Ausprobiert: Leih-Handykarte für den Urlaub in Polen

T-Mobile Geschäft in Kościerzyna. Foto: Polen.pl (BD)

Handykarten-Sharing: Eine Alternative zum Gang in den polnischen Telefonshop?

(Berlin, JW) Einfach in Polen eine Mobiltelefon-Karte kaufen, wenn man dort im Urlaub ist: Das ist oft die günstigste Variante, nach Hause und vor Ort in Polen zu telefonieren. Wem das zu kompliziert ist – oder zu teuer, für den ist möglicherweise ein neues Online-Angebot interessant. Wir wollten es gleich einmal ausprobieren. Dem Service mit dem Namen ‚Mysimshare‘ liegt ein einfaches Prinzip zugrunde: Man leiht sich einfach eine Telefonkarte für das Handy (‚Sim-Karte‘) von jemandem aus dem Zielland oder aus dem eigenen Land, der schon eine solche – zum Beispiel für Polen – besitzt. Nach Car-Sharing und Pferde-Sharing (ja, das gibt es!) kommt nun also das Handykarten-Sharing für den Urlaub?

Ganz frisch am Markt – und wenige Angebote

Zugegeben, wir waren wohl mit die ersten, die den Dienst von ‚Mysimshare‘ ausprobiert haben. Daher haben wir uns nur wenig gewundert, dass es noch fast keine Angebote – in Polen Null – für Sim-Karten gibt. Aber das mag sich ja noch ändern. Das Modell funktioniert ziemlich simpel: Es gibt nach der kostenfreien Registrierung auf der Internetseite zwei wichtige Menüpunkte, die kreativ mit ‚Take Freedom‘ und ‚Give Freedom‘ betitelt sind. Wer Freiheit nimmt, sucht Handykarten, wer Freiheit gibt, möchte Mobiltelefonkarten verleihen. Man könnte einen euphemistischen Zug bei dieser Benamung unterstellen, geht es am Ende ja doch ums Geldverdienen: Kartenverleiher sollen mindestens neun Euro an jeder Transaktion verdienen. Das geht auch aus den erstaunlich lesbar formulierten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) hervor: ‚(…) MySimShare.com stellt ein Netzwerk zur Verfügung, über das registrierte Teilnehmer (Vermieter) zu gewerblichen Zwecken anderen Teilnehmern (Mietern) den Abschluss von kurz- oder längerfristigen Mietverträgen über die Nutzung von Mobilfunk SIM-Karten (…) anbieten können„. Nun gut, aber das kann sich ja dennoch für beide Seiten rechnen.

So soll man zur Handykarte kommen

Die etwas hakelige Bedienung mit dem einen oder anderen Rechtschreibfehler in den Texten und das irgendwie von vor 2010 wirkende Design der Website sind keine wirkliche Hürde, die Funktionsweise nachvollziehen zu können. Es kommt ja auf das Ergebnis an, klar. Aber ein wenig mehr Mühe – Nacharbeit kommt vielleicht noch – hätte man sich beim Design insbesondere der Formulare geben können.

Der Anbieter selbst vermietet keine Karten, sondern es entstehen am Ende bei einem Übereintreffen von Angebot und Nachfrage Verträge zwischen dem Kartenvermieter und dem Kartenmieter. Damit ist die Plattform also mehr oder weniger ein virtueller Mietmarktplatz für Sim-Karten. Die rechtliche Seite können wir hier natürlich nicht beleuchten (wie es sich beispielsweise mit Vertragseigentümern und der Weitergabe verhält), aber das dürfte sicher vom Anbieter geklärt worden sein. Die Verantwortlichkeit dafür, dass die Handykarten die zugesicherten Eigenschaften (z.B. Datentarife, Sim-Karten-Format etc.) erfüllen, trägt der Vermieter; verantwortlich für das Einhalten eventueller Datenvolumenbegrenzungen ist der Mieter. Da merkt man schon: Nun wird es doch kompliziert. Nicht für ‚Mysimshare‘, sondern für die Kartentauscher.

Ein kurzer Test

Flott von der Hand ging das Einstellen eines Kartengesuchs für unseren nächsten Polen-Aufenthalt. Naturgemäß – das Angebot ist ja noch neu – gab es noch keine passende Offerte. Wenn es dann zu einer solchen kommen würde, würde eine Preiseinigung erfolgen müssen, da für Polen im ‚Mysimshare‘-System noch keine Netzanbieter und Preise hinterlegt sind. Nicht nur, wenn es mehrere passende Anbieter gibt, erfolgt die Einigung auf einen ‚Leihdeal‘ in einem Auktionsverfahren, so dass beide Seiten ihren Willen zum Vertragsschluss dokumentieren müssen.  Erst danach erfolgen Zahlung (per Paypal, ohne Alternative) und Versand der Karte. Die Karte wird dann nach der Benutzungszeit wieder zurückgesandt, eine vom Mieter zu zahlende Kaution wird erstattet – und erst dann gilt der Vertrag als erfüllt. Wie auf modernen Internetseiten üblich, kann dann noch der Vermieter den Mieter und umgekehrt bewerten, der Mieter darf auch noch ein Statement zur Netzqualität abgeben.

Eine Alternative für das Mobiltelefonieren in Polen?

Die Idee gefiel uns auf Anhieb: Einfach die Handykarten tauschen, wenn man ohnehin nur selten in Polen ist. Wenn das viele Menschen betrifft, die sonst Karten daheim herumliegen haben, wäre das ein lohnenswerter Kreislauf. Die Umsetzung hingegen bietet noch Luft nach oben: Nicht nur gestalterisch und was die Benutzerfreundlichkeit der Formulare anbetrifft: Nein, vor allem in Bezug auf die Komplexität. Preisverhandlungen, Kartenversand, Kartenrückversand, Kaution und Erstattung – der ganze Aufwand, um am Ende vielleicht ein paar Euro zu sparen, wenn man Portokosten, Gewinnabsicht des Vermieters und die zu investierende Zeit berechnet? Es scheint uns zunächst noch schwer vorstellbar, dass dies – zumindest für Polen, wo die Preise für Sim-Karten niedrig sind – eine gute Alternative zum Selbsterwerb einer Karte oder eben der Reduktion des Telefoniervolumens ist.

Vielleicht wäre eine regionale Börse eine Alternative, so dass zumindest in Ballungsräumen die Menschen die Karten direkt übergeben können? Oder ein zentraler Versand, so dass zumindest die Rahmenbedingungen für die Kartenkonfiguration, die Kosten und Versandzeiten vereinheitlicht sind?

Mehr Informationen direkt beim Anbieter: www.mysimshare.com

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Comments
  1. Brigitte Jäger-Dabek
  2. Fred

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