Gastbeitrag: Eine Woche mit dem Hausboot unterwegs auf den Masurischen Seen

Hausboot Weekend. Quelle: Welcome2Poland.com

Mit diesem Hausboot-Typ auf Tour. Foto: Welcome2Poland.com

(Berlin, JW) Wir freuen uns sehr, heute einen Gastbeitrag von  Eva und Klaus W. aus Baden-Württemberg vorstellen zu dürfen. Das Ehepaar war eine Woche lang mit einem Hausboot auf der masurischen Seenplatte unterwegs. Wie es dazu kam und wie es dort war: Das ist Thema des Reiseberichtes. Viel Spaß!

Am Anfang stand eine TV-Reportage

Angefangen hat alles mit einer Reportage im Fernsehen über Hausboot-Urlaube in verschiedenen Ländern (Frankreich, Irland, Mecklenburger Seenplatte). Nach einigen Recherchen im Internet bezüglich eines derartigen Unternehmens haben wir anlässlich einer Reisebuchung in unsere geliebten masurische Seenplatte (fahren seit 2007 mindestens zweimal im Jahr dorthin) Herrn Fichtner von welcome2poland von unseren Plänen erzählt. Dieser teilte uns mit, dass er seit kurzem auch mit einem Hausboot-Vermieter zusammenarbeitet und somit der Erfüllung unseres Wunsches nichts im Wege steht.

So machten wir uns am 17. Juli zusammen mit einem befreundeten Ehepaar auf den Weg von Gerstetten nach Wegorzewo (Deutsch: Angerburg) von wo aus unser Hausboot-Abenteuer beginnen sollte. Natürlich fährt man diese Strecke (1.021 km von Haus zu Haus) nicht an einem Tag, zumal in Polen die Straßen sehr überlastet sind, da sich der gesamte Verkehr, insbesondere der Lkw-Verkehr auf den Land- und den gelegentlich vorhandenen, aber mittlerweile sehr gut ausgebauten Bundesstraßen abspielt. Unsere Etappe ging bis kurz nach der polnischen Grenze. Dort haben wir in einem sehr sauberen und preisgünstigen Hotel übernachtet, um dann am 18. Juli frisch gestärkt weiterzufahren, Wir waren dann gegen 20.00 Uhr abends in Wegorzewo, wo wir schon von einem Mitarbeiter der Verleihfirma erwartet wurden. Dieser zeigte uns das Boot, ein Hausboot des Typs Weekend 820, und unser Eindruck war schon mal sehr positiv. Da es für eine Einweisung schon zu spät war, haben wir nur unser Gepäck an Bord verstaut und dann in dem kleinen Restaurant beziehungsweise Imbiss noch etwas gegessen und getrunken. Auch dies war schon sehr schön, da man sofort integriert wurde und jeder wissen wollte, woher wir aus Deutschland kämen, warum wir ausgerechnet auf den Masurischen Seen unseren Urlaub verbringen wollen. Die Verständigung mit den Einheimischen klappte ganz gut, da viele – gerade die jungen Leute – Englisch sprechen, einige sogar Deutsch, so dass es insgesamt ein sehr lustiger Abend geworden war.

Am nächsten Tag bekamen wir dann nach dem Frühstück unsere Einweisung in das Boot. Der Mitarbeiter der Firma war ein sehr, sehr netter und lustiger Mann, der sehr gut Deutsch sprach und uns alles genau erklärte. Dann haben wir zusammen mit ihm im Hafenbecken ein paar Runden gedreht und er zeigte uns auch die Tücken des Anlegens.

Hierzu sollte man wirklich – wenn man gar keine Ahnung hat und noch nie mit einem solchen Fahrzeug unterwegs war – zu viert sein, denn gerade wenn es etwas windig ist, sind solche Anlegemanöver schon eine Herausforderung.

