Drei musikalische Empfehlungen aus 2013

(Berlin, FS) Der Jahreswechsel ist für viele Musik-Enthusiasten die Zeit für Jahresbestenlisten. Wer spielte die aufregendsten Konzerte, welche Newcomer werden sich etablieren und vor allem: Welche Alben werden das Jahr überdauern?

Die folgenden Empfehlungen erheben mitnichten den Anspruch der Vollständigkeit und repräsentieren nicht die große Fülle an Veröffentlichungen, die selbstverständlich auch in Polen die Regale fluten. Wir freuen uns vielmehr über weitere Empfehlungen, Tipps und Links mit Hörbeispielen in den Kommentaren. Hier jedoch sind erst mal drei Veröffentlichungen, die 2013 zu den schönsten Alben aus Polen gehörten.

Eric Shoves Them In His Pockets – Walk It Off

Label: Thin Man Records | VÖ: 25.10.2013 | erhältlich via bandcamp oder den Label-Shop

Eric Shoves Them In His Pockets - "Walk It Off" (Thin Man Records / VÖ: 25.10.13)

Eric Shoves Them In His Pockets – „Walk It Off“ (Thin Man Records / VÖ: 25.10.13)

Das Warschauer Trio existiert bereits seit einigen Jahren. Hubert, Christoph und Szymon lernten sich schon in der Schule kennen, aber dann kam eine andere Band dazwischen: Christoph und Szymon tourten in der Backing Band mit Paula i Karol um die Welt und nahmen ein Album auf. Da musste das Projekt „Eric Shoves“ erst mal zurückstehen.

2013 erschien dann neben der Demo-EP endlich das Debüt-Album. Walk It Off vereint zwölf Stücke, die vor lakonischer Verweigerung der großen Geste kaum von der Couch hochkommen. Der holpernde Indie-Rock erinnert an US-College-Sound der frühen 90er und sie würden gut ins Vorprogramm von Pavement passen. Zwischen 12 und 200 Leuten kamen zu ihren Konzerten in Deutschland. Vorerst müssen sie auch ohne deutschen Vertrieb auskommen. Aber das macht nichts. Für die beiden Band-Mitgleider von Paula i Karol geht es nämlich erst mal wieder ins Studio, um ein neues Album aufzunehmen und es anschließend ausgiebig zu betouren. Wollen wir hoffen, dass es nicht wieder fünf Jahre braucht, bis die „Eriki“ wieder zusammenfinden.

 

Hörprobe: „Storms“


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Fismoll – At Glade

Label: NEXTPOP / EMI Music Poland | VÖ: 18.06.2013 | digital z.B. bei amazon.de erhältlich

Fismoll - "At Glade" (NEXTPOP / EMI Music Poland / VÖ: 18.06.13)

Fismoll – „At Glade“ (NEXTPOP / EMI Music Poland / VÖ: 18.06.13)

Hype-Gefahr: Ein 19-Jähriger veröffentlicht sein Debüt-Album, das von manchen als „eine der wichtigsten Platten des Jahres“ bezeichnet wird und am Jahresende tatsächlich in den Top 10 der Gazeta Wyborcza landet. Zu allem Überfluss sieht der Junge mit seinen langen blonden Jahren auch noch so aus, dass ihm die Herzen der Teenager zufliegen.

Das Angenehme am Werdegang von Fismoll alias Arkadiusz Glensk aus Poznań ist jedoch, dass er keiner Retorten-Fabrik entstammt, sondern alleine begann, Lieder zu schreiben und via Youtube veröffentlichte. Für das Album holte er sich Hilfe von Produzent Robert Amirian, dem auch das kleine Label NEXTPOP gehört. Trotz des Vertriebs über EMI Poland ist das Album in Deutschland nur schwer zu bekommen, dabei sollte die Lizenzierung für den deutschen Markt doch nicht mehr als eine Formsache sein.

Gute Chancen für eine erfolgreiche Vermarktung sollte es eigentlich geben: Zu gut ist die Geschichte des jungen Mannes. Die hohe Stimme und die familiären Verbindungen nach Island haben auch in Polen schnell die Sigur Rós Referenzen auf den Plan gerufen. Dabei ist Fismoll lange nicht so experimentell, nein, im Gegenteil, At Glade ist ein Album voll ruhiger Songwriter-Stücke, die mit Streichern unterlegt und Titeln wie Let Me Breathe Your Sigh heftigen Herbst-Kitsch produzieren. Gleichzeitig trifft er damit genau den melancholischen Nerv, den zu kitzeln auch Bon Iver zu einer Weltkarriere verholfen hat.

Hörprobe: „Let’s Play Birds“


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Tides From Nebula – Eternal Movement

Label: Long Branch Records / SPV | VÖ: 04.10.13 | überall erhältlich

Tides From Nebula - "Eternal Movement" (Long Branch Records / SPV / VÖ: 04.10.13)

Tides From Nebula – „Eternal Movement“ (Long Branch Records / SPV / VÖ: 04.10.13)

Keine Angst, wenn Sie den Bandnamen noch nie gehört haben. Dennoch, Tides From Nebula haben sich zu einer sehr guten Marke aus Polen entwickelt. Das Quartett aus Warschau spielt Postrock, auch wenn die Band den Begriff nicht auf ihre Musik angelegt wissen will. Instrumentale Rockmusik also mit lauten Gitarren, heftiger Verzerrung, flächigen Sounds. Die bereits ebenfalls in Deutschland erschienen Alben Aura und Earthshine waren dunkel im Artwork, erzeugten mystisches Kopfkino. Mit Eternal Movement haben TFN sich um 180 Grad gedreht und eine geradezu farbenfrohe Version ihres Genres geschaffen. Eternal Movement – das schlägt sich in nicht enden wollenden Licks und Riffs nieder, in Wiederholungen und Sequenzierungen, ohne dass Langeweile aufkäme, weil die Band die den lauten Drums und Verstärkern innewohnende Dynamik so gut kontrolliert wie nie.

Damit sind sie in Polen zu Szene-Größen aufgestiegen – mit Betonung auf Szene. Auch in ihrer Heimat können sie noch ungestört in den Supermarkt gehen. Allerdings dürften sie dazu im letzten halben Jahr kaum Anlass gehabt haben, schließlich haben sie wiederholt den gesamten Kontinent betourt. In Deutschland waren sie zuletzt mit dem Berliner Metal-Kollektiv The Ocean zu sehen. Hierzulande sind sie unter Fans sogar so etabliert, dass sie als einzige der hier aufgeführten Bands ganz selbstverständlich beim Hannoveraner Genre-Label SPV vertrieben werden und somit überall im Fachhandel erhältlich oder zumindest bestellbar sind.

Hörprobe: „Only With Presence“


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