Die Lemminge sind müde: Polens 30- bis 40-Jährige klagen über gesundheitliche Probleme

Junge Menschen in der Fußgängerzone. Foto: Polen.pl

Der Schein trügt: Für viele Menschen ist der Druck riesig

(Pforzheim, JW) Die Lemminge sind müde („Lemingi są zmęczone“) titelte die Rzeczpospolita am 2. November. Als Lemminge werden in Polen zum einen diejenigen bezeichnet, die weitgehend kritiklos der Regierung folgen und nur an ihrem persönlichen Fortkommen interessiert sind, für andere sind sie aber einfach die hart arbeitende Mittelklasse. Auf jeden Fall sind Leute im dritten und vierten Lebensjahrzent gemeint, die typischerweise in großen Firmen in städtischen Ballungsräumen arbeiten, für ihre Wohnung einen Kredit aufgenommen haben und die sich einen bestimmten Lebensstandard erarbeitet haben und aufrechterhalten wollen. Besonders in den großen Städten haben Leute dieser Altersgruppe zunehmend mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, schreibt die Rzeczpospolita. Ärzte beobachten bei ihnen vor allem psychische Erkrankungen und Herzprobleme. Die  Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmitteln sei zudem in Polen in den letzten 20 Jahren um das 12-fache gestiegen.

Die Gründe dafür liegen laut Experten vor allem in der Arbeitssituation. Entlassungen träfen mittlerweile auch die Mittelklasse und die Angst davor – beziehungsweise hartes Arbeiten, um sich vor einer Entlassung zu schützen – machen letztendlich krank. Die Belastung durch einen Kredit erhöht diesen Druck zusätzlich. Immer mehr Polen haben außerdem  noch einen zweiten Job. 46 Stunden arbeiten die Polen wöchentlich im Durchschnitt, wie eine Umfrage des CBOS (Centrum Badania Opinii Spolecznej – Zentrum für die Erforschung der gesellschaftlichen Meinung) im August dieses Jahres ergeben hat. Das polnische Hauptstatistikamt (Glowny Urzad Statistyczny) gibt für 2012 ein Durchschnittsbruttoeinkommen von ca. 3650 Zloty (888 Euro) an.

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