Ausschluss aus der Kirche wegen In-vitro-Gesetz

Die historische Wawel Kathedrale in Krakow. Foto: Polen.pl (BD)

Die historische Wawel Kathedrale in Krakow. Foto: Polen.pl (BD)

Die katholische Kirche in Polen hat sich ungewöhnlich direkt in die politische Entscheidungsfindung eingemischt: Es geht dabei um einen Gesetzentwurf zur In-vitro-Fertilisation, einem Verfahren zur künstlichen Befruchtung. Diese Methode, die in Deutschland bei bestimmten Voraussetzungen der Kinderlosigkeit erlaubt ist, soll in Polen nun auch zugelassen werden. So zumindest will es der Gesetzentwurf.

Der Warschauer Erzbischof Hoser sagte in einem Interview, dass Politiker sich selbst aus der Kirche ausschließen würden – wenn sie für diesen Gesetzentwurf stimmten. Zwar ist auch Hoser mit dieser Aussage in der katholischen Kirche umstritten, aber er gibt doch eine weit verbreitete Meinung der Geistlichen wider. Immerhin ist Hoser auch Vorsitzender in einem für dieses Thema entscheidendem Gremium der Kirche: Der Bioethik-Komission. Man kann also davon ausgehen, dass sein Wort im katholisch geprägten Polen Niederhall finden wird.

Die regierende Partei PO (Bürgerplattform) stellt sich weitgehend hinter den Gesetzentwurf. Zwar könne man die Bedenken der Kirche verstehen, allerdings müsse man auch die zahlreichen wertvollen entstandenen Menschen durch diese Methode der künstlichen Befruchtung sehen.

Die Oppositionspartei PiS, deren Büro in Lodz in dieser Woche Ziel eines Attentats war, hat einen gegensätzlichen Entwurf eingebracht: Demnach wird die In-vitro-Fertilisation verboten. Weiterhin bestehen einige kleine Unterschiede in den mittlerweile sechs vorliegenden Gesetzesentwürfen zu diesem Thema: Insbesondere die Frage, ob bereits bestehende eingefrorene Embryonen noch zum Leben erweckt werden dürfen und die Frage, ob solche Tiefkühl-Embryonen auf Vorrat zulässig sind, unterscheidet die Vorschläge. Daran wiederum hängt direkt die Frage, ob die künstliche Befruchtung nur Ehepaaren oder auch Alleinlebenden oder in gleichgeschlechtlicher Beziehung lebenden Menschen zugänglich wird. Auch dies ist in Polen ein gesellschaftlich und politisch sehr umstrittenes Thema. Zuletzt gibt es Differenzierungen dabei, ob der Staat unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für die künstliche Befruchtung übernehmen kann oder nicht.

Die Beratung über die sechs Entwürfe findet in dieser Woche statt. Man kann sehr gespannt sein, ob die Kirche noch eine einheitliche Linie findet. Und vor allem bleibt spannend, inwieweit sich die Politik von den Eingriffen der Religion auf die politische Entscheidungsfindung beeinflussen lässt. Gerade in ländlicheren Regionen kann es für Politiker wahlentscheidend sein, sich mit der Kirche gut zu stellen.

In jedem Fall ist allein die Diskussion ein großer Fortschritt. Galt doch noch vor wenigen Jahren das Thema künstliche Befruchtung als in etwa mit der Abtreibung vergleichbar.

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