Blog mit Zweifeln – Blog des Jahres

Anschluss ans Internet mit einem DSL-Router-Kabel. Foto: Polen.pl (JW)

Vom eigenen Schreibtisch raus in die Welt – das Prinzip des Bloggers/der Bloggerin.

(Hamburg, JE) Was macht eigentlich einen wirklich guten Blog aus? Diese Frage sollte vielleicht ein Literaturkritiker oder Medienwissenschaftler beantworten, doch geht es nicht im Grunde hauptsächlich darum, den eigenen Alttag, das Erlebte, Gedachte oder gar Geträumte, zu verarbeiten und teilen? Natürlich nicht in Form eines Tagebuches, das allzu Private spart man lieber aus, sondern mit Humor, Ironie und Selbstdistanz aufbereitet für Fremde, die tendenziell ähnliche Gedanken hegen und vergleichbare Beobachtungen vornehmen. Ein guter Blog lässt schmunzeln über die Absurditäten des Alltags und regt zum Nachdenken an über das eigene Verhalten, das Verhalten der Anderen, den „ganz normalen Wahnsinn“, mit dem wir jeden Tag konfrontiert sind.

Wenn Sie diese Einschätzung teilen, dass sind Sie bestimmt auch einverstanden mit der Wahl des Blog des Jahres 2012 in Polen durchgeführt vom Internetportal onet.pl. Der Blog http://mamwatpliwosc.blog.pl/ (übersetzt: „Ich habe Zweifel“) ist das Werk der 23-jährigen Studentin Ola Radomska (zumindest nennt sie sich auf ihrer Seite so) aus Łódź. Ihrem großen Mitteilungsbedürfnis hat sie zunächst per Facebook freiem Lauf gelassen, berichtet Radomska in einem Interview für onet.pl, bevor sie ihren Blog kreierte, um sich dort über ihr Leben auszulassen. Der Kreis der Leser erweiterte sich schnell, inzwischen haben über eine Million Menschen ihre Seite angeklickt, mit der sie nach eigener Auskunft bis heute keinen einzigen Cent verdient hat.

Ins Gerede kam Radomskas Blog durch ihren offenen Umgang mit dem Thema Depression. Der Blog hätte ihr dabei geholfen, die eigene Lage mit Humor zu nehmen und aus einer anderen Perspektive zu sehen. Ihr Motto fasst die Studentin – frei übersetzt – folgendermaßen zusammen: „Ich bringe den Leuten Optimismus bei und wie man der Wirklichkeit vors Schienbein tritt, wenn man ihr nicht ins Gesicht spucken kann“. Radomska hofft nun, dass sich die Auszeichnung und damit verbundene Aufmerksamkeit auch beruflich auszahlen, denn derzeit würde die junge Frau ohne festes Einkommen, „zu viel Zeit damit verschwenden, die billigsten Schuhe auf dem Markt zu suchen“. Mindestens genau so wichtig, scheint ihr jedoch zu sein, dass die Leser weiterhin auf ihren Blog klicken, auch wenn sie weiß: „Zwingen kann man dazu niemanden. Ein Blog ist kein Spinat und wir keine Kinder mehr“. Wünschen wir ihr, dass beides in Erfüllung geht.

 

Zum Blog:

http://mamwatpliwosc.blog.pl/

 

Zum Interview:

http://www.blogroku.pl/2012/artykuly/na-blogu-nie-zarabia-ani-grosza,5383243,1,artykul.html

 

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

  • ...leider gibt es hierzu keine verwandten Themen.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*