Der Fall Petelicki – Spekulationen nach angeblichem Selbstmord

kulturpalast warschau warszawa pkin palac kultury kino technikmuseum aufzug besucherterasse

Das politische Warschau erlebt seinen nächsten Selbstmordfall.

(Hamburg, JE) Die Nachricht über den Tod Sławomir Petelickis gelang am Samstag vor einer Woche an die Öffentlichkeit – am Tag des entscheidenden Vorrundenspiels zwischen Polen und Tschechien. General Petelicki war Gründer und Chef der Spezialeinheit der polnischen Armee GROM. Seine Leiche fand man im unterirdischen Parkhaus seines Wohnblocks in Warschau – Todesursache Kopfschuss, wie die Gerichtsmedizin später feststellte. Die Tatwaffe lag neben dem Körper, Hinweise auf die Beteiligung einer weiteren Person gibt es laut Staatsanwaltschaft bisher keine. Trotzdem kamen schnell Stimmen auf, die den Selbstmord als Todesursache anzweifelten.

Die rechtsnationale Tageszeitung Gazeta Polska spielte auf Petelickis Rolle bei der Smolensk-Aufarbeitung an. Der General hatte öffentlich über SMS-Instruktionen gesprochen, die PO-Politiker von ihrer Parteiführung unmittelbar nach der Flugzeugkatastrophe bekommen hätten sollen und die ihnen vorgeschrieben hätten, wie sie sich zu dem Thema zu äußern haben. Laut Gazeta Polska hatte die Regierung also ein klares Interesse, den Kritiker loszuwerden (siehe Radio TOK FM).

Die emotionalen Diskussionen um den Tod einer öffentlichen Person und das Aufblühen verschiedenster Verschwörungstheorien erinnern stark an die Zeit nach dem Selbstmord des Politikers Andrzej Lepper im August 2011. Auch damals hatte es einen heftigen Austausch mit gegenseitigen Vorwürfen über die Medien gegeben, als die gerichtliche Untersuchung des Todesfalles noch garnicht beendet war.

Der liberale Feuilletonist Tomasz Lis sprach am Samstag auf newsweek.pl von ‚Nekropolityka‚ als neuer Methode der Rechten. Er meint damit die Instrumentalisierung des Todes zu politischen Zwecken. Im Fall Petelicki könne man „eine neue Folge der von der Rechten geliebten Show: Tanz mit Leichen“ beobachten. Dem PiS-Vorsitzenden Jarosław Kaczyński warf er vor, seine Politik des Hasses und der Unterstellungen wie ein gut geplantes Business zu führen. In die selbe Richtung ging ein Artikel der Gazeta Wyborcza, der über die Anhänger von Verschwörungstheorien als einem „Club der Wahnsinnigen“ sprach. Konservative Kommentatoren der Rzeczpospolita wehrten sich mit dem Hinweis, das Zweifel immer erlaubt sein müssten.

 

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*