Der Schweizer Franken: Wie hoch kann er noch steigen?

Schweizer Franken notiert neue Höhe ...

Schweizer Franken notiert neue Höhen ...

(Warschau, BD) Die Währung aus der Schweiz ist zurzeit weltweit sehr begehrt. Gegenüber den wichtigsten Weltwährungen erreicht der Schweizer Franken historische oder zumindest langjährige Höchststände. Das ist besonders für die vielen Immobilienfinanzierer in Polen ein großes Problem: Viele Häuslebauer und Wohnungskäufer haben sich auf einen niedrigen Kurs der Währung aus der Schweiz gegenüber dem Zloty verlassen.

So wird in Polen nun fast täglich über den Kurs des Schweizer Franken (CHF) gegenüber der polnischen Währung berichtet, und das sogar auf den Titelseiten der Tageszeitungen.
Der Grund der Faszination der Polen für die Schweizer Währung wurde schon kurz genannt und findet sich auch in vielen Polen.pl-Berichten: Eine grosse Mehrheit der Baufinanzierungs-Kredite wurde in dieser Währung bei Kursen von 2,00-2,60 Złoty aufgenommen. Die polnischen Kreditnehmer müssen ihre Kredite nun bei Kursen von 3,20-3,70 (neuer Höchstand von heute) bedienen. Das ist teuer.

Was machen die Politiker ?

Die ungarischen Politiker wussten aus einer ähnlichen Entwicklung Kapital zu schlagen: Die in Finanznot geratenen Baufinanzierungs-Kunden dürfen – in Ungarn – seit kurzem einen Kreditteil in die Zukunft verschieben und zum künstlich niedrigen Kurs CHF gegen Forint erwerben.

Ähnliches hatte der polnische Wirtschaftsminister W. Pawlak (‚PSL‘-Bauernpartei) vor. Als er aber merkte, es fehle an politischer Unterstützung seitens des grossen Koalitionspartners ‚Platforma Obywatelska‘ schlug er vor, die kreditgebenden Banken zu verpflichten, Fremdwährungen zum Mittelkurs der Nationalbank NBP, sprich ohne Marge, zu liefern.

Dies ging allerdings auch nicht durch, im Parlament. Eine Erleichterung für die – zugegeben in der Vergangenheit ziemlich risikofreudigen – Kreditnehmer soll dennoch durch ein neues Gesetzesvorhaben kommen. Danach sollen die Banken Fremdwährungen in bar als Kreditrate annehmen müssen, was Druck auf deren Preisgestaltung ausüben und den Kreditnehmern den Bezug aus anderen Quellen, beispielsweise Wechselstuben, ermöglichen soll. Auch der Wechsel der Zahlungsart soll von den Banken zukünftig kostenfrei ermöglicht werden.

Die Gesetzesvorlage passierte bereits das polnische Parlament ‚Sejm‚ und wird wahrscheinlich auch durch den Senat unterstützt, dann fehlt nur noch die Unterschrift des Präsidenten Komorowski. Fraglich bleibt, ob eine solche Gesetzesnovelle, die in das Privatrecht rückwirkend eingreift, rechtens ist. Denn die Banken haben ihre Kreditmargen bei der Kreditvergabe an die Bedingung geknüpft, eigene Kurstabellen anwenden zu dürfen. Eine Klage der Banken vor dem Verfassungsgericht wird daher nicht ausgeschlossen.

Ist die beabsichtigte Wirkung von Dauer?

Eine zweite Frage ist, woher der Markt diese nicht unerheblichen Mengen an Schweizer Franken als Bargeld besorgen soll. Wie man weiß, ist Buchgeld im Geldverkehr umzubuchen erheblich billiger als Bargeld in einer Fremdwährung kostengünstig zu bewegen. Beim Euro ist mit der natürlichen Lieferung durch ausländische Touristen, darunter Deutsche und Franzosen zu hoffen. Bei Touristen aus der Schweiz ist dieser Effekt von erheblich kleinerer Bedeutung: So könnte es aufgrund des zu erwartenden Andrangs bei den ‚Kantoren‘ (Wechselstuben) zu Änderungen bei der Preisgestaltung durch Wechselstubeninhaber kommen.  Wird etwas knapper, so wird es meist auch teurer.

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  1. Gerold
  2. Bartek

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