Höchste polnische Auszeichnung für die Dichterin Wisława Szymborska



Wawelburg in Krakau. Foto: Polen.pl (BD)

Wawelburg in Krakau. Foto: Polen.pl (BD)

(Krakau, HZ) Mit dem Orden des Weißen Adlers (‚Order Orła Białego‘), der höchsten Auszeichnung der Republik Polen, ist am Montag in Krakau die polnische Lyrikerin Wisława Szymborska ausgezeichnet worden. Der Orden wurde der Autorin vom polnischen Staatspräsidenten Bronisław Komorowski in einer feierlichen Zeremonie auf dem Wawel, dem Krakauer Königsschloss, überreicht. Die Dichterin, Literatur-Nobelpreis-Trägerin von 1996, erhielt die Auszeichung für ihre anerkannten Verdienste für die nationale Kultur Polens und ihre herausragenden Erfolge im literarischen Schaffen.

Polens Nobelpreisträgerin

Staatspräsident Komorowski unterstrich bei der Ordensverleihung, dass das ganze freie Polen durch diese Auszeichnung ’seiner Nobelpreisträgerin Szymborska‘ an dem für Polen so wichtigen Ort, dem Wawelschloss, dankt. Besonders erfreut zeigte er sich in seiner Ansprache über die persönliche Anwesenheit der Lyrikerin: Szymborska meidet die Öffentlichkeit und lebt zurückgezogen in ihrer Krakauer Wohnung. Nur selten nimmt sie an öffentlichen Veranstaltungen und Ehrungen teil.  In Krakau ist sie bekannt dafür, Veranstaltungen stets höflich kurz vor Ende zu verlassen, um Ehrungen ihrer Person aus dem Weg zu gehen.

Wisława Szymborska wurde 1923 in Bnin bei Posen geboren. Seit ihrem Studium in Krakau lebt und arbeitet sie in der südpolnischen Stadt. Ihr literarisches Schaffen begann 1945 mit einer Veröffentlichung in einer Beilage zur Tageszeitung ‚Dziennik Polski‘. Von 1953 bis 1976 war sie in der Redaktion einer polnischen Literaturzeitschrift für Lyrik verantwortlich.

In ihren ersten Gedichtbänden, wie beispielsweise ‚Dlatego żyjemy‘ (‚Deshalb leben wir‘) ließ sie, wie viele zeitgenössische Autoren, eine Nähe zum Sozialistischen Realismus erkennen, z.B. in Gedichten wie ‚Lenin‘ oder ‚Wir heißen den Bau einer sozialistischen Stadt willkommen‘. Bis 1966 gehörte sie der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (poln.: PZPR) an. Nach dem Rauswurf des Philosophen Leszek Kołakowski aus der kommunistischen Partei der Volksrepublik Polen gab Szymborska ihr Parteibuch ab. Später wandte sie sich der demokratischen Opposition Polens zu und arbeitete in den 1980er Jahren mit verschiedenen, der ‚Solidarnosc‘ verbundenen Untergrund- und Samisdat-Zeitschriften sowie mit der Pariser Exilzeitschrift ‚Kultura‘  zusammen“. Bis zu dessen Tod im Jahr 2004 lebten mit Czesław Miłosz und Wisława Szymborska gleich zwei Literatur-Nobelpreisträger in Krakau.

Weitere Künstler und Kulturschaffende ausgezeichnet

Zusammen mit Szymborska wurden von Staatspräsident Komorowski 28 weitere Künstler und Kulturschaffende mit hohen polnischen Verdienstorden ausgezeichnet, darunter die weltweit bekannten Film- und Theaterschauspieler  Krystyna Janda und Janusz Gajos. Beide haben in Filmen von Andrzej Wajda (zusammen in ‚Der Mann aus Eisen‘, Janda in ‚Der Mann aus Marmor‘ sowie in der Verfilmung von Grass‘ Unkenrufe) sowie von Krzysztof Kieslowski (Janda in ‚Ein kurzer Film über das Töten‘, Gajos in ‚Drei Farben: Weiss‘) mitgespielt. Krystyna Janda ist einem breiten Fernsehpublikum in Deutschland an der Seite von Mario Adorf in ‚Der große Bellheim‘ bekannt.

Einige weitere Preisträger, darunter die 1981 nach Frankreich emigrierte und bis heute in Paris lebende Regisseurin Agnieszka Holland, in Deutschland besonders durch ihren Film ‚Hitlerjunge Salomon‘ bekannt, konnten nicht zur Preisverleihung nach Krakau kommen und erhalten ihre Auszeichnungen zu einem späteren Zeitpunkt.

Der Orden des Weißen Adlers

Der Orden des Weißen Adlers wurde 1705 begründet. Nach den polnischen Teilungen wurde er in der sog. Zweiten Polnischen Republik 1921 reaktiviert und – nach dem Zusammenbruch des Kommunismus –  1992 wieder eingeführt. Der erste Preisträger nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Papst Johannes Paul II. Seither wurden 146 Persönlichkeiten ausgezeichnet, davon 35 posthum. Unter den ausländischen Preisträgern befinden sich auch die früheren Bundespräsidenten Johannes Rau und Horst Köhler sowie Thomas Klestil (Österreich) und die ehemaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder.

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