Die Zukunft des Reiseführers scheint flach

Krakauer Tuchhallen bei Nacht. Foto: Polen.pl (JW)

Schöne große Fotos und Interaktion: Ein großer Vorteil der Tablet-Apps gegenüber gedruckten Reiseführern

(Berlin, JW) Früher, da buchte man in der Touristeninformation am Reiseziel noch einen Stadtrundgang. Anschließend verglich man das Gelernte mit dem Inhalt aus dem Baedeker-Reiseführer, der schon bei der Anreise schwer im roten Leineneinband im Gepäck wog. Naja, was jetzt in diesem Artikel kommt, ist klar: Es hat sich viel geändert im Reiseführer-Markt. Am Wochenende klickte ich mich einmal wieder durch die neuen Angebote für 2013 rund um Reiseführer für Polen. Zugegeben: So viel hat sich da nicht getan. Ein paar Überarbeitungen, hauptsächlich. Aber: Polen ist bislang auch nicht als innovativster Markt für Reiseführer aufgefallen, weshalb ich mir die Angebote für andere Länder auch noch einmal angesehen haben.

Multioptionalität: Aber flach

Zwei Trends sind dabei unverkennbar. Trend Nummer eins ist nach meinen Beobachtungen, dass immer mehr Guides für die Reise nicht mehr rein landesbezogen erscheinen, sondern entweder stark thematisch oder sehr regional daherkommen. Das spiegelt sich schon am Beispiel Polens wider, wo die wirklich guten Ausgaben auf eine spezielle Region abstellen. Auf der anderen Seite gibt es etwa Ski-Guides, kulinarische Guides oder Hausbootführer, die sich nur in Unterrubriken in Länder gruppieren lassen. Noch einen Schritt weiter gehen die als ‚Urlaubslustmacher‘ produzierten Magazine. Allerdings musste ich dabei auch feststellen, dass die Urlaubsdestination Polen darin ausgesprochen selten auftaucht. Am ehesten noch bei Campingführern oder Reiseführern vom Typ ‚die 20 sehenswertesten Städte Europas‘.

Trend Nummer zwei ist elektronisch: Apps kommen. Für Smartphones und portable Displays hatten wir uns so etwas schon einmal angesehen (siehe Test neue Reise-App), immer mehr kommen nun aber die Reiseführer auf dem Tablet-PC, also zum Beispiel einem iPad. Soll man nun also wirklich in Zukunft immer mehr Menschen mit flachen Tablet-Computern vor den Sehenswürdigkeiten antreffen?

Beispiel: Marcopolo travelmagazine

So präsentiert sich das Angebot von Marco Polo

So präsentiert sich das Angebot von Marco Polo

Medien wandeln sich, nützliche Reiseinfos braucht man aber trotzdem noch: Das werden sich die Produktstrategen von Marcopolo.de gedacht haben. So gibt es schon seit längerem Online-Artikel, auch zu Reisezielen in Polen (bisher für Warschau). Neu ist aber ein Reisemagazin speziell für Tablet-PCs (erhältlich für Android, Apple iOs, Windows), das unter dem Namen Marco Polo travelmagazine angeboten wird. Im Unterschied zu Reise-Apps ist das Angebot kostenlos. Es umfasst monatlich neue Reportagen, Karten, Reisetipps und Bilder sowie Videos. Bisher allerdings finden sich eher die typischen Reiseziele darin, aber auch Infos zu Reisebloggern, kommentierte Links zu guten Reise-Seiten – und themenbezogene Übersichten. Im Dezember sind es naheliegenderweise Weihnachtsmärkte, über die berichtet wird. Das Lesen macht Spaß, die Artikel sind kurz und knapp und nett bebildert. Im Vergleich zu manchen ‚Rankings‘ von Reiseportalen ist etwas mehr inhaltliche Tiefe zu finden. Im Vergleich zu einem Reiseführer fehlt einiges: Das ist ganz sicher kein Wunder, will man doch auch am Ende noch Reiseführer verkaufen.

Wie funktioniert das Ganze? Technisch ganz einfach: Man installiert die App oder ruft die Website des Magazins auf, dann kann man Bilder, Texte und Videos mit der Tablet-typischen Wischgestenbedienung benutzen. Manch ein Nutzer bemängelt, dass das ganze nicht schnell genug funktioniert. Kaufmännisch und marketingseitig funktioniert das Modell vermutlich so, dass der dahinterstehende Verlag mit diesem guten kostenlosen Angebot Lust auf Reiseziele machen möchte, um im Nachgang dann doch noch den eigenen Reiseführer auf Papier oder als App zu verkaufen. Die in der Anwendung enthaltenen Links zu Hotelbuchungen oder ähnlichem dürften nicht ausreichen, die Kosten für den Anbieter zu decken. Am Ende scheint mir das nicht schlimm, bleibt am Ende doch jedem selbst überlassen, wie tief er das kostenlose Angebot nutzt und ob er dann zum Kauf eines Reiseführers schreitet. Fraglich ist, ob es nicht sinnvoll wäre, auch die kostenpflichtigen Reiseführer-Apps in das Angebot zu integrieren. Dann könnte man die Vorteile des medienbruchfreien Genusses von großen Fotos, interaktiven Elementen, Videos und mehr noch besser nutzen.

Aber man muss sich natürlich fragen: Ist es wirklich eine Alternative, statt mit einem gedruckten Reiseführer mit dem Tablet etwa auf dem Krakauer Marktplatz zu stehen? Diese Frage muss wohl jeder für sich beantworten.

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Comments
  1. Brigitte Jäger-Dabek
  2. Jens Hansel
  3. Brigitte Jäger-Dabek
  4. Jan Szurmant

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*