Einzigartiger weiter Himmel

Noch ein paar Bemerkungen zu unserem Boot: Es war sehr zweckmäßig und praktisch ausgestattet und für vier Personen war es ausreichend. Natürlich hatten wir viel zuviel Gepäck dabei, was sowohl Kleidung als auch Nahrungsmittel betraf. An Bord hatten wir sowieso nur Badesachen und höchstens ein T-Shirt an, mehr braucht es auch gar nicht, wenn man – wie wir – so ein Glück mit dem Wetter hat. Und von unseren Nahrungsmitteln haben wir nicht einmal die Hälfte gebraucht, denn man kocht nicht wirklich (wir haben es einmal gemacht und dabei unsere sämtliche Sünden abgebüsst, da es eben draußen schon sehr heiß war und es unter Deck diese Wärme durch das Kochen dann fast unerträglich war). Zudem legt man ja jeden Abend in einem Hafen an und die Preise in den Restaurants sind für unsere Verhältnisse sehr moderat, so dass das Kochen an Bord keine Alternative ist. Zumal es ja trotz allem ein bisschen umständlich ist und aufgrund der Enge auch keinen Spaß macht.

Dann ging es endlich los. Bei traumhaftem Wetter verließen wir den Hafen von Wegorzewo immer den Bojen nach, die die Fahrrinne markieren. Es war herrlich, die das glitzernde Wasser, der einzigartig weite Himmel, den es nur dort gibt.

Und dann diese Seenlandschaft mit den vielen Abstufungen von Grün- und Blautönen. Einfach nur herrlich! Sobald es uns zu warm wurde, haben wir den Anker geschmissen und sind ins Wasser gesprungen. Weiter ging es durch den Talty-See nach Gizycko (Deutsch: Lötzen). Der Talty-See ist ein typischer Rinnensee und bis zu 42 m tief. Nach einiger Zeit geht der Kanal Talcki rechts ab.

Apropos Kanäle: Während man auf den Seen kaum von oder eigentlich gar nicht mit Mücken, Bremsen, Wesen und anderem Getier zu kämpfen hat, hat man in den Kanälen etwas mehr von diesem Getier: Bremsen und Wespen gehören eben zur Natur. Daher ist es ratsam, Mücken- und Insektenschutzmittel in ausreichender Menge mit an Bord zu haben beziehungsweise auch eine Fliegenklatsche oder Zeitung, um sich auch schlagkräftig zur Wehr setzen zu können. Vor allem der Bootsführer sollte sich schützen, damit er nicht mit einem anderen Boot zusammenstößt, während er versucht, sich vor diesen Plagegeistern zu schützen.

Unsere ‚Nelli‘ wuchs uns schnell ans Herz

Über den Kanal, der nach Gizycko führt, ist eine Straßendrehbrücke, die nur zu bestimmen Zeiten offen hat. Wir hatten Glück, es war gerade offen, denn sonst hätten wir einige Stunden warten müssen beziehungsweise gar nicht in den Hafen einfahren können. Im Hafen angekommen, wird uns vom Hafenmeister ein Platz zugewiesen. Es sind nur wenige Motorboote im Hafen, zu 98 Prozent sind es Segelboote in allen Größen. Aber es war außer unserer „Nelli“ (dies war der Name unseres Bootes) noch ein weiteres Boot von der gleichen Verleihfirma da. Da gab es gleich ein großes Hallo und man hat sich ausgetauscht über die Vor- und Nachteile des Bootes, wie weit man fahren will und vieles mehr.

Im Hafen war richtig was los. Wir waren gleich mitten drin in dem Trubel. Nachdem wir geduscht hatten, gingen wir los und suchten uns ein Gasthaus, wo wir zu Abend essen wollten.

Preiswert und lecker essen in den Häfen

Grundsätzlich gibt es in jedem Hafen sehr viele und sehr schöne und – für unsere Verhältnisse – sehr preisgünstige Restaurants (ca. die Hälfte von deutschen Preisen).

Auch die Liegegebühren sind sehr niedrig, im Schnitt bezahlt man für eine Nacht 20 Zloty (= ca. 5,00 Euro).

Zurück auf unserem Boot ließen wir den Abend mit ein paar Dosen „Lech“ ausklingen. Natürlich ist in den Häfen auch am Abend bis spät in die Nacht sehr viel Betrieb und Party, da ja ganz viele junge Leute mit den Segelbooten unterwegs sind und ihre Ferien auf dem Wasser verbringen. Aber es auch dies war sehr schön und wir haben es nicht als Ruhestörung oder „Urlaubsmangel“ empfunden. Ganz im Gegenteil, hatte es fast ein bisschen was Romantisches, wenn sie irgendwann mitten in der Nacht anfingen, masurische Volkslieder zu singen.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Mikolajki (Deutsch: Nikolaiken). Wieder durch die wunderschöne Seenlandschaft und über uns der einzigartige Himmel, denn es wie gesagt nur dort gibt.

