Die A2 ist fertig: Der Weg zum EM-Eröffnungsspiel 2012 steht offen!

Ein Auto vom Typ Lancia Delta. Foto: Polen.pl (JW)

Die Autobahn A2 nach Warschau ist fertig: Man darf aber erst einmal nur 70 fahren.

(Mainz, WB) Um die neue Autobahn A2 nach Warschau für das am Freitag stattfindende EM-Eröffnungsspiel Polen – Griechenland rechtzeitig bereit zu stellen, wurden durch die Regierung Polens geltende Standards für das Straßenwesen durch ein kurzfristig verabschiedetes Gesetz gezielt gesenkt. Damit lässt sich zurzeit auf der A2 nun mit 70 km/h fahren. Das Ziel aber ist erreicht: Die Autobahn steht zur Verfügung.

Der Sekt und die A2

Die Regierung hat damit einen Erfolg verbucht. Die Fußballfans erreichen ab sofort über die A2 problemlos Polens Hauptstadt Warschau. Die letzten Bauarbeiten auf dem so genannten Autobahnabschnitt C wurden gerade noch rechtzeitig fertig gestellt, so dass während der EM die Straße befahrbar sein wird. Heute sollte sie definitiv eröffnet werden. Aus diesem besonderen Grund haben die Autobahnarbeiter mit Sekt angestoßen, was auch das Fernsehen zeigte. „Auf dem ganzen Straßenabschnitt C wurde die Deckschicht zu 100 Prozent gelegt. Es müssen noch zusätzliche Verkehrssicherheitsanlagen und andere waagerechte sowie senkrechte Informationszeichen installiert werden“ – berichtete gestern triumphierend vor der Fernsehkamera der polnische Verkehrsminister Sławomir Nowak. „Wir werden diesen Autobahnabschnitt für den Straßenverkehr ohne Glanz und Gloria aufmachen. Wir warten damit ab, bis alles fertig und vor allem für die Menschen sicher ist – versicherte der Verkehrsminister. Gleichzeitig betonte er seine Überzeugung, dass die Fußballfans mit der A2 das Eröffnungsspiel Polen – Griechenland schon an diesem Freitag erreichen werden.

Das Unmögliche möglich machen

Laut der meistzitierten Tageszeitung Rzeczpospolita machen viele Experten darauf aufmerksam, dass der Fall der Autobahn A2 ein Beispiel dafür ist, wie die aktuelle Regierung sogar die größte Niederlage in einen politischen Erfolg umsetzen könne. „Klar, ich freue mich, dass die A2 während der EM 2012 befahrbar wird. Es ist jedoch schwer zu vergessen, unter welchen Umständen dieser ‘Erfolg‘ erreicht wurde“ – sagt der Wirtschaftsexperte Adrian Furgalski. Ferner sagt er, dass in Wirklichkeit die Autobahn für den Straßenverkehr nicht bereit sei. Man musste dafür erst ein außerordentliches Gesetz verabschieden, das die Standards zur Befahrbarkeit der Straßen senkt. „Das ist ein Ereignis vom nie dagewesenen Ausmaß in der EU. Die Autos werden auf dem Autobahnabschnitt die Spitzgeschwindigkeit von 70 km/h erreichen können und nach der EM 2012 wird er für den Straßenverkehr erneut zugemacht, um die Bauarbeiten fortsetzen zu können“, meint der Wirtschaftsexperte.

Schwere Geburt der A2

Darüber hinaus wird von Kritikern bemängelt, dass die Regierung sich ernste Pannen bei der Auswahl der Auftragnehmer für den Bau der A2 erlaubte. Erstens hat es die chinesische Firma COVEC nicht geschafft, die A2 zu Ende zu bauen –  sie schuldet der polnischen Generaldirektion für Nationalstraßen und Autobahnen GDDKiA umgerechnet etwa 165 Millionen Euro Entschädigung. Zweitens hat die börsennotierte Firma DSS den Bau des chinesischen Autobahnabschnittes der A2 auf sich genommen – und später Konkurs angemeldet sowie einen Haufen Schulden hinterlassen. „Letztendlich hat es sich erwiesen, dass man eine Firma finden konnte, die den Autobahnabschnitt vor der EM 2012 gebaut hat, jedoch werden die früheren fatalen Entscheidungen den Regierenden in Rechnung gestellt. Deswegen können heute die Autobahnarbeiter auf der A2 die Sektflasche anbrechen und nicht die Vertreter der Regierung oder der GDDKiA“ – fügt Furgalski hinzu.

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