Der Euro für Polen – ein Zwischenruf

5 Euro und 100 PLN. Foto: Polen.pl (JW)

Unterschiedliche Ansichten in Polen zum Thema Euro. Foto: Polen.pl (JW)

(Warschau, GM) – Kommentar – Im Mai 2010 glaubten noch 37 Prozent der Befragten bei einer Umfrage in Polen, dass der Euro 2013 in Polen eingeführt würde. Ein halbes Jahr später glauben nur noch 24 Prozent daran, dass die polnische Regierung den Wechsel im Jahr 2013 durchführt. Eine nennenswerter Teil der polnischen Bevölkerung ist zufrieden mit der eigenen Währung, dem Zloty: Einige fürchten gar die Einführung des Euro. Sie sehen keinen Vorteil für Land und Bevölkerung. Aber warum?

Wofür eine europäische Währung?

Vielleicht lohnt ein Blick zurück, warum man in Europa überhaupt den Euro eingeführt hat. Es war doch alles gut, die Deutschen hatten ihre Mark, die Griechen ihre Drachmen, Irland den irischen Pfund, Portugal den Escudo und Spanien den Peso – und so weiter. Warum hat man sich die Arbeit gemacht, in diesen Ländern eine einheitliche Währung einzuführen?
Es war die Weitsicht des damaligen Bundeskanzlers Kohl und des französischen Präsidenten Mitterand, der dafür sorgte, dass in Europa ein Mechanismus installiert wird, der Anpassungs- und Reformdruck erzwingt. Der Franzose und der Deutsche sahen mit zunehmender loser Existenz der europäischen Staatengemeinschaft eine immer weiter aufgehende Schere zwischen wirtschaftlich starken und den wirtschaftlich schwachen Ländern.
Ungleichgewichte, meist hervorgerufen durch Krisen, wurden zuvor von den meisten Staats-und Regierungschefs über Währungsabwertungen ausgeglichen. Das war natürlich für die Regierenden der einfachste Weg. Diese mussten so keine unangenehmen Reformen von Renten, Sozial oder Arbeitsmarkt durchführen.
Beim Vorantreiben einer gemeinsamen Währung war auch Beiden klar: Krisen werden kommen und werden wieder gehen, und mit jedem Zyklus werden Länder schwächer und andere stärker. Dieses sich selbst verstärkende System hätte dazu geführt, dass auch mit jedem Zyklus die Ungleichgewichte und Spannungen in Europa größer würden. Natürlich: Mit weiterführenden Folgen auch für die Wahrung von Sicherheit und Frieden in Europa.

Schutz vor Ungleichgewichten

Man hatte verstanden, dass eine gemeinsame Währung diesen Abwertungsmechanismus eliminiert. Und man hatte verstanden, dass dieser Mechanismus die Staaten bei der nächsten großen Krise unter Reformdruck setzen würde, weil der Markt, hier der Anleihenmarkt, dies mit aller Härte fordern würde. Damit war abzusehen, dass Staaten, die ihre Reformvorhaben (Privatisierung, Herunterfahren der Staatsverschuldung, Konsolidierung des Renten- und Gesundheitssystems, Konsolidierung der öffentlichen Haushalte) auf die lange Bank schieben, früher oder später eingeholt werden: Diese müssten damit den leider so unbequemen und grässlich harten Reformweg gehen.
Und dieser Weg ist tatsächlich brutal, wie wir heute sehen können. Er geht einher mit fallenden Immobilienpreisen, stark steigenden Zinsen und harten Einschnitten bei der Lebensqualität der Bürger dieser Länder.

Die Situation Polens

Schaut man nun auf Polen sieht man, dass der Zloty gegenüber dem EUR und dem CHF einen mittleren Abwertungslauf hinter sich hat. Klar: Polen ist sehr exportorientiert und da hilft eine schwächere Währung. Gleichzeitig blieb der Inlandskonsum recht stabil. Alles nicht so tragisch? Polen hat im Bezug auf das Bruttoinlandsprodukt die zweithöchste Staatsverschuldung unten den zehn neuen Mitgliedstaaten, die höchste hat Ungarn. Bezogen auf das Defizit hat Polen die dritthöchste Staatsverschuldung.
Die polnische Regierung muss die Reformvorhaben daher mit aller Kraft vorantreiben, und mittelfristig die Euroeinführung anstreben. Das bedeutet: Privatisierung, Herunterfahren der Staatsverschuldung, Konsolidierung des Renten- und Gesundheitssystems, Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. Nur so kann langfristig Wohlstand und Lebensqualität in Polen erhalten bleiben. Denn: Die Wahrung von sozialer Sicherheit und Frieden in Europa ist im Großen und Ganzen bereits durch das bestehende System erfolgt.
Sicher ist: ‚Wer zuletzt und unvorbereitet kommt, den bestraft der Euro!‘

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