Finanzminister und Zentralbankpräsidenten diskutieren in Wrocław (Breslau)

Springbrunnen an der Breslauer Jahrhunderthalle. Foto: Polen.pl (JW)

Ungewohnter Hintergrund beim ARD-Kommentar: Springbrunnen an der Jahrhunderthalle Breslaus

(Berlin, JW) Wrocław (Breslau) kam in den Nachrichtensendungen der vergangenen zwei Tage ‚groß heraus‘. Am Standort Jahrhunderthalle fand ein informelles Treffen der Finanzminister und der Zentralbankpräsidenten Europas statt. Einen Ehrengast gab es auch, und zwar den Finanzminister der USA, Timothy Geithner. Es ist Usus, dass in dem Land, das gerade die EU-Ratspräsidentschaft innehat, auch ein solches informelles Treffen stattfindet. Eingeladen haben zu diesem Treffen der auch unter dem Kürzel ‚ECOFIN‘ (Rat für Wirtschaft und Finanzen) geführten Gruppe der polnische Finanzminister Jacek Rostowski und der Präsident der Polnischen Nationalbank Marek Belka.

Wirtschaft und Geld

In Zeiten der Euro-Krise und Problemen mit der Finanzwirtschaft sind dies natürlich die beherrschenden Themen. Unter anderem steht im Fokus, einen gemeinsamen Blick auf die aktuelle ökonomische Situation zu gewinnen, die Reformen des Finanzsektors in der Europäischen Union voranzutreiben und das Treffen des Internationalen Währungsfonds vorzubereiten. Auch die Treffen der G20-Gruppe werden in diesem Rahmen inhaltlich vorbereitet. Während am Donnerstag und Freitag die Probleme einiger EU-Staaten im Fokus standen, wird am heutigen Samstag insbesondere über die Reform des Finanzsektors gesprochen werden – und die so genannten ‚Stress-Tests‘ der Banken werden Thema sein. Auf den Internetseiten zur polnischen EU-Ratspräsidentschaft pl2011.eu finden sich detailliertere Informationen zu den Tagesordnungspunkten.

Neues Selbstbewusstsein

Die Medien beiderseits der Grenze, in Deutschland wie in Polen, konstatieren ein ’neues Selbstbewusstsein‘. So kommentierte etwa gestern die ARD insbesondere die ‚Widerworte‘ der EU gegenüber dem Vertreter der USA als neu erwachtes ‚eigenes Gedankengut der EU‘. Der US-Finanzminister Geithner hatte vorgeschlagen, noch mehr Geld in die Sicherung des Euro zu stecken. Die EU-Vertreter hingegen favorisieren andere Lösungen, was von vielen Medien in Deutschland als unerwartetes Standvermögen der sonst gegenüber den USA so schwach erscheinenden EU interpretiert wurde.

In Polen hingegen wurde insbesondere das Thema ‚Euro-Rettung‘ in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Dabei ging es weniger im Einzelnen darum, welche Methoden und Maßnahmen dafür genutzt werden sollen, sondern vielmehr um die Frage, wer darüber entscheidet. Die Länder, die den Euro noch nicht eingeführt haben – unter anderem Polen – fürchten, dass sie nun bei der Neujustage der Euro-Währung nicht mitreden dürfen und sich daraus ein Rolle in der zweiten Sitzreihe der EU ergibt. Das artikulierte insbesondere die polnische Vertreterschaft deutlich.

Blinkende Bilder

Ungewohnte Bilder jedenfalls konnten die Zuschauer bei den Übertragungen aus Wrocław sehen. So las man im Hintergrund der Interviews Schriftzüge von ‚Polskieradio‘ und der Kommentator der ARD befand sich vor dem blinkenden Wasserspiel an der Jahrhunderthalle: Während er über die Rollenverteilungen zwischen den Teilnehmern des Treffens sprach, wechselten im Hintergrund die Farben des Springbrunnens so einprägsam, dass sich mancher Zuschauer gestört gefühlt haben dürfte. Vielleicht kein schlechtes Zeichen: Ungewohntes zu sehen, Irritierendes wahrzunehmen und sich darauf basierend Gedanken über Veränderungen zu machen ist sicher nicht das schlechteste Symbol für dieses finanzpolitisch schwergewichtige Treffen im hübsch-beschaulichen Wrocław.

 

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  1. Jochen
  2. Jens

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