Das Geschäft mit Autogas (LPG) boomt

Auto Lancia Thesis. Foto: Polen.pl (JW)

Autogas boomt weiter in Polen

(Mainz, WB) Weltweit fahren bereits 17 Millionen Autos, die mit Autogas (Liquefied Petroleum Gas – LPG) betankt werden. 9 Millionen davon sind in der EU unterwegs – und laut der links-liberalen Tageszeitung Gazeta Wyborcza 2,325 Millionen allein in Polen. Das macht Polen zum Spitzenreiter unter Autofahrern, die beim Autotanken auf LPG setzen. Von den Nicht-EU-Ländern fällt nur die Türkei mit ihren 2, 393 Millionen Autogas-Fahrzeugen einen Tick LPG-affiner aus als Polen. Aber es gibt eine paradoxe Entwicklung in Polen: Die Zahl der LPG-Autofahrer auf  polnischen Straßen steigt stetig, die Zahl des verkauften LPG sinkt dagegen.

LPG – Zahlen und Gründe

Ende 2011 waren fast zweieinhalb Millionen zugelassene Autos in Polen auf Autogas umgerüstet, das sind fünf Prozent mehr  als noch 2010, worüber letzten Donnerstag der Polnische Flüssiggasverband (POGP) berichtete. So viele Autofahrer, die die Vorteile dieses alternativen Kraftstoffes zu schätzen wissen, gibt es in keinem anderen europäischen Land außer Polen. Weltweit hat nur die Türkei die Nase noch weiter vorn. Jedes neunte in Polen zugelassene Auto fährt mit LPG. Kein Wunder, da das LPG billig ist. Im vergangenen Jahr kostete ein Liter LPG im Durchschnitt etwa die Hälfte des Preises von Superbenzin. Auch wenn man bedenkt, dass ein und derselbe  Benzinmotor ca. 15-20 Prozent mehr LPG verbraucht als Benzin, war es für den polnischen Autofahrer eine Ersparnis von etwa 2 Zloty (ca. 50 Cent) pro Liter im Vergleich zu Benzin, schätzt der Verband POPG. Ferner tankt nach Einschätzungen des POPG ein polnischer Autofahrer, der LPG als Kraftstoff für sein Auto nutzt,  monatlich im Schnitt 97 Liter LPG. Dies bedeutet eine Ersparnis von ca. 200 Zloty (ca. 50 Euro) jeden Monat im Vergleich zum Kauf vom Benzin. Allerdings braucht man dafür erst ein Auto, das zum Tanken vom Autogas umgerüstet oder vom Werk bereits dazu geeignet ist.

Autogas gilt als umweltfreundlich

Das Autogas verbrennt umweltfreundlicher als Benzin. Beim Verbrennen des LPG beträgt der Schadstoffausstoß von Stickoxiden ca. 20 Prozent des Benzins, CO2-Emissionen sinken um ca. 15 Prozent und nicht verbrannte Kohlenwasserstoffe um 50 Prozent. Da die Mehrheit der Fahrzeuge in der EU mit Katalysatoren ausgestattet ist, werden zusätzliche Schadstoffe aus den LPG-Abgasen herausgefiltert. Im Vergleich zu anderen Biokraftstoffen punktet das LPG durch den günstigen Preis und durch die breite Akzeptanz der Gesellschaft. Laut POPG ist das Autogas heute der meistakzeptierte, alternative Kraftstoff in der ganzen Autobranche weltweit. „Es ist jedoch zu bedauern, dass in der Energiepolitik Polens bis 2030 kein Wort zum Thema LPG zu finden ist“, sagt Jerzy Szablewski, der Vorsitzende des POPG. Die Zukunft des LPG wird düster, da ihn die EU ab 2018 höher besteuern will, was Proteste Polens und Großbritanniens hervorruft.

In Polen blüht die graue Zone

Obwohl in Polen die Anzahl der Fahrzeuge mit Autogasanlagen regelmäßig steigt, sinkt gleichzeitig der Verkauf vom LPG. Laut der konservativen Tageszeitung Rzeczpospolita schrumpfte er im letzten Jahr um drei Prozent bis auf 1,6 Millionen Tonnen. Wie das möglich ist? Die Antwort darauf ist die ungebremst wachsende ‚graue Zone‘. Das Autogas verringert sein Volumen 274 Mal, bis es zum Flüssiggas wird. Dadurch lässt es sich leicht transportieren, sowohl auf dem Schiffsweg als auch mit dem Zug und Lkw. Es gibt Fälle, dass nach Polen Flüssiggas importiert wird, welches primär für Heizanlagen bestimmt wird und stattdessen als wertvoller LPG an die Kunden weiter verkauft wird. Der Kampf gegen dieses Geschäft ist zugleich der Kampf um die Qualität des LPG.

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