Der freie Platz am Tisch

Weihnachtsbaum. Foto: Polen.pl (JW)

Frohe Weihnachten!

(Toruń, JE) „W ilu domach będzie dziś puste miejsce blisko drzwi – In wie vielen Häusern bleibt heute ein Platz neben der Tür frei?“ So beginnt Ryszard Rynkowski seine weihnachtliche Ballade ‚Bardzo cicha noc – Sehr stille Nacht‘. In dem Song geht es um das Fehlen eines geliebten Menschen, das zu Weihnachten besonders schmerzt, und einen polnischen Brauch, der vielen Deutschen unbekannt sein dürfte. An Heiligabend halten viele Familien am üppig gedeckten Essenstisch einen Stuhl frei – er bleibt symbolisch reserviert für verstorbene Mitglieder der Familie, mit denen man üblicherweise das Weihnachtsfest zusammen begangen hat.

Doch es gibt noch eine zweite Bedeutung des freien Platzes: Er steht jedem Überraschungsgast an Heiligabend offen, egal ob es sich dabei um eine bekannte oder komplett fremde Person handelt. Jeder Gast wird an diesem Tag wie ein Familienmitglied aufgenommen – so besagt es der Brauch. Auf diese Weise möchte man gerade an Weihnachten der eigenen Gastfreundschaft und dem Mitgefühl für Menschen, die das Fest nicht mit einer eigenen Familie feiern können, Ausdruck verleihen.

Sicher, auch in Polen wandeln sich Bräuche und Traditionen und natürlich steht nicht in jedem polnischen Haus heute ein freier Platz bereit. Trotzdem, die Geste ist ein wunderbares Zeichen der Menschlichkeit und bleibt hoffentlich noch lange erhalten. Mein Gefühl sagt mir, dass ich ihn finden würde, den leeren Stuhl an diesem besonderen Tag.

In diesem Sinne: Wesołych świąt und frohe Weihnachten!

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  1. Jolanta
  2. Jens
  3. Jolanta

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