Das Ende des Interregios. Polnische Regionalverkehrsgesellschaft beendet alle kommerziellen Bahnverbindungen

Wenn kein Interregio mehr kommt...

Wenn kein Interregio mehr kommt…

(Bottmingen, FH) Das Polnische Regionalverkehrsunternehmen „Przewozy Regionalne“ (PR) wird ab 1. September 2015 den kommerziellen, eigenwirtschaftlichen Teil ihrer Tätigkeit einstellen. Davon betroffen sind die Produkte Interregio, Regioexpress und der InterregioBus. Im Angebot verbleiben ausschliesslich von der Wojewodschaft oder dem Verkehrsministerium bestellte und finanziell abgegoltene Angebote. Ab 1. August wurde der Verkauf von Fahrkarten für alle diese Züge eingestellt. Dies berichtet die Internetseite von Rynek Kolejowy.

Probleme führen zur Restrukturierung der Regionalbahngesellschaft

Bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 war ein grosser Teil der Verbindungen im Interregioverkehr nicht aufrechterhalten worden. PR begründete diesen Schritt damals mit unzureichenden Fahrkarteneinnahmen für den nicht bestellten, eigenwirtschaftlich zu betreibenden Verkehr.

Diese Situation ist offenbar so dramatisch, dass im Oktober 2014 im Ministerium für Infrastruktur und Entwicklung eine Besprechung stattfand, an der sich die PR-Anteilseigner für eine Restrukturierung des Unternehmens aussprachen. Diese soll auf Beihilfen und Entschuldung durch einen Mehrheitsaktionär beruhen. Die Vereinbarung wurde von Vertretern des Infrastrukturministeriums, die Marschalle der Wojewodschaften Masowien, Schlesien, Kujawien-Pommern, Lubelski, Swiętokrzyski und Oppeln sowie durch Vertreter von Przewozy Regionalne unterschrieben. PR schätzt diese Restrukturierung als einzige Chance ein, die Rentabilität und gleichzeitig eine langfristige Tätigkeit zu gewährleisten.

Logo_IRMassiver Angebotsabbau – auch Kowalski und Schmidt sind betroffen

Wegfallen werden ab Ende August die Regioexpresszüge „Kowalski“ und „Schmidt“, die zwischen Poznań und Frankfurt an der Oder verkehren. Damit fällt eine weitere deutsch-polnische Zugverbindung, die bereits länger schon in Frage gestellt wurde, Sparmaßnahmen zum Opfer. Dies dürfte der Initiative Deutsch-Polnischer Schienenpersonenverkehr weitere verärgerte Unterstützer bringen.

Darüberhinaus werden folgende Interregioverbindungen aufgehoben

  • „Drwęca“: Poznań – Toruń – Olsztyn,
  • „Mamry“: Olsztyn – Toruń – Poznań – Wrocław – Jelenia Góra,
  • „Mewa“: Szczecin – Poznań – Warszawa,
  • „Portowiec“: Szczecin – Poznań – Warszawa,
  • „Warta“: Poznań – Konin – Warszawa,
  • „Spodek“: Katowice – Opole – Wrocław,

von den ganzjährig am Wochenende verkehrenden Züge die Verbindungen

  • „Lednica“: Poznań – Inowrocław – Bydgoszcz und
  • „Szyndzielnia“: Bielsko-Biała – Rybnik – Opole – Wrocław“

sowie der saisonale Zug

  •  „Giewont“: Częstochowa – Sosnowiec – Katowice – Żywiec – Zakopane.

Die Verbindung „Białowieża“ (Warzawa – Hajnówka) wird von einer Regio-Verbindung Hajnówka-Siedlice-Hajnówka ersetzt. Mit dieser Massnahme wird die Anzahl täglicher Züge der Przewozy Regionalne um fast ein Drittel von 2300 auf 1600 verringert!

Bedingung für staatliche Zuschüsse – rentabel in fünf Jahren?

Wird diese Situation den Strassenverkehr wachsen lassen? Verlorene Bahnkunden kommen kaum zurück...

Wird diese Situation den Strassenverkehr wachsen lassen? Verlorene Bahnkunden kommen kaum zurück…

Die Geschäftsleitung erklärte dazu, dass sie gemäss den europäischen Vorschriften gehalten ist, einen Teil des Verkehrsmarktes freizugeben. Dies würde die Gesellschaft u.a. mit dem Rückzug der Dienstleistungen im Bereich der Interregioverbindungen tun.

Wie Polskie Radio dazu auf ihrer Internetseite anmerkt, kann man dies als Schritt deuten, die Zustimmung der Europäischen Kommission zu einer öffentlichen Finanzhilfe für die Gesellschaft zu erhalten. Diese dürfte von der staatlichen Agentur für Industrientwicklung (Agencja Rozwoju Przemysłu) kommen, die als strategischer Investor (51% Anteile) handeln wird. Die Agentur besitzt landesweit grosse Erfahrung bei der Durchführung von Restrukturierungsmassnahmen und bei der Entwicklung von Gesellschaften. Seit Jahren füllt sie eine Marktlücke beim Zugang zu rückzahlbarer Finanzierung der Restrukturierung, Entwicklung und zur Stärkung der Konkurrenzfähigkeit grosser Unternehmen. Der Restrukturierungsplan soll die Gesellschaft innerhalb von fünf Jahren zu einer nachhaltigen Rentabilität führen. Im staatlichen Budget sind dafür 770 Mio Zł. (184 Mio. Euro) vorgesehen.

Kannibalisierung des Fernverkehrs

PR führte die Produkte interRegio und Regioexpress im Jahr 2009 mit dem Ziel ein, zusätzliche Einnahmen zu generieren und das Rollmaterial besser zu nutzen, das sie im Zusammenhang mit der Reform der Selbstverwaltung der Gebietskörperschaften erhalten hatte. Allerdings waren viele PR-Züge eine direkte Konkurrenz für den Fernverkehr, der von PKP Intercity betrieben wird und der aus Ressortmitteln als nationales Transportunternehmen subventioniert wird.

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  1. Andreas Schwarze
  2. Frieder

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