen Versicherungsbranche. Auch deutsche Firmen wollen einen Teil des lokalen Kuchens abgreifen: TALANX übernahm im Juli 2012 die polnische WARTA Versicherung, die ALLIANZ Gruppe ist auch seit Jahren in Polen aktiv.

TP SA schrumpft und schrumpft

Die Firma, die die Analysten gerade diese Woche tief enttäuschte, heisst Telekomunikacja Polska. Der uralte polnische Telekom-Riese agiert seit einiger Zeit unter dem Markennamen des französischen Eigentümers ORANGE. Deren Aktie verbilligte sich am Dienstag um fast 30 Prozent, nachdem TP SA bekannt gab, der Gewinn im 4. Quartal 2012 sei auf 51 Mio. Złoty gesunken (-86%). Im gleichen Quartal 2011 habe er noch 358 Mio. betragen.

TP SA verliert Kunden und muss sinkende Gewinne akzeptieren, da das Kerngeschäft – Festnetztelefon und  Internet – immer mehr Marktanteile an die Mobilsparte verliert. Auch der Kampf unter den GSM-Anbietern spitzt sich zu. Die Folge: Die Großhandelspreise im Mobilmarkt sinken, die Gewinne schrumpfen. TP SA will unter anderem 1700 Stellen streichen und sich weiter an die geänderten Marktbedingungen anpassen.

 

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  1. frank

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