EM 2012: Hotelneubau auf Ruinen einer Lemberger Synagoge?

Neue Synagoge in Berlin. Foto: Polen.pl (JW)

Die Neue Synagoge in Berlin hat Nazi-Herrschaft und Zweiten Weltkrieg überstanden

(Berlin, PS) Lemberg (ukrainisch: Lwiw) heißt einer der ukrainischen Austragungsorte für die Spiele der Fußball-EM 2012 in Polen und der Ukraine. Nach verschiedenen Berichten haben im August Abbrucharbeiten an den Überresten von einer der vielen im Zweiten Weltkrieg zerstörten Synagogen begonnen – um darauf ein Hotel für die Euro 2012 zu errichten.

Multikulturelle Hauptstadt Galiziens

Lemberg hat eine wechselvolle polnisch-ukrainische Geschichte hinter sich, die sich auch in den Namen der Stadt niederschlug: Lemberg (deutsch), Lwów (polnisch), und Lwiw (ukrainisch). In der Stadt lebten viele Polen, Ukrainer, Juden, Deutsche und Armenier.
Nach der polnischen Teilung war Lemberg als Hauptstadt des Königreichs Galizien bis 1918 ein Teil von Österreich-Ungarn. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Lemberg wieder an Polen. Die Stadt überstand die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg, der größte Teil der über 100.000 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde fiel Lagerhaft, Terror und Erschießungen durch die SS zum Opfer. Auch die im 16. Jahrhundert erbaute Goldene Rosen-Synagoge wurde von den Deutschen zerstört. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Neuordnung Europas fiel Lemberg an die Ukraine.

Euro 2012 versus jüdische Geschichte?

Im Zuge der Bauarbeiten für die Fußballeuropameisterschaft 2012 in der Ukraine, sorgten nun Berichte für große Aufregung, dass die Ruinen der 1941 zerstörten Goldene Rosen-Synagoge durch einen Hotelneubau überbaut werden könnten. Der Journalist Tom Gross berichtete von Bulldozern, die bereits mit dem Abbruch der Synagogenruinen begonnen hätten. Laut www.thenews.pl protestierte bereits der polnische Honorarkonsul in Israel Oded Feller und rief Polen dazu auf, gegen die Überbauung einzuschreiten, da die Euro 2012 mit der Ukraine gemeinsam ausgerichtet werde und Lemberg lange Zeit eine polnische Stadt war, so Feller.
Auch die Beraterin des ukrainischen Präsidenten Hanna Herman schaltete sich ein: Sie erwirkte beim Lemberger Bürgermeister, ein Versprechen dass die Bauarbeiten die Ruinen der Synagoge nicht beeinträchtigen werden.

Der Bürgermeister Lembergs Andri Sadowyj stritt außerdem ab, dass die Ruinen der Goldenen Rosen-Synagoge durch die Bauarbeiten in einer Nachbarstraße gefährdet seien und betonte dass, zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die historischen Überreste bestanden habe.

Im Gegenteil, so Andri Sadowyj, man wolle sich im nächsten Monat mit jüdischen Vertretern zusammensetzen und den Bau einer Gedenkstätte für die zerstörten Synagogen diskutieren.

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