Destination Warszawa – Die polnische Hauptstadt als Reiseziel

Im Museum der polnischen Juden  (c) H. Fehlberg

Im Museum der polnischen Juden
(c) H. Fehlberg

(Warszawa, HF) Warschau ist eine bedeutendere Touristenstadt als Berlin. Im vergangenen Jahr besuchten 12,2 Millionen Menschen die polnische Hauptstadt, von denen zwei Drittel aus Polen kamen. Dagegen wollten „nur“ 10,9 Millionen Menschen nach Berlin. Und das, obwohl die Stadt an der Spree doch seit dem Fall der Mauer als boomende Touristenattraktion bekannt ist. Allerdings stammen fast die Hälfte der Gäste an der Spree aus dem Ausland. Auch den ewigen Konkurrenten Krakau liess die Stadt an der Weichsel mit 8,6 Millionen Besuchern deutlich hinter sich. Diese Vergleiche machen die Bedeutung des Tourismus für Warschau deutlich.

Warschau als Reiseziel für Polen

Plac Grzybowski in Warschau (c) 2013 H. Fehlberg

Plac Grzybowski in Warschau
(c) 2013 H. Fehlberg

Gemäß einer von der Warschauer Stadtverwaltung in Auftrag gegebenen Studie sind statistisch betrachtet mehr als die Hälfte der inländischen Besucher unter dreißigjährige, gut ausgebildete und gut verdienende junge Frauen. Die inländischen Gäste interessieren sich insbesondere für das Warschauer Aufstandsmuseum, die Altstadt, Parks und Museen, besuchen darüber hinaus noch ihre Familien, machen Einkäufe oder eine Ausbildung und gehen ihren Geschäften nach. Mehr als die Hälfte der neun Millionen dieser polnischen Gäste der Stadt an der Weichsel kam im vergangenen Jahr aus den sechs Woiwodschaften Masowien, Schlesien, Kleinpolen, Pommern, Niederschlesien und Grosspolen. Dabei machen  die drei erstgenannten bereits mehr als ein Drittel aller inländischen Gäste aus.

Wandel in der Attraktivität für Ausländer

Nach einem Tal der Tränen in den neunziger Jahren wird die polnische Hauptstadt  jetzt von Gästen aus aller Welt besucht; allerdings dominieren Touristen aus einigen EU-Ländern, den USA, Australien, Japan und Kanada. Der Anteil der Touristen aus der EU fällt in den letzten Jahren jedoch systematisch. Machten sie 2009 noch mehr als zwei Drittel aller ausländischen Touristen aus, fiel dieser Anteil auf nur noch 57 Prozent. Hierbei macht sich insbesondere das Ausbleiben von Deutschen und Italienern bemerkbar, deren Neugier offenbar etwas nachlässt.

Im Besucherranking stiegen dagegen fern gelegene Länder, wie die USA, Australien oder Kanada sowie Japan; sie machten 2012 schon beinahe ein Viertel der ausländischen Besucher aus, nachdem der Anteil 2008 noch bei 16 Prozent gelegen hatte. Die östlichen und südlichen Nachbarländer Polens sind als Touristengruppen kaum sichtbar, sie besitzen einen Anteil an den ausländischen Gästen von unter einem Prozent.

Wer reist aus dem Ausland nach Warschau?

Am Chopinmuseum, ul. Tamka in Warschau (c) 2013 H. Fehlberg

Am Chopinmuseum, ul. Tamka in Warschau
(c) 2013 H. Fehlberg

Die aus dem Ausland nach Warschau reisenden Menschen sind zu fast gleichen Teilen Männer und Frauen aus grossen Städten, die deutlich älter, besser ausgebildet, in höheren Positionen tätig und damit vermögender sind, als ihre polnischen touristischen Kollegen. Ein Fünftel der ausländischen Besucher hat aufgrund seiner polnischen Wurzeln ein besonderes Verhältnis zum Land zwischen Tatra und Ostsee.

Ausländer besuchen in erster Linie die Sehenswürdigkeiten, erholen sich, wollen aktiv die polnische Kultur kennenlernen. Dabei haben verschiedene Nationalitäten ihre Besonderheiten: Japaner z.B. interessieren sich stark für die Stadt Frédéric Chopins und Marie Skłodowska-Curies, während Deutsche besonders Orte im Zusammenhang mit der deutschen Besatzung und des jüdischen Kulturerbes aufsuchen.

Touristischer Euro-Flop in Warschau

In die Ausrichtung der Fussball-Europameisterschaft 2012 waren auch aus dem Blickwinkel des Warschauer Tourismus grosse Hoffnungen gesetzt worden. Allerdings stellte sich, wie die Gazeta Wyborcza berichtete, am Jahresende heraus, dass die Rekord-Besucherzahlen des Chopin-Jahres 2010 noch nicht einmal annähernd erreicht werden konnten. Ein ganzjähriges besonderes Angebot, das nicht permanent besteht, mobilisiert offenbar weitaus grössere Besucherzahlen, als eine Fussball-EM, die nur eine bestimmte Gruppe für einen kurzen Zeitraum anspricht, allerdings mehr Prestige verspricht und das Land infrastrukturell voran bringt.

Gute Aussichten für die polnische Hauptstadt

Wie Polen.pl über das langfristige Tourismuskonzept des Polnischen Tourismusverbandes berichtete, geht man davon aus, dass mit der zunehmenden Alterung der (wohlhabenden und aktiv gebliebenen) Gäste die Nachfrage nach Städtereisen steigen wird. Mit der baulichen und kulturellen Entwicklung, die man in Warschau feststellt, bestehen beste Aussichten, dass die Stadt an der Weichsel sich von diesem Potential ein grosses Stück Kuchen abschneiden kann.

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