Ein Marathon für Toleranz

Foto des Bahnhofs Lodz Kaliska. Foto: Andreas Schwarze

Bahnhof Lodz Kaliska. Foto: A. Schwarze

(Bremen, JE) Etwa 200 Menschen beteiligten sich gestern, Sonntag den 15. Mai, am ersten „Marsch der Gleichheit“ in Polens drittgrößter Stadt Lodz. Sie demonstrierten dabei für das Recht auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften und gegen Homophobie in der polnischen Gesellschaft. Solche Märsche hatte es in den letzten Jahren in mehreren polnischen Großstädten gegeben – stets begleitet von heftigen Protesten. So auch dieses Mal: Die Zahl der ‚Verteidiger der traditionellen Familie‘ – auf gazeta.pl war unter anderem von Skinheads und Nationalisten die Rede, in der Tageszeitung Dziennik Łódzki auch von Fussballfans bzw. Hooligans – überstieg wohl die der mutigen Verfechter von Gleichberechtigung. Die ‚Liga der polnischen Familien‘ hatte im Vorfeld zum Verbot der Demonstration aufgerufen. Während der Veranstaltung flogen Kartoffeln, Eier und Flaschen in Richtung des Demonstrationszuges, der laut Dziennik Łódzki von etwa 150 Polizisten gesichert wurde. Den Gegendemonstranten gelang es vorübergehend, die ul. Piotrkowska, Lodzs Haupt- und Einkaufsstraße, zu blockieren. Der Marsch der Gleichheit konnte jedoch wie geplant zu Ende geführt werden. Organisiert wurde die Demonstration von der Gesellschaft ‚Kampagne gegen Homophobie‘. Später am Tag fand eine Pressekonferenz zum Thema ‚gleichgeschlechtliche Partnerschaften‘ im Łódz Art Center statt. Beide Veranstaltungen waren Teil des dreitägigen ‚Marathons für Gleichheit‘ in der ehemaligen Industriestadt.

 Marathon scheint die passende Metapher zu sein. Schwule und Lesben haben in Polen nach wie vor einen schweren Stand – das zeigen nicht nur die Ereignisse rund um die Demonstrationen für Toleranz und gegen Homophobie. Dass die bunten Paraden sich auf neue Städte ausweiten, darf allerdings als gutes Zeichen gewertet werden.

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