In Mikolajki gibt es fast schon „richtigen“ Tourismus mit vielen Andenkenläden und –ständen, zahlreichen Restaurants, Pubs, Cafés, Bars sowie den „üblichen“ Freizeitaktivitäten wie Rasenschach, Spielautomaten und Kickern. Aber trotz allem hat dieser Ort noch etwas Gemütliches und es macht Spaß, die Hafenpromenade entlang zu schlendern oder sich in ein Café zu setzen und dem Trubel zuzuschauen.

Wir mussten auch noch tanken, das war gar nicht so einfach, da es an diesem Tag etwas windig war und wir mehrere Anläufe benötigten, bis wir das Boot in „Tankposition“ gebracht hatten.

Dann ging es weiter nach Luknajno. Dort ist eine kleine Bucht mit einem Steg, wo man anlegen kann. Dann führt ein kleiner hoch zum Gasthaus „Luknajno“. Dort kann man hervorragend essen und es ist einfach wunderschön dort. Nicht zu vergessen, die äußerst freundliche Bewirtung! Wir waren schon des Öfteren dort und fahren auch immer wieder hin, wenn wir in der Gegend sind.

Außerdem sind dort zwei Aussichtstürme, von wo aus man die Vögel und Schwäne wunderbar beobachten kann. Gerade im Schilf brüten viele Wasservögel. Gleichzeitig sind die Seen auch das Jagdrevier zahlreicher Greifvögel wie zum Beispiel dem Seeadler.

Wir sind in Luknajno über Nacht geblieben, weil wir uns das dortige Frühstück auch nicht entgehen lassen wollten. „Wild anzulegen“ bedeutet aber immer auch, den Kampf mit den Mücken und Bremsen aufzunehmen, von denen man in den Häfen komplett verschont bleibt. Zumindest war das zu unserer Reisezeit abseits der Zivilisation so.

Am nächsten Tag machten wir uns nach dem opulenten Frühstück wieder auf den Weg Richtung Ruciane-Nida (Deutsch: Rudczanny-Nieden). Da hatten wir uns viel vorgenommen, denn auf dem Weg dorthin, muss man kurz vor Ruciane-Nida eine Schleuse passieren, von der in unserem „Reiseführer“ hieß, dass man hierfür schon etwas Mut braucht und es dort drin an manchen Tagen zugeht wie in einem Hexenkessel. Nach einigen Stunden Fahrt und mehreren „Bade- und Schwimmpausen“ kamen wir an der Schleuse an und war tatsächlich so, wie in diesem Buch geschildert: Boote über Boote, überwiegend alles Segelboote, ich glaube, wir waren die Einzigen, die mit einem Motorboot unterwegs waren und hatten da auch ein bisschen einfacher: Wir mussten uns  zumindest nicht um unseren Mast kümmern, aber dafür um die Masten zahlreicher Segelboote. Das Ganze war dann so, dass man mit einer Hand die Stange in der Hand hielt, um das Boot am Touchieren mit der Schleusenmauer zu hindern und mit der Hand hielt man einen Segelmasten des vor uns fahrenden respektive stehenden Segelbootes davon ab, hin- und herzuschwenken. Theoretisch hätte man noch eine dritte Hand gebraucht, um nach der Flasche Wodka greifen zu können, die in der Schleuse in die Runde machte. Trotz des Durcheinanders war es einmaliges Erlebnis und man kam sich vor wie eine große Familie. Nachdem der Schleusenwärter mit seinem „Nusspflücker“ den Obolus für die Schleusennutzung eingesammelt hatte, durften wir alle aus der Schleuse ausfahren. Das war erst einmal auch gar nicht so einfach, bis jeder wieder seinen Platz auf dem Wasser gefunden hatte.

Dann legten wir in Ruciane-Nida an und erledigten die „Formalitäten“ mit dem Hafenmeister, um uns anschließend eine Dusche zu gönnen.

Gute Ausstattung der Häfen

Auch das muss gesagt werden: In jedem Hafen gibt es natürlich ausreichend Duschen sowie Gelegenheiten, die Bordtoilette zu entsorgen. Auch kann man, dort seine Wäsche waschen und trocknen. Und dies alles zu mehr als günstigen Preisen (Duschen kostet z. B. zwischen 5 und 7 Zloty, also nicht einmal 2 Euro).

