„Es geschehen viele tolle Dinge in der polnischen Musikszene“ – Interview mit BRODKA

BRODKA bei ihrem Konzert im Waschhaus Potsdam , Foto: Magdalena Grzybecka

BRODKA bei ihrem Konzert in Potsdam, Foto: Magdalena Grzybecka

(Berlin, AS) Ihr erstes Deutschland-Konzert spielte BRODKA, die in Polen als Monika Brodka bekannt wurde, am Mittwochabend im Waschhaus Potsdam. Es war die achte Show der aktuellen Tour, die in den kommenden Wochen noch in den USA fortgesetzt wird. Neben Liedern aus ihrem vorherigen Alben bot die Musikerin auch ihre neuesten Stücke, zum Beispiel die Warschau-Hymne „Varsovie“, dar. Rund 200 Menschen im Alter von 20 bis 30 besuchten das Konzert, die meisten polnischsprachig. Letzteres begeisterte BRODKA besonders. Kurz vor dem Konzert traf Agnieszka von Polen.pl die Musikerin zu einem Interview hinter der Bühne. In dem sympathischen Gespräch ging es um ihre aktuellen Songs, Castingshows und Musik aus Polen.

Monika, schön, dass du Zeit gefunden hast, Polen.pl einige Fragen zu beantworten. Du bist jetzt seit etwa neun Jahren mit deiner Musik in Polen erfolgreich, sangst vor allem Lieder auf Polnisch. Nun zeigt
deine neue Veröffentlichung englische Songs. Warum änderst du 2013 die Sprache deiner Musik?

Ich habe die Sprache meiner Musik nicht wirklich geändert. Es war eine außergewöhnliche Situation und ein besonderes Projekt, das von Anfang an auf Englisch sein sollte. Ganz einfach. Wir haben die EP in den USA aufgenommen und es war ein guter Moment für eine Veränderung. Auf dem letzten Album haben wir bewusst keine englischen Lieder eingebaut. Es war gänzlich auf Polnisch mit einer französischen Ausnahme. Und mit „LAX“ war es anders. Wir fuhren nach Los Angeles, um zwei Lieder aufzunehmen und wussten bis zum Schluss nicht, ob wir diese überhaupt veröffentlichen. Wir dachten eher an zwei unabhängige Singles. Und erst später stellten wir fest, dass wir es in einer Form der EP herausgeben möchten. Es ist also nicht so, dass ich das Singen auf Polnisch total aufgegeben habe.

Dein Song „Varsovie“ trägt den französischen Namen der polnischen Hauptstadt. Warum hast du nicht die englische Variante „Warsaw“ oder die deutsche Version „Warschau“ als Titel gewählt?

Ich mag das Wort „Warschau“ nicht (lacht). Ganz einfach, für mich klingt „Varsovie“ schöner als „Warschau“. Und „Warsaw“ war der anfängliche Name der Band „Joy Division“ und außerdem hatte David Bowie einen Song mit dem Titel „Warsaw“. „Varsovie“ ist mir bis jetzt noch nicht über den Weg gelaufen. Es hat mir einfach gefallen. Mir gefällt besonders die Geschichte des Songs. Es ist ein Lied, das mit den Augen der nach Warschau Zugezogenen geschrieben ist. Es ist kein Lied über Polen, die beschlossen haben in Warschau zu leben, sondern eher darüber, was Leute aus dem Ausland dazu bewog, wunderschöne und sonnige Orte auf der Welt zu verlassen, um in Warschau zu leben. Einer Stadt, die sehr spezifisch ist, die grau ist, die auch kein einfacher und in erster Linie auch kein schöner Ort ist, an dem man Leben kann. Jeder weiß wie das Wetter dort ist (lacht).

Kommen wir zum Musikwechsel. Im Vergleich zu deinen ersten Alben, klingen die Lieder der EP „LAX“ elektronischer. Wie würdest du deinen aktuellen Musikstil im Vergleich zu den vorherigen Alben beschreiben?

Das ist schwierig zu sagen, weil wir für Konzerte nach einer bestimmten Zeit die Songs etwas umändern. Wir ändern die Instrumente und verbessern stetig den Sound. Ich habe auch den Eindruck, dass es mit der Zeit immer komplexer wird. Heute spielen wir zum Beispiel eine punkigere Variante meiner Lieder und lassen nur wenige Popklänge hinein. Aber im Allgemeinen versuche ich von Platte zu Platte nicht ständig die gleiche Art von Musik zu machen. Die kommende Veröffentlichung wird anders als die vorherigen Alben. Es kommt auf den Moment in meinem Leben an und vor allem meine neuen Erfahrungen. Ich habe immer Lust, etwas Neues zu machen. Grundsätzlich ist es Pop, denn ich gebe mir Mühe, dass die Songs melodisch klingen. Mit welchen Instrumenten die Lieder später gespielt werden, mit mehr elektronischen oder alternativen Klängen, das hängt von meiner jeweiligen Gemütslage ab.

Deine Karriere begann 2004 in einer populären polnischen Castingshow. In Deutschland sind Castingsshows umstritten, da ihre Gewinner vielfach nur kurzlebige Karrieren verfolgen. Wie ist die Situation in Polen?
Welchen Ruf haben dort Castingshows und was denkst du persönlich über diese medialen Formate?

Ich denke die Zeit dieser Sendungen ist ein wenig vorbei. In dem Sinne, dass mittlerweile nur auf die Show gesetzt wird und nicht mehr auf neue Talente. Ich sehe es heute vielmehr als eine Art „Big Brother“. Es ist traurig, dass viele Leute denken, die Sendungen könnten ihr Leben verändern. Dabei entpuppen sich die Shows in vielen Fällen als fauler Zauber, ein Zauber, der in einem bestimmten Moment zu Ende geht. Bei mir war das damals noch anders. Diese Sendungen waren in Polen noch neu und ich nahm an der dritten Staffel teil. Seit dem ist so viel Zeit vergangen. Natürlich zieht sich das bis heute hinter mir her. Ich habe die Chance bekommen zu zeigen, was für Musik ich mache. Ich glaube allerdings, dass es mittlerweile zu viele dieser Shows gibt. Bei sechs Sendungen ist es schwierig zu unterscheiden, wer wo teilgenommen hat. Es ist ermüdend.

Kommen wir zur Musik in Polen. Welche Musik aus Polen hörst du? Welche konkreten polnischen Künstler kannst du uns empfehlen?

Es geschehen viele tolle Dinge in der polnischen Musikszene, vor allem im Bereich Pop Alternative und elektronischer Musik. Wir fahren zum Beispiel jetzt in die USA mit einer tollen Band mit dem Namen „CAMP“, ein elektronisches Trio, das hauptsächlich elektronische Musik spielt und live singt. Außerdem Julia Marcell, die auf Englisch singt und deren Musik ich zwischen Kate Bush und Tori Amos verorten würde. Weibliche, ein wenig elektronische Klänge. Ich selbst bin bei dem Musiklabel Kayax in Polen. Ich denke überhaupt, dass alles, was eher in den kleineren und unabhängigen Plattenfirmen veröffentlicht wird, die Aufmerksamkeit verdient.

Monika, herzlichen Dank für das interessante Gespräch. Und Wir
wünschen dir noch viel Erfolg bei deiner aktuellen Tour.

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*