Eine U-Bahn für Krakau? – Lokale Volksbefragung positiv

Blick auf Krakau vom Kościuszko-Hügel (c) H. Fehlberg

Blick auf Krakau vom Kościuszko-Hügel (c) H. Fehlberg

(Poznań, HF) Die Einwohner Krakaus waren am 25. Mai 2014 aufgerufen, in einer lokalen Volksabstimmung zusammen mit den Wahlen zum Europäischen Parlament über vier Fragen abzustimmen. Neben der Einstellung zur Organisation und Durchführung der Olympischen Winterspiele 2022 (Ablehnung durch 70 Prozent der Abstimmenden) wurde auch nach Unterstützung beim Aufbau eines Videoüberwachungssystems zur Erhöhung der Sicherheit in der Stadt (Zustimmung mit 70 Prozent) sowie nach dem Ausbau des Fahrradwegnetzes (85 Prozent Zustimmung) gefragt. Die für die räumliche Entwicklung Krakaus wohl wesentlichste Frage lautete aber: Sind Sie für den Bau einer Metro in Krakau? Eine Mehrheit von 55 Prozent stimmte dem Metrobau zu; die Nein-Stimmenden dürften wahrscheinlich Respekt vor den Folgekosten gehabt haben.

Zwanzig Kilometer U- und Hochbahn

Erste Pläne sehen vor, eine 20 km lange U- und Hochbahn durch die nördliche Innenstadt über den Hauptbahnhof in einer schlangenförmigen Linie in die westlichen (Bronowice) und östlichen (Nowa Huta) Stadtteile Krakaus zu führen. Der zentrale Teil der Linie verläuft über 10.5 km in einem Tunnel und kommt dann zu den Enden der Linie hin an das Tageslicht, von wo an sie insgesamt über rund 9.5 km in Hochlage geführt wird. Eine Karte der Linienführung befindet sich hier. Die Linie beginnt in Nowa Huta und verläuft über die Stadtteile Bieńczyce, Czyżny, Mistrzejowice, Prądnik Czerwony, durch den nördlichen Altstadtteil, geht durch einen Teil von Krowodrzy und endet in Bronowice. Erste Überlegungen gehen von zwanzig Haltestellen aus, deren mittlere Entferung untereinander gut einen Kilometer beträgt. Mit Park and Ride-Anlagen sollen zunächst die Stationen Mogiła, Kocmyrzowska, Prądnik Czerwony sowie die Station Bronowice verbunden werden. An letzterer gibt es einen Übergang zum Fern- und Regionalverkehr der Bahn sowie zum Flughafen-Schienenbus nach Balice.

Dicht besiedeltes Planungsgebiet

Im Planungsperimeter der Linie leben rund 250 000 Einwohner, es befinden sich 180 000 Arbeitsplätze hier und rund 140 000 Studenten lernen im Einzugsbereich der Metro. Im Planungsgebiet befinden sich noch sechzig Hektar überbaubares Land, sodass auch zukünftige Stadterweiterungen mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen wären. Die raumplanerische Vision sieht vor, dass in Krakau in Zukunft die Metro, die schnelle Agglomerationsbahn sowie das Tram den öffentlichen Verkehr sicherstellen sollen.

Finanzierungsfrage entscheidend

Wahlplakat zum lokalen Referendum im Krakau 2014 (c) Stadt Krakau

Wahlplakat zum lokalen Referendum im Krakau 2014 (c) Stadt Krakau

Die Kosten der Linie werden in ersten Schätzungen auf 2.56 Mrd. Euro beziffert (Tunnel 1.70 Mrd., Hochbahnviadukte 0.57 Mrd., Rollmaterial 0.17 Mrd. und die Abstell- und Unterhaltsanlage 0.12 Mrd. Euro). Die Stadt Krakau ist jedoch nicht in der Lage, diese Investition zu stemmen. Es kommt daher nur dann zum Bau der Metro, wenn die EU, wie bereits im Fall von Warschau geschehen, die Hälfte der Projektkosten übernimmt und sich für die andere Hälfte ein privater Investor im Rahmen einer public-private partnership (ppp) engagiert. Dieser erwartet grundsätzlich eine entsprechende Verzinsung seines Kapitals. Die Frage der Tragbarkeit der laufenden Kosten und der Verzinsung ist erst noch mit einem Investor zu klären. Wie die Gazeta Wyborcza inoffiziell erfahren hat, sollen die Kosten noch unter 1.5 bis 1.7 Mrd. Euro gedrückt werden.

Metro als Teil des öffentlichen Agglomerationsverkehrs

Wie die Gazeta Wyborcza in ihrer Krakau-Ausgabe am 21.4.2014 berichtete, ist es für das den Agglomerationsverkehr subventionierende Marschallamt der kleinpolnischen Wojewodschaft (Urząd Marszałkowski) besonders wichtig, dass das vorzusehende Rollmaterial auch auf Normalprofil-Eisenbahnschienen fahren kann. Damit wird eine Integration in den Agglomerationsverkehr ermöglicht. Sollte sich Krakau für den Bau einer Metro entscheiden, muss noch eine öffentliche Ausschreibung erfolgen, bei der die Bieter ihre Preise bekanntgeben.

Wie geht es weiter?

Was also bedeutet das Ergebnis des Referendums praktisch? Auch mit dem „Ja“ zur Metro ist es noch ein langer Weg zu ihrem Bau. Sicher ist nur, dass die Stadt in ihren Planungen weiterhin die Metroinvestition berücksichtigen will und die Machbarkeit dafür abklärt.

Damit hätte die Abstimmungsfrage eigentlich lauten sollen: „Sind Sie dafür, dass die Stadt weiterhin Projektarbeiten zu einer Metro durchführt und dass eine Metro gebaut wird, wenn Krakau einen Investor gefunden hat und die Europäische Union den Bau subventioniert?“

Es ist Krakau zu wünschen, dass eine engagierte Verwaltung und die maßgeblichen Politiker diese wohl einmalige Chance für einen nachhaltigeren Verkehr nicht ungenutzt vorüberziehen lassen.

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