Ehe ade: Polen wollen nicht mehr heiraten

Verbotsschild Heiraten

Den Weg zum Traualtar gehen Polen immer seltener. Bild: Polen.pl (IG)

(Berlin, IG) Liebe und Partnerschaft brauchen keinen Vertrag. Diese Überzeugung, die in Deutschland längst alltäglich geworden ist, wird in Polen zunehmend zum Trend. Schon jedes fünfte Kind wird unehelich geboren, fasste die Tageszeitung Gazeta Wyborcza Mitte vergangener Woche die Ergebnisse des polnischen Hauptamtes für Statistik zusammen. Die Zahl der unehelichen Kinder habe sich in Polen seit 1990 fast verdreifacht und nähere sich in großen Schritten dem westeuropäischen Durchschnitt von etwa 35 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland lag diese Zahl in den vergangenen Jahren bei etwa 32 Prozent.

Wilde Ehen nicht mehr skandalös

Demnach scheint sich das Bild der polnischen Familie seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems gewaltig gewandelt zu haben. Unverheiratete Frauen mit Kind und wilde Ehen sind im katholischen Polen längst nicht mehr skandalös. Die Gesellschaft sei offener und pluralistischer geworden, selbst auf dem Land, kommentierte die sich wandelnden Werte der polnische Radiosender TOK FM. Hinzu kommt, dass auch die Scheidungsrate und die Zahl der Alleinerziehenden in Polen rapide steigt. In Sachen Familie ähnelt Polen also immer mehr seinen deutschen Nachbarn.

SLD für „Partnerschaftsgesetz“

Diese Entwicklungen zwingen auch polnische Politiker zum Nachdenken. Die linksgerichtete Partei SLD hat den Zeitungsberichten zufolge bereits einen Entwurf für ein ‚Partnerschaftsgesetz‘ vorbereitet, das Unverheiratete Verheirateten besser gleichstellen soll. Die Erwartungen, dafür im Sejm (Parlament) Mehrheiten zu gewinnen, sind jedoch gering. Der Entwurf berücksichtige auch gleichgeschlechtliche Beziehungen. Dafür sei das polnische Parlament einfach noch nicht bereit, lautet das Fazit.

Daraus folgt: Bis die politischen Amtsträger die gesellschaftliche Entwicklung im eigenen Land mental eingeholt haben, bleiben Paare ohne Trauschein in Polen beim Steuer-, Adoptions-, Erb- oder auch Besuchsrecht in Krankenhäusern weiterhin benachteiligt.

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