Auch kann man in Ruciane-Nida sehen, dass auch hier der Tourismus schon Einzug gehalten hat. So gibt es auch hier zahlreiche Andenkenläden und viele verschiedene Restaurants. Aber es ist nicht überlaufen, sodass die man in Ruhe in den Läden stöbern und auch in den Restaurants alles frisch zubereitet wird (kein Fast Food) und das jeweilige Personal stets freundlich und zuvorkommend ist.

In Ruciane-Nida hatten wir dann auch ein sehr schönes Restaurant entdeckt, wo es hervorragende Fischgerichte gab. Den Abend ließen wir wie üblich auf unserer „Nelli“ ausklingen. Da auch dort wieder sehr viele junge Leute waren, wurde natürlich bis spät in die Nacht gefeiert und gesungen. Aber wie gesagt, dies hat uns nicht großartig gestört, ganz im Gegenteil.

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück wieder zurück. Da wir früh dran waren, war auch in der Schleuse nichts los, so dass wir diese fast alleine für uns hatten. Jetzt ging es wieder zurück Richtung Wegorzewo. Das Wetter war immer noch so schön wie am ersten Tag (meist um 35°C Außentemperatur und Seen waren auch bis zu 29 °C warm).

An diesem Abend legten wir in einer kleinen Bucht an und nahmen wieder den Kampf mit den Mücken und Bremsen auf. Am Ufer hatten einige ein großes Feuer angezündet, um das Getier ein bisschen in Schach zu halten. Das ging aber nur solange gut, solange die Lagerfeuer brannten. Wir haben einen wunderschönen und lustigen Abend mit anderen deutschen Touristen, aber auch polnischen Freizeitkapitänen verbracht. Wie gesagt, mit ein bisschen guten Willen von beiden Seiten, ist das mit Verständigung gar kein Problem.

In dieser Bucht haben wir auch einen der schönsten Sonnenuntergänge während unserer einwöchigen Hausboot-Tour gesehen: Die Sonne versank richtiggehend im Wasser und hinterließ noch ein minutenlanges Glitzern, bis dann ganz dunkel wurde beziehungsweise die Feuer am Ufer die Nacht erhellten.

Am nächsten Morgen war vor dem Frühstück erst einmal Schwimmen angesagt, da es in dieser Bucht das Wasser förmlich dazu einlud. Nach dem Frühstück fuhren wir dann weiter in Richtung unseres Heimathafens, wobei wir noch einmal eine Nacht in Gizycko verbrachten. Dort war in der Nacht ein furchtbares Gewitter, da konnte man schon ein bisschen Angst kriegen. Auch am nächsten Morgen war noch nicht alles vorbei, sodass wir auf dem Weg nach Wegorzewo richtig „Seegang“ hatten.

Bewundernde Blicke

In Wegorzewo angekommen, waren wir dann richtig froh, denn wir wurden wie gesagt, richtig durchgeschüttelt. Der Mitarbeiter der Verleihfirma war auch anwesend. Dieser hat uns richtig bewundert, weil wir den ganzen Weg von Wegorzewo bis nach Ruciane-Nida geschafft hatten und auch die Schleuse „überlebt“ hatten. Die letzte Nacht verbrachten wir dann noch im Hafen, wo wir wieder einen sehr lustigen Abend hatten. Gleichzeitig war aber auch im Ort ein Musikfestival. Auf dem Marktplatz waren mehrere Bühnen aufgebaut und es traten viele verschiedene Bands aller Musikrichtungen auf. Das Festival ging bis zum frühen Morgen, so dass an Schlaf nicht zu denken war. Aber es wir haben es trotzdem richtig genossen. Das lag auch daran, dass man uns sofort „mitmachen“ ließ. Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Polen ist einfach einzigartig, dies ist einer der Gründe, warum wir dieses Land lieben gelernt haben und uns jedes Jahr aufs Neue freuen, dort wieder einige Wochen verbringen zu können.

Aber unsere Woche auf den Masurischen Seen wird uns unvergesslich bleiben und wer weiß – vielleicht machen wir es irgendwann noch einmal.

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