Das Warschauer Museum der Geschichte der polnischen Juden ist eröffnet

Ansprache des Polnischen Präsidenten bei der Eröffnung des Polin-Museum 28.10.2014

Eröffnungsansprache des Polnischen Präsidenten beim Polin-Museum 28.10.2014

(Warschau, Marzena Świrska-Molenda) Am 28. Oktober 2014 wurde die seit langem erwartete Dauerausstellung im Warschauer Museum der Geschichte der polnischen Juden, kurz POLIN, eröffnet. An der Eröffnungsfeier nahmen Gäste aus der ganzen Welt teil. Als offizielle Vertreter waren unter anderem die Staatspräsidenten Israels, Reuven Rivlin, und Polens, Bronisław Komorowski, die polnische Ministerpräsidentin Ewa Kopacz sowie die deutsche Staatsministerin Maria Böhmer anwesend. Zudem waren Überlebende des Holocaust sowie weitere Ehrengäste zu den Eröffnungsfeierlichkeiten geladen.

Museum als Private Public Partnership

Das Museum ist in jeder Hinsicht ganz außergewöhnlich: Es ist das weltweit erste und einzige Museum, das die beinahe tausendjährige Geschichte der in Polen lebenden jüdischen Bevölkerung beschreibt. Es ist aber auch die erste öffentlich-private Kulturinstitution Polens. Diese wurde gemeinsam von der polnischen Regierung, der kommunalen Selbstverwaltung Warschaus sowie von einer Nichtregierungsorganisation gegründet. Finanziert wird das Museumsprojekt aus dem öffentlichen Budget sowie durch private Spenden.

Teurer als der Wiederaufbau des Warschauer Schlosses

Die Kosten in Höhe von insgesamt etwa 56 Mio. Euro für den Bau und die Ausstattung des Museums trugen das Ministerium für Kultur und nationales Erbe sowie das Warschauer Stadtamt. Die Kosten für die Hauptausstellung (ca. 30 Mio. Euro) wurden dank privater Spender und Institutionen aus aller Welt vom Verein des Jüdischen Historischen Instituts Warschau finanziert. Somit wurde das Museum mit dem Budget von ca. 95 Mio. Euro zum größten Kulturprojekt in Polen, das sogar das Projekt des Wiederaufbaus des Warschauer Königsschlosses übertroffen haben soll.

Jüdische Wurzeln in Polen

Das neue Museum ist auch ein Museum des Lebens und es setzt ein Zeichen für das in Polen wiederauflebende jüdische Leben. Diese Schwerpunkte haben die Staatspräsidenten Polens und Israels bei der Eröffnung angesprochen. Der israelische Präsident erklärte, dass über die Jahrhunderte die polnische und jüdische Kultur einander beeinflussten. „Fast alle Präsidenten und viele Regierungschefs in Israel seien entweder in Polen geboren oder hätten über ihre Eltern und Großeltern Wurzeln im Land an der Weichsel“, so Rivlin.

Gemäß Schätzungen besitzen rund drei Viertel aller weltweit lebenden 12 Millionen Juden Wurzeln im Vorkriegspolen. Der polnische Präsident machte auf die besondere Rolle des Museums für die gegenseitige Wahrnehmung aufmerksam, in dem er seinen Bau als „Investition in die Zukunft“ bezeichnete und auch die schwierigen polnisch-jüdischen Beziehungen in der Nachkriegszeit bzw. im Kommunismus ansprach. Im Polin-Museum werden die Besucher auch Gelegenheit haben, sich mit dem Nachkriegsschicksal von rund 300 000 den Holocaust überlebenden polnischen Juden zu befassen.

Zuhören und Mitmachen als Museumskonzept

Zentrales Element des Museums ist die Dauerausstellung, die während der auf die Eröffnung folgenden Tage kostenlos und bis spät in die Nacht zugänglich war. Die Ausstellungsmacher wollten ein narratives Museum kreieren, weshalb jede Galerie wie eine Erzählung zum „Hier und Jetzt“ der jeweiligen Epoche gestaltet wurde.

Eine weitere Aufgabe bestand darin, ein Museum zum Mitmachen zu erschaffen, in dem der Besucher aktiv in die Geschichte mit einbezogen wird. Dies ist dank der vielen in die Ausstellung integrierten Computeranimationen und interaktiven Simulationsprogramme gut gelungen. Im Begleitprogramm der Eröffnung fuhr eine historische Straßenbahn durch Warschau, welche Besucher ins Museum brachte und über Aktivitäten des Museums informierte. In den Räumlichkeiten des Museums wurden Ausstellungen, Konzerte, Filmvorführungen, Vorträge, Treffen mit Überlebenden und Zeitzeugen veranstaltet.

Jüdische genealogische Forschung ermöglicht

In einem Raum des Museums ist ein modernes Informationszentrum eingerichtet, in dem man einerseits der jüdischen Geschichte nachforschen, andererseits aber auch sehr persönlich nach den Wurzeln der eigenen Familie sowie nach Familienangehörigen suchen kann.

Jüdisches Kulturprogramm geht weiter

Das Museum wird auch zukünftig als ein Zentrum für jüdische Kultur Akti

vitäten entwickeln und sieht für die kommenden Monate ein reiches Kulturprogramm vor. Das jeweils aktuelle Programm findet man hier auf Englisch.

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