Der Złoty-Schlüsselzins auf historischem Tiefstand

WIBOR 3m historisch

Warsaw Interbank Offered Rate (Laufzeit 3Monate, historisch)

(Warszawa, BD) Die Entscheidung des Geldpolitischen Rates (PL: Rada Polityki Pieniężnej, RPP), den Schlüsselzins auf 3,00 Prozent zu senken, überraschte einige Marktteilnehmer, da der Satz vor der Senkung mit 3,25 Prozent bereits den historischen Tiefstand erreicht hatte. Marek Belka , Chef der polnischen Nationalbank NBP und Vorsitzender des RPP, unterstrich in der auf die RPP-Sitzung folgenden Pressekonferenz am 8. Mai, dass die beschlossene Zinssenkung unter anderem der lahmenden Wirtschaft in Polen unter die Arme greifen soll.

Er fügte hinzu, dass die Gefahr, über das Inflationsziel von 2,5 Prozent (+/- ein Prozent) hinauszuschiessen, ebenfalls gebannt sei. Die im März 2013 zuletzt gemessene Inflation lag bei 1,0 Prozent (Quelle: Polnisches Hauptamt für Statistik, GUS) und lag somit deutlich unter dem genannten Ziel.

 

Złoty-Renditen auf historischem Tiefstand

Eine Perspektive auf fallende Zinsen freut logischerweise Eigentümer von Złoty-Anleihen. Mit jeder Zinssenkung passen sich diese an die fallenden Renditen an und steigen im Preis. Wirkungen sind üblicherweise, dass

  • sich alle Anlageneigentümer, genauer die Markteilnehmer mit Złoty-Obligationen, freuen. Darunter ist auch der grösste polnische börsennotierte Versicherer PZU oder die CITI Bank Handlowy; vergleiche auch deren Finanzergebnisse für 2012;
  • sich der polnische Finanzminister Rostowski freut; denn er wird weniger für Zinszahlungen bei neuer Schuldenaufnahme aufbringen müssen und er wird auf dem Markt genügend kaufwillige für polnische Schuldenpapiere finden. Dies ist wichtig, da die in seinem Haushaltsentwurf für 2013 eingeplanten Mehrwertsteuer-Einnahmen aufgrund fallender Konsum- und Investitionsbereitschaft fehlen. Eine Novelle des Budgetgesetzes 2013 wird so nicht mehr ausgeschlossen;
  • der Złoty-Kurs stabil bleiben dürfte, solange die Nachfrage nach Anleihen stabil ist. Sollte es eines Tages offensichtlich werden, dass die Zinsen nur noch steigen können, dann ist es durchaus möglich, dass die ausländischen Investoren ihre Gewinne realisieren und ihre Złoty-Einnahmen in US-Dollar und Euro zurücktauschen. Dies hätte fallende Złoty-Kurse zur Folge.

 

Realzins bleibt positiv

Bei einer Inflation von einem Prozent und einem Schlüsselzins von drei Prozent bleibt Polen immer noch attraktiv. Freunde weiterer Zinssenkungen argumentieren, dass solche Renditen in anderen entwickelten Volkswirtschaften gegenwärtig nicht zu erreichen sind.

Es scheint, dass die Angst vor einer Rezession die RPP-Mitglieder momentan nicht loslässt und dass die Złoty-Geldpolitik in bisher nicht bekannte (Tiefzins-) Gebiete treibt. Sollte der Złoty eines Tages stark an Wert verlieren, könnte sich aber auch die Rhetorik von Marek Belka ändern.

 

 

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