Die Geschichte einer Autobahn

1560 km der polnischen Autobahnen und Schnellstrassen unterligen der Mautpflicht. Photo: Polen.pl (BD)

In Sachen Autobahnausbau hat Polen noch einiges vor (sich). Foto: Polen.pl (BD)

(Toruń, JE) Der Ausbau des Autobahnnetzes ist ein polnisches Dauerthema. In der Regel dominieren in diesem Zusammenhang negative Nachrichten – etwa der gescheiterte Versuch, die Strecke Warszawa-Łódź mit chinesischer Hilfe im Eiltempo zu errichten. Ab und an können jedoch auch Erfolge vermeldet werden, wie im letzten Jahr die Fertigstellung der Verbindung Gdańsk-Toruń (A1) oder kurz vor Jahresende der Anschluss der Ost-West-Autobahn A2 an die deutsche Grenze. Mit der Freigabe des Teilstücks Nowy Tomyśl-Świecko habe man endlich freie Fahrt zwischen Łódź und Lissabon, schrieb diesbezüglich die Polityka, um sich gleichzeitig darüber zu amüsieren, dass Präsident Komorowski den größten Teil des Weges zur Eröffnungsfeier aus Warschau (das Stück Warszawa-Łódź befindet sich weiterhin im Bau) mit dem Flugzeug zurücklegen musste.

Zweite Autobahnanbindung an deutsche Grenze

Zunächst einmal zum Erfreulichen: Mit der A2 besteht neben der südlicheren Trasse Dresden-Wrocław-Kraków (A4) jetzt eine zweite Möglichkeit, relativ zügig und bequem mit dem Auto aus Deutschland nach Polen (und umgekehrt) zu reisen. Wer sich nun also mit dem Auto aus Berlin in Richtung Poznań oder Łódź aufmacht, muss sich nicht mehr über verstopfte und holprige Landstraßen quälen. Einstellen muss er sich jedoch unter Umständen auf Staus an den Mautstellen in Polen, befürchten Experten, die eine automatische, elektronische Erfassung der Maut fordern. Insgesamt muss man bezweifeln, dass die Strecke Berlin-Poznań (ganz zu schweigen von Berlin-Warszawa) über die A2 schneller und günstiger zurückzulegen ist als mit dem Zug (Vielleicht kann schon jemand über eigene Erfahrungen berichten?). Der Berlin-Warszawa-Express benötigt von der deutschen Hauptstadt nach Poznań weniger als drei Stunden.

Autobahn mit einigem Anlauf

Die A2 ist eine Autobahn mit Geschichte – mit über 70-jähriger Geschichte, wie die Polityka schildert: Erste Bauarbeiten wurden von polnischen Zwangsarbeitern zu Beginn der 1940er Jahre durchgeführt. Ziel der Nationalsozialisten war eine ‚Reichsautobahn‘ zwischen Berlin und Warschau. Wieder aufgenommen wurden die Planungen der A2 vom damaligen sozialistischen Regime Polens im Vorfeld der olympischen Winterspiele 1980 in Moskau. Aus den großen Plänen wurde nicht viel. In den 1990er Jahren kam dann die Idee auf, den Bau und die Betreibung von Autobahnen in private Hände zu übergeben. Der Posener Geschäftsmann Jan Kulczyk gewann schließlich 1995 mit einem Firmenkonsortium, der Gesellschaft Autostrada Wielkopolska (AWSA), die Ausschreibung zum Bau der Strecke ŁódźŚwiecko . Die Fertigstellung der ca. 370 Kilometer langen Strecke dauerte auch deshalb so lange, weil alleine die Ausarbeitung der Verträge – für die jeweiligen Teilstücke – zwischen dem Auftragsgeber, der Regierung, und dem Auftragsnehmer, AWSA, bis zu acht Jahre dauerte.

Die kostenpflichtige Benutzung der A2 ist letztlich logische Konsequenz des Public-Private-Partnerships zwischen Infrastrukturministerium und dem Konsortium. „Unsere Gebühren müssen die tatsächlichen Kosten des Baus und der Nutzung der Autobahn abdecken“, wird AWSA-Geschäftsführer Patalas in der Polityka zitiert.

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Comments
  1. Lothar
  2. Jochen

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*