Einmal nach Szczecin (Stettin)!

Schloss der Pommerschen Herzöge. Foto: (c) nachStettin.com

Das Schloss in Szczecin (Stettin). Foto: (c) nachStettin.com

(Stettin, CJ) Es wird langsam wieder Sommer, die Temperaturen steigen – und die Sommerferien wollen langsam geplant werden. Zumal die Deutschen als Reiseweltmeister gelten. Man kann weit weg fahren, oder auch fliegen – nach Spanien, nach Australien, an die türkische Riviera, oder auch nach Amerika. Aber oft bleiben wir auch einfach daheim in unserem Land, und fahren vielleicht einfach an die Ostsee. Und von hier aus ist Stettin schon nicht mehr weit. Und der Besuch lohnt sich allemal, selbst wenn es nur ein kurzer Ausflug ist.

Veränderung ist Programm

Ich selber war vor etwa 10 Jahren das erste Mal dort – und es ist einfach umwerfend, wie viel sich geändert hat, wie sehr man das Gefühl hat: die Stadt lebt, an jeder Ecke tut sich etwas, man ist mitten hinein geworfen in das bunte Leben, zwischen moderner Architektur, Kunst und Musik- und gleichzeitig dem alten Jugendstil, und anderen historischen Gemäuern wie dem Stettiner Schloss.

Stettin (Polnisch: Szczecin, gesprochen ‚Schtschetschin‘) ist heute die Hauptstadt  der polnischen Woiwodschaft (entspricht dem deutschen Bundesland) Westpommern, und ungefähr 120 Kilometer von Berlin entfernt. In ein bis zwei Autostunden ist man also von Berlin aus in Stettin. Das ist gar nicht mal so weit, um in ein anderes Land zu kommen, und einer ganz lebendigen, anderen Kultur und Sprache zu begegnen (kleiner Tipp: von Berlin nach Stettin gibt es ein Ticket für 10€ bei der Deutschen Bahn).

Kunterbunte Kultur

Um sich zu orientieren, woher eigentlich dieser kunterbunte Misch-Masch an Kulturen, Stilen und Einflüssen kommt, lohnt sich ein  kurzer Blick in die sehr bewegte Geschichte der Stadt: Die Ursprünge Stettins gehen zurück bis ins 8. Jahrhundert. Man konnte nachweisen, dass sich in dieser Zeit das erste Mal slawische Siedler niederließen. Seit dem 12. Jahrhundert gehörte die, damals noch recht kleine Siedlung zum Königreich  Pommern, bis es 1173 von den Dänen eingenommen wurde. Diese herrschten bis 1227, danach gehörte Stettin wieder zu Pommern. Bis zum 30jährigen Krieg entwickelte Stettin sich wirtschaftlich und kulturell weiter, unter anderem wurde in dieser Zeit das Stettiner Schloss gebaut. Während des größten Krieges der frühen Neuzeit fiel die Stadt kurz an die Schweden unter Gustav Adolf, wurde kurz danach vom brandenburgischen Kurfürst erobert, dann aber wieder von ihm aufgegeben und fiel somit wieder an die Schweden zurück.

1713 schließlich wurde Stettin,- um die Geschichte noch komplizierter zu machen – von russischer Seite her belagert, ging aber durch den Frieden von Stockholm 1720 wieder an Preußen. 1806 stand die Hafenstadt, nach dem Sieg Napoleons, kurz unter französischer Verwaltung, fiel darauf aber schnell wieder zurück an die preußische Verwaltung und erlebte bis zum 1. Weltkrieg eine industrielle und kulturelle Blütezeit.

Der erste und zweite Weltkrieg und die Wirtschaftskrise hinterließen in Stettin deutliche Spuren: Armut, Krieg, Weltwirtschaftskrise und dann die massenhafte Verhaftungen durch die SS und die deutsche Armee.

1944 wurde Stettin, das zum deutschen Gebiet gehörte, von der britischen Armee bombardiert. Dabei wurden 90 Prozent der Altstadt zerstört. Schließlich fiel das Stadtgebiet dann an die sowjetische Besatzungsmacht, die 1945 die Stadt an polnische Stellen übergab.

Bekannt ist Stettin auch durch die Streiks und Arbeiterunruhen der Solidarnosc -Bewegung, die ebenso auch in Danzig 1970 und 1980 stattfanden und europaweit als Widerstandsbewegungen bekannt wurden. Noch einmal 10 Jahre später fanden, nach Zusammenbruch des Staatssozialismus in Polen, und also auch in Stettin, die ersten freien Wahlen statt: die Demokratie erlebte einen Aufschwung. Seit 2004 gehört Polen der EU an, und in diesem Jahr kann Polen ganz Europa als Gast zur Fußball-Europameisterschaft begrüßen

Stettin: Europäisch, voller Geschichte und lebensfroh

Stettin ist also, wenn man das kurz zusammenfassen kann, eine wirklich europäische Stadt: mal slawisch, mal dänisch, dann gehörte Stettin zu Pommern, zu Schweden, zu Brandenburg, zu Russland,  war unter französischer Besatzung, dann preussisch, deutsch, russisch, – und heute gehört es zu Polen- und blüht als europäische Stadt jedes Jahr mehr auf.

Wenn man also heute dieser Stadt einen Besuch abstatten möchte, erlebt man ganz unterschiedliche Aspekte: Zum einen kann man sich, was sich auf jeden Fall lohnt; mit der Geschichte der Stadt und ihrer Einwohner befassen, und wird dabei vielleicht auch der eigenen, ganz persönlichen Geschichte begegnen.

Oder man geniesst die Gegenwart, und besucht die vielen unterschiedlichen Angebote die es in Stettin so gibt, wo sicherlich für jeden etwas dabei ist:

  • Man kann die Hansestadt zu Fuß erkunden, und kann dabei, wortwörtlich, einfach dem ‚roten Faden‘ folgen: einer roten Linie auf dem Gehsteig, die an vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie zum Beispiel dem Renaissance-Schloss, vorbeiführt. In dem Schloss, dass auch im Inneren durchaus sehenswert ist, finden das ganze Jahr über unterschiedliche Veranstaltungen statt, wie etwa das Festival für Barockmusik, Ausstellungen der Akademie der Künste und mehr.
  • Wer es eher sportlich mag, der kann sich in Stettin ebenfalls austoben: In Stettin werden die Meisterschaften für Leichtathletik ausgetragen, das internationale Tennisturnier der Frauen, und Wettkämpfe für Schwimmer. Wer es lieber exklusiver mag, der findet auch zum Golfen und an den Jachthäfen ebenso Gelegenheiten und sicherlich viel Freude.
  • Für Wissenschaftler und Studenten bietet die Stadt wiederum die Stettiner Europauniversität an, die mit 32.000 Studenten eine der größten Hochschulen des Landes ist. Hier kann man die unterschiedlichsten Fächer studieren, und mit den anderen, oft sehr international ausgebildeten Studenten das Leben und die Wissenschaften erleben und sicherlich auch neue Freundschaften schließen.
  • Wenn man es eher etwas ruhiger mag, kann man natürlich auch einfach in dem großen Park in Stettin spazieren gehen, die Ostseeluft genießen und dem bunten Treiben der Stadt einfach mal ganz entspannt zuschauen.

Für den Urlaub mal nach Stettin zu fahren wird sich sicherlich lohnen. Es gibt vieles was man noch entdecken kann – und die Stettiner helfen einem sicherlich, die Stadt zu erkunden.

Viel Spaß und einen wunderschönen Urlaub in Stettin!

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