Buchrezension – Der Polnische Film: Von seinen Anfängen bis zur Gegenwart

Cover des Buchs Der Polnische Film

Aufsicht auf den Umschlag des Buchs Der Polnische Film

(Bottmingen, HF) Endlich liegt nun auch in deutscher Sprache eine polnische Filmgeschichte vor. Freunde des polnischen Spielfilms haben ein solches Werk lange schon vermisst und werden es als Übersichtslektüre und als Nachschlagewerk gerne zur Hand nehmen. Es ist wohl in erster Linie für eine kulturwissenschaftliche Leserschaft verfasst worden, ist aber auch für „normale“ Filmfreunde gut lesbar und dürfte bald als deutschsprachiges Standardwerk zu diesem Thema gelten. Mit seinen zwei Lesespalten ist es angenehm zu lesen und bietet viel Platz für Bilder.

Ästhetik und Politik – Markenzeichen des polnischen Films

In den letzten Jahren hat der polnische Film, nicht zuletzt durch die Aktivitäten der staatlichen Kulturpromotion in Deutschland, viele neue Freunde dazu gewonnen. Durch sein Spiel zwischen Ästhetik und Politik sowie mit seinem Schwanken zwischen dem nationalen und transnationalen behandelt der polnische Film Themen von europäischer Bedeutung und ist zu einer der interessantesten Kinematographien Europas geworden. Filmfreunden sind sicher eine Reihe polnischer Filme geläufig, aber deren Einordnung in die gesellschaftliche, politische und ökonomische Realität der jeweiligen Zeit dürfte nur wenigen möglich sein. Hier kann man jetzt das neu im Verlag Schüren erschienene Buch zur Hand nehmen.

Querschnitt des polnischen Filmschaffens

Das mit 560 Seiten umfangreiche und detaillierte Buch „Der Polnische Film – Von seinen Anfängen bis zur Gegenwart“ zeigt, zeitlich sortiert, eine Art Querschnitt des polnischen Filmschaffens. Herausgegeben wurde es von der Professorin für Slavische Literatur- und Kunstwissenschaften an der Uni Tübingen, Schamma Schahadat, der Filmhistorikerin und Mitarbeiterin an der Kunsthochschule für Medien in Köln, Dr. Margarete Wach und vom an der Universität in Łódź am Lehrstuhl für Audiovisuelle Kultur tätigen Dr. Konrad Klejsa. Es enthält Aufsätze von 22 Autorinnen und Autoren mit kultur-, medienwissenschaftlichem, filmhistorischem bis hin zu soziopsychologischem Hintergrund. Entstanden ist es im Rahmen des deutsch-polnischen Filmprojekts „Der polnische Film – eine europäische Filmkultur“, das seit Januar 2010 von der Deutsch-polnischen Wissenschaftsstiftung gefördert wird.

Themenbereiche und Epochen als Ordnungselemente

Die Themen „Ästhetische Entwürfe“, „Nationale Mythen“ und „Gender Diskurse“ haben sich in besonderer Weise auf das polnische Kino ausgewirkt. Daher werden diese Themen gewählt, um ihre Wirkungen in verschiedenen Epochen zu vergleichen. Dazu kommen noch die beiden Bereiche „Bilderwelten des Dokumentarischen“ und „Der andere Film“. Als Epochen wählen die Herausgeber vier Perioden von den Anfängen des polnischen Films bis zum Ende des Zweiten Weltkrieg (1895- 1945), den Zeitraum bis zur Rebellion und zur politischen Krise 1968 (1945- 1968), jenen bis zur Wende 1989 (1968 – 1989) und den bis zur Gegenwart (1989 – 2010).

Überblicksartikel und Filmbeispiele

Für jeden dieser Zeitabschnitte stellen die Verfasser einen filmgeschichtlichen und gesellschaftlichen Überblick her, so dass dem Leser die jeweilige politische Situation, die wirtschaftliche Lage, Regie- und Schauspielstars und auch der stilistische Ausdruck der Epoche für die jeweils nachfolgenden drei Themenartikel deutlich werden. Am Ende jedes dieser Kapitel werden zwei Filme detailliert untersucht, die stellvertretend für das behandelte Thema und die Epoche stehen. Dabei werden nicht allgemein bekannte Filme gewählt, von denen man annehmen darf, dass sie schon in anderem Zusammenhang behandelt wurden. Trotzdem finden sich als Beispiele noch Filme wie Lotna, Amator, Seksmisja, Rewers, Katyń und Dzień Świra.

Das polnische Filmplakat – ein Kunstobjekt

Ein spezieller Exkurs mit farbigen Abbildungen ist dem weltweit gerühmten polnischen Filmplakat gewidmet. Es ist von einem ursprünglichen Werbemittel bereits selbst zu einem eigenständigen Kunstobjekt geworden, was sich auch in Ausstellungen im westlichen Ausland zeigte. Ein weiteres Kapitel mit Farbbildern erläutert anhand von ausdrucksstarken Beispielen bildnerische Erzählungen (Narrationen) in polnischen Trickfilmen und Spielfilmen. Dabei werden mit Bezug zu den jeweiligen Textstellen im Buch die darin beschriebenen künstlerischen Verfahren resp. Trickfilmtechniken bzw. die Besonderheiten der sogenannten „Polnischen Schule der Kameraführung“ in Bildzitaten dargestellt.

Nachschlagewerk mit optimaler Informationsaufbereitung

In die Anhänge wurde sehr viel Arbeit gesteckt, um die im Buch enthaltene mannigfaltige Information leicht zugänglich zu machen. Sie enthalten eine umfangreiche internationale Bibliographie zum polnischen Film und zu den damit verbundenen Themen, einen Bildnachweis für die 120 kleinformatigen, aber auf hochqualitativem Papier scharfen Abbildungen, ein Personen- sowie ein Filmregister mit polnischen und deutschen Titeln.

Konrad Klejsa, Schamma Schahadat, Margarete Wach (Hg.)
Der Polnische Film. Von seinen Anfängen bis zur Gegenwart.
Schüren, Marburg
ISBN 978-3-89472-748-2
38 Euro

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