Gaspreise in Polen sollen nicht weiter steigen

PGNiG in Warszawa. Quelle: www.pgnig.pl , 2012

PGNiG in Warszawa. Quelle: www.pgnig.pl , 2012

(Warszawa, BD) Der  staatlich kontrollierte Erdgasmonopolist PGNiG gab bekannt, eine Einigung im Streit mit dem russischen Energiegiganten Gazprom erzielt zu haben. PGNiG wird künftig einen herabgesetzten Preis in Höhe von ca. 450 US Dollar für einen Kubikmeter Gas zahlen müssen, was einem Preisnachlass von ca. 10 % entspricht. Eine Koppelung des Preises an Rohölderivate und aktuelle Erdgaspreise (SPOT) sei ebenfalls ein Bestandteil der Zusatzvereinbarung.

Rechtsweg nicht ausgeschlossen?

PGNiG beschritt kürzlich den Rechtsweg vor dem Arbitragegericht in Stockholm und wird jetzt wohl das Verfahren einstellen lassen. Auch Litauen fühlte sich durch Gazprom erheblich benachteiligt und klagte gegen das russische Unternehmen in Stockholm. Auf Litauens Ersuchen prüft ebenfalls die Europäische Kommission die Preisgestaltung von Gazprom in Europa.

Polen bleibt abhängig von Russland

Energiepolitisch bleibt Polen auch künftig von den Rohöl- und Erdgaslieferungen der russischen Giganten abhängig. Der Bau der Nordstreampipeline hat die Verhandlungskraft der polnischen Seite zusätzlich geschwächt.

Aufbau alternativer Energiequellen braucht Zeit

Der Versuch dieser Abhängigkeit zu entgehen wird sicherlich Zeit in Anspruch nehmen. So geht der Bau des Flüssigerdgas-(LNG) Hafens in Świnoujście nur schleppend voran. Dessen Fertigstellung ist aber Voraussetzung dafür, Flüssiggaslieferungen entgegennehmen zu können und somit eine Alternative zu Gazprom aufzubauen. Negativ wirkt sich zusätzlich die Krise in der polnischen Baubranche aus. Insbesondere die Lage des sich im Konkursverfahren befindenden Bauriesen und LNG-Konsorten PBG S.A. wird einer der Gründe für den zweimonatigen Verzug  bei der Fertigstellung des Hafens sein, berichtet forbes.pl .

Schiefergas ist noch Zukunftsmusik

Die Möglichkeit, Schiefergas zu nutzen, bleibt eines der Topthemen der Presse in Polen. Pressemeldungen zufolge soll der Aufbau einer verlässlichen Finanzierung hierfür vorangehen. Die Polnische Regierung beschloss vor kurzem, seine Unterstützung u.a. im Förderprogram  „Blue Gas-Polski Gaz Łupkowy“ zu bündeln (wyborcza.biz) .

Die staatliche Firma PGNiG will zur Jahreswende 2014/2015 bereit sein, erstes Schiefergas zu liefern (forbes.pl). Insgesamt wurden 110 Konzessionen vergeben, unter anderem an Chevron (vollständige Liste hier).

Die ablehnende Haltung einiger europäische Regierungen (bspw. der französischen) gegenüber der Schiefergastechnologie  und deren Unterstützung durch zahlreiche Ökologen wird in Polen wohl kaum Widerhall finden. Zu tief sitzt im Land die Angst, Russland könnte irgendwann die Gaslieferungen gänzlich stoppen, bzw. die Preise kräftig steigen lassen. Momentan scheint es eher, Gazprom wolle im Falle PGNiG nachgeben, um seine Situation im restlichen Europa zu stabilisieren und um nach neuen Argumenten im Streit mit der EU zu suchen.

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