Atomenergie in Polen: Gedankenaustausch in Koszalin

Diskussionsveranstaltung in Koszalin. Foto: Andreas Schwarze

Atomkraft in Polen: Ja oder Nein? Ein Termin in Koszalin. Foto: Andreas Schwarze

(Tantow, AS) Es war am Donnerstag, den 24. Januar 2013, als sich rund 100 Teilnehmer zu einem Gedankenaustausch zur Kernkraftnutzung im Rathaus von Koszalin trafen. Eingeladen hatte das Service- und Beratungszentrum der Euroregion Pomerania, gekommen waren  Vertreter der Initiative AFLUM (Atomfreies Leben in der Uckermark), diverse Umweltinitiativen aus Polen und Deutschland (zum Beispiel Anti-Atom Berlin, die Franziskaner Umweltbewegung) sowie weitere Akteure aus Polen (Fremdenverkehrsverbände aus der Region Koszalin, Vertreter regionaler Verwaltungen) und aus Deutschland (zum Beispiel vom Amt Gartz (Oder),  der Bürgermeister von Tantow. 

Umgang mit Atomkraftwerken

Diskussion zur Atomkraft in Polen. Foto: Andreas Schwarze

Diskussion zur Atomkraft in Polen. Foto: Andreas Schwarze

Andrej Kierzek, der Vizebürgermeister der Stadt Koszalin, berichtete über Infrastruktur, Verwaltung und Tourismus und die Stadtentwickung Koszalins, gefolgt von  Jürgen Ramthun, Direktor der Energiewerke Nord aus Lubmin. Dieser stellte ausführlich und eindrucksvoll den Rückbau des einstigen Atommeilers an der Küste Ostdeutschlands und die Reindustrialisierung des stillgelegten Geländes dar. Herr Jürgen Ramthun lieferte wohl den ausführlichsten und sachlichsten Beitrag der Konferenz und war später dann auch derjenige, der in der Diskussion die meisten Fragen beantworten durfte, was er sachlich und gegenüber Befürwortern und Gegnern der Atomkraft sehr um Neutralität bemüht, tat.

Sein Fazit: Wenn sich ein Land für die friedliche Nutzung der Kernkraft entscheidet, muss es sich, sowohl bei der Entscheidung selbst wie auch bei der Planung über die gewaltigen Aufgaben eines Rückbaus der Atomkraftwerke Gedanken machen. Auch müsse bereits am Anfang eine Lösung für ein atomares Endlager bedacht sein. Dies belegten vor allem die derzeit in Deutschland und vielen anderen Atomländern gemachten Erfahrungen.

Sorgen vor Ort

Olga Roszak-Pezala, die Bürgermeisterin von Mielno in der Wojewodschaft Westpommern, schilderte ausführlich und sehr engagiert die Bedenken und Protestaktionen in ihrer Gemeinde. In Mielno, dem beliebten Küsten-Urlaubsort,  soll nach aktuellen Planungen  möglicherweise Polens erster Atommeiler ans Netz gehen. Für die überwiegende Mehrheit der Konferenzteilnehmer blieb es völlig unverständlich, dass das am 12. Februar 2012 in Mielno durchgeführte Referendum, in dem sich 94 Prozent der Wähler gegen Atomkraft aussprachen, bis zum heutigen Tage ohne offizielle Resonanz aus Warschau, Szczecin (Stettin) oder von seiten des staatlichen Betreibers blieb.

Zugleich blieb Frau Roszak-Pezala jedoch auf die Frage aus dem Publikum nach einer alternativen Energiegewinnung in ihrer Gemeinde, zum Beispiel mittels Windfeldern oder Solarparks, eine Antwort schuldig. Auf die Frage nach  der endgültigen Standortentscheidung an  Marzena Budnik-Rodz, Leiterin der Abteilung Infrastruktur der Wojewodschaft Westpommern, verwies sie auf die Warschauer Regierung und die Tatsache, dass der Wojewodschaftsmarschall  nur die Funktion eines Beisitzers bei der Meinungsfindung habe.

Durch die Veranstaltung führte der Szczeciner (Stettiner) Professor Konrad Czerski. Er befand sich ein wenig auf Konfrontationskurs gegenüber vielen anderen Teilnehmern undverwies auf Umfragen, wonach mittlerweile über 50 Prozent der Polen für Atomkraftwerke votieren würden. Auch werde massiv Informationsarbeit mit einem Info-Bus betrieben, welcher potentielle Standorte anfährt und über diesen der Dialog mit der Bevölkerung und den politisch Verantwortlichen gesucht werden solle.

Auch Protest

Anti-Atom-Demo Koszalin Januar 2013. Foto: Andreas Schwarze

Verhaltene Anti-Atom-Demo in Koszalin. Foto: Andreas Schwarze

Die Veranstaltung wurde von lautstarkem Protest mit Musik, Sprechchören und Tanz auf einer improvisierten LKW-Bühne vor dem Rathaus von schätzungsweise 50 Atomkraft-Gegnern begleitet. Es blieb jedoch friedlich, denn zum Einen wurden die Demonstranten vom Koszaliner Viezebürgermeister eingeladen, an der Konferenz teilzunehmen. Zum Anderen nutzten recht viele Konferenzteilnehmer auch Pausen in der Veranstaltung, um mit den Demonstrationsteilnehmern ins Gespräch zu kommen. Insgesamt entstand durch diese Gemengelage eine recht ausgewogene Diskussionsveranstaltung zum Thema.

Siehe auch unserer früherer Beitrag zum ‚zarten Pflänzchen der Anti-AKW-Bewegung in Polen‘  

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Comments
  1. Volker (AFLUM/Mescherin)
  2. Anonymus
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