‚Aviation Valley‘ im Vorkarpatenland wächst weiter

LOT 4, Warszawa (Warschau) Okecie Flughafen. Foto: Polen.pl (BD)

Auch die polnische Fluglinie LOT nutzt die Boeing-Maschinen

(Warszawa, BD) Wie die Tageszeitung Rzeczpospolita bereits im Juni berichtete, scheint die Wirtschaftsinitiative ‚Avation Valley‚ zur Schaffung einer Luftfahrt-Region in Polen weiter an Schwung zu gewinnen. Die Zahl interessierter Unternehmen ist noch weiter gestiegen, einige Pläne für Ansiedlungen und Neuerrichtungen sind im Rzeszówer Umland bereits realisiert worden.

Geschichte des Projekts

Gestartet als ambitioniertes Projekt vor einigen Jahren im Herzen des Vorkarpatenlandes, gelang es den lokalen Behörden bis heute mehr als 30 namhafte Investoren aus dem Industriebereich der Luftfahrt-Industrie für die Region zu gewinnen.

Im Frühling 2011 startete mit ersten Arbeiten das Unternehmen ‚Goodrich‘. Auf dem Gelände der Firma ‚WSK‘ investierte Hamilton Sundstrand, Motorhersteller und Tochtergesellschaft der US-Gesellschaft ‚UTC‘. In der Nachbarschaft arbeitet bereits auf vollen Touren der bekannte Hersteller von Turbolader-Systemen ‚Borg Warner Turbosystems‘ sowie seit 2009 die polnische Tochter des Luftfahrtriesen aus Bayern, ‚MTU Aero Engines‚.

Auch das weiterhin intensive Engagement der Politechnika Rzeszowska (Technische Hochschule Rzeszów) mit der hochspezialisierten Fakultät Maschinenbau und Luftfahrttechnik trägt offenbar zum dem Erfolg des Vorhabens bei.

Wird Boeing auch kommen?

Die letzten Tage wurde es wieder etwas lauter um ‚Aviation Valley‘: Grund war ein Besuch von Vertretern des US-Unternehmens Boeing in Rzeszów und Mielec. Dieser wurde positiv in den lokalen Medien kommentiert: Man freue sich über Anreize zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und sei gleichzeitig bereit, eigene Fähigkeiten im Bereich neuer Techniken und Verfahrensweisen weiterzuentwickeln.

Ohne Politik läuft wenig

Auch die Stabilität der lokalen Politiklandschaft könnte für die Entwicklung des ‚Luftfahrttals‘ von Vorteil sein: Der früher linksgerichtete, heute parteilose Präsident der Stadt Rzeszów Tadeusz Ferenc regiert seit 2002. Die letzte Wahlen gewann er bereits im ersten Gang mit einem Stimmanteil von 53,25 Prozent. Das sichert stabile und berechenbare ökonomische Verhältnisse, was die Investoren offenbar goutieren.

Polen lernen direkte Demokratie

Nicht nur in Rzeszów wissen die Bürger die Kraft der Kommunalpolitik immer mehr zu schätzen. Die von zwei grossen Parteien beherrschte Politiklandschaft  scheint immer mehr Verdrossenheit bei den Wählern hervorzurufen. Bis zu 20 Prozent gehören mittlererweile zu der Partei der ‚Unentschlossenen‘ laut letzten Umfragen.

Diese Stimmung wollen die lokal so erfolgreich agierenden Präsidenten einiger polnischen Städte nutzen. Sie gründeten vor kurzem die Initiative ‚Obywatele do Senatu‚ (Deutsch: Bürger in den Senat (das ist die zweite Kammer des polnischen Parlaments neben dem Sejm)). Man wolle den Senat  in eine Art ‚Kommunal-Kammer‘ unwandeln, die zwischen den lokalen und den zentralen Machtzentren agiert. So definiert sich die Initiative in ihrer Gründungsschrift.

Polen hat keine Kammer, die mit dem Bundesrat in Deutschland vergleichbar wäre. Das Mehrheitswahlrecht bevorzugt grosse Parteien, die die Besetzung der Posten oft unter sich ausmachen. Immer mehr Wähler scheinen mit diesem Procedere unzufrieden zu sein.  ‚Unia Prezydentów‘ will daher mehr Einfluss in die Regionen an oft parteilosen Persöhnlichkeiten mit direkter Wählerunterstützung weitergeben. Die Wahlen im Oktober werden zeigen, wieviel Verständnis die Wähler hierfür aufbringen werden.

 

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