„Deutschland – meine Leidenschaft“: Prof. Mieczysław Tomala stellte seine Autobiografie in Berlin vor

Dr. Tytus Jaskulowski (l.) im Gespräch mit Prof. Mieczysław Tomala (Foto: Vinzenz Kratzer, GFPS)

Dr. Tytus Jaskulowski (l.) im Gespräch mit Prof. Mieczysław Tomala (Foto: Vinzenz Kratzer, GFPS)

(Berlin, FS) Er habe sein Leben den deutsch-polnischen Beziehungen gewidmet, sagt Professor Mieczysław Tomala während der Einführung in die Lesung in der voll besetzten deutsch-polnischen Buchhandlung BuchbundDer Übersetzer und Sozialwissenschaftler scheut nicht zurück vor den ganz großen Worten. Und diese sind dem langen Zeitraum angemessen, den der 1921 in Łódź geborene Deutschland-Kenner die Beziehungen Polens zu beiden deutschen Staaten mitgeprägt hat.

Seine Erlebnisse und seine Liebe zu Deutschland hat Tomala in seiner Autobiografie „Niemcy – moją pasją“ verarbeitet, die 2010 im Warschauer Elipsa-Verlag erschien. Nun liegt die deutsche Übersetzung vor, aus der er an diesem Donnerstagabend auf Einladung des GFPS e.V. (Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa) und des Jungen Kreises der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam mit seiner Gattin, Frau Professor Karin Tomala, liest.

Schon Tomalas Elternhaus legt Wert darauf, dass der Junge die Sprache des Nachbarlandes lernt, sie ermöglichen ihm Privatunterricht. Der 18jährige Tomala erfährt aus der Zeitung, dass sein zuvorkommender Deutschlehrer nach dem Überfall auf Polen eine Führungsposition in der städtischen SS einnimmt. Die Familie Tomala steht in Kontakt mit der Familie Köhler, aus der Jahrzehnte später ein Bundespräsident hervorgehen wird.  Tomala heiratet später eine Deutsche, lehrt an deutschen Hochschulen und publiziert noch immer zu deutsch-polnischen Themen.

Dolmetschen für Brandt und Gomułka

Mieczysław Tomala - "Deutschland - meine Leidenschaft" (Elipsa Verlag, Warschau)

Mieczysław Tomala – „Deutschland – meine Leidenschaft“ (Elipsa Verlag, Warschau)

Am bekanntesten mag Tomala dafür sein, dass er die Gespräche zwischen dem damaligen PZPR-Vorsitzenden Władysław Gomułka und Willy Brandt im Dezember 1970 dolmetscht. Er ist dabei, als der Bundeskanzler als erster bundesdeutscher Regierungsvertreter Polen besucht und vor dem Ehrenmal für die Kämpfer des Warschauer Ghetto-Aufstandes von 1943 niederkniet. Professor Tomala habe auch Gesten und Pausen übersetzen müssen, manchmal sogar welche, die sieben Minuten währten, beschreibt Dr. Tytus Jaskulowski während einer Moderation in Anspielung auf die protokollarisch eingeplante Dauer der Kranzniederlegung Tomalas Wirken.

Der Handlungsspielraum eines Dolmetschers ist freilich begrenzt. Amüsant ist, wie er von einem Gespräch zwischen Gomułka und SED-Parteichef Walter Ulbricht berichtet, in dem Tomala den 1. Sekretär der PZPR entschärft: Aus einem ziemlich vulgären Anranzer, der hier nicht widergegeben sei, wird flugs ein „Reden Sie keinen Unsinn!“ Tomala unterhält auch mit privaten Anekdoten. So kann er sich zu Besuch beim damaligen DDR-Außenminster Lothar Bolz kaum die erstaunliche Kunstsammlung des SED-Mannes erklären. Oder er begleitet als polnisches Delegationsmitglied einen Jagdausflug, auf dem ein gewisser Erich Honecker einen Hirsch erlegt – der ihm dafür vor die Flinte geführt wird.

Neben der beratenden Funktion in Deutschland-Fragen, die Professor Tomala als Mitglied des Polnischen Instituts für Internationale Angelegenheiten (Polski Instytut Spraw Międzynarodowych, PISM) ausfüllte, hat sich der Katholik vor allem mit seinem bürgerschaftlichen Engagement verdient gemacht. Unter anderem für seine Arbeit in der Stiftung Gedenken (Fundacja Pamięć), gegründet im Jahr 1994, die in Zusammenarbeit mit der deutschen Kriegsgräberfürsorge die Ruhestätten deutscher Soldaten pflegt, verlieh ihm Bundespräsident Rau das Bundesverdienstkreuz.

Mieczysław Tomalas Biografie ist eine dieser persönlichen Geschichten, in denen aus der Erfahrung von Schrecken nicht Abneigung oder Hass erwächst, sondern lebenslanger Wille zur Aussöhnung hervorgeht. Diese Lebensleistung, die eine Vielzahl von Persönlichkeiten erbracht hat, verdient Respekt. Im Angesicht dessen lässt sich auch über den etwas überhöhten Pathos hinwegsehen, der den Duktus Tomalas umweht.

Mieczysław Tomala: „Deutschland – meine Leidenschaft. Hass zerstört – Versöhnung heilt.“ Elipsa Verlag, Warschau, 305 S., ISBN 978-83-7151-082-3

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  1. Tomala Karin
  2. Frank

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