Der 15. August – Ein kirchlicher und nationaler Feiertag besonderer Bedeutung in Polen

Feiertag der Polnsichen Streitkräfte am 15. August in Warschau (c) H. Fehlberg

Feiertag der Polnsichen Streitkräfte am 15. August in Warschau (c) H. Fehlberg

(Warszawa, HF) Am 15. August bewegt sich in Warschau fast nichts. Es ist der Tag zweier wichtiger national begangener Feiertage. Die römisch-katholische Kirche feiert das Hochfest Maria Himmelfahrt, an dem arbeitsfrei ist. Die Gläubigen lassen in der Kirche Blumensträusse oder kleine Trockenblumengebinde mit Weihwasser segnen. Vor allen Kirchen verkaufen Frauen diese hübsch gefärbten Sträusse.

Zuschauer an der Aleje Ujazdowskie in Warschau (c) H. Fehlberg

Zuschauer an der Aleje Ujazdowskie in Warschau (c) H. Fehlberg

Es ist vor allem aber auch der Tag der Polnischen Streitkräfte (Święto Wojska Polskiego), der im Verständnis vieler Polen ein sehr wichtiger nationaler Feiertag ist. Er wird seit 1992 jährlich am 15. August zur Erinnerung an die 1920 ausgeführten Manöver der Polnischen Streitkräfte an der Wieprz, einem rechten Seitenfluss der Weichsel und an die siegreich im Polnisch-Sowjetischen Krieg beendete Schlacht von Warschau begangen. Er knüpft damit an die Feiertagstradition in der II. Republik (II Rzeczpospolita, 1918-1945) an. Die Feierlichkeiten zeigen die Bedeutung des Militärs als nationales Symbol in Polen.

Wie jedes Jahr begannen diese auch dieses Jahr mit einer präsidentiellen Kranzniederlegung am Denkmal Marschall Józef Piłsudskis (1867-1935). Piłsudski war sozialistischer Aktivist und Verfechter der Unabhängigkeit Polens, Politiker; in den Jahren 1918-1922 Staatschef (Naczelnik) und seit 1918 Oberster Kommandierender der Polnischen Armee. Vom Jahr 1920 an war er der erste Marschall Polens, war zweimal Premierminister Polens (1926-1928 und 1930) und nach seinem Staatsstreich („Maiputsch“) im Jahr 1926 Gründer der sog. Sanierungsregierung. Er besitzt vor allem unter konservativen Polen heute noch einen hohen Status.

Militärschau im Lazienkipark (c) H. Fehlberg

Militärschau im Lazienkipark (c) H. Fehlberg

Anschliessend folgten in der Militär-Kathedrale der Polnischen Streitkräfte eine „Heilige Messe für das Vaterland“ und eine weitere Kranzniederlegung am Grab des unbekannten Soldaten auf dem Piłsudskiplatz in der Innenstadt. Dann begann auf den Militärfriedhof in Ossowa eine patriotisch-religiöse Feier, die mit dem sogenannten Gedenkappell der Polnischen Streitkräfte verbunden wurde. Mit ihm werden die für Polen gefallenen aus vielen Jahrhunderten in Erinnerung gerufen und es ertönte jedes Mal nach der Aufzählung der Verdienten der Ruf: „Ehre den Helden!“

Dann folgten dieses Jahr eine weitere Kranzniederlegung durch den Staatspräsidenten vor einem anderen Piłsudskidenkmal und die Enthüllung einer Gedenktafel für den polnischen General Stanisław Szeptycki (1867-1950). Im Hof des Belvederepalastes fanden dann die feierliche Überreichung staatlicher Auszeichnungen, die Verleihung des Generalsrangs sowie die Verabschiedung von Generälen statt.

Historische Uniformen im Miltärmuseum (c) H. Fehlberg

Historische Uniformen im Miltärmuseum (c) H. Fehlberg

Zum Abschluss des Militärfeiertags paradierten dann vor der gesamten Staatsführung in der Ujazdowskiallee Einheiten aller Waffengattungen und es zogen historisch kostümierte mit altem Militärgerät an den Menschenmassen, die den Strassenrand bevölkerten, vorbei. Im Ujazdowskipark fand den gesamten Tag ein sogenanntes Soldatenfest mit Waffenschau und Musik statt.

Auch wenn manchem Leser diese Art von Feiertag sehr fremd erscheinen mag, er ist doch für das Verständnis Polens und der im Lande herrschenden Einstellungen von besonderer Bedeutung.

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  1. Pole

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