Gedenken am Jahrestag der Smolensker Flugzeugkatastrophe

Gedenkmarsch zum Präsidentenpalast

Gedenkmarsch zum Präsidentenpalast

(Warszawa, AF) Am Mittwoch, den 10. April, jährte sich zum dritten Mal die Flugzeugkatastrophe von Smolensk, bei der der damalige polnische Präsident Lech Kaczyński und 95 weitere Personen ums Leben kamen; unsere Partnerseite polen-heute.de berichtete darüber. Die Debatte, ob es sich dabei um einen tragischen Unfall oder ein gezieltes Attentat handelte, ist auch nach drei Jahren noch brandaktuell: Für den Jahrestag waren in Warschau sieben Demonstrationen angemeldet, die die Autorin beobachtete und von denen sie nachfolgend berichtet.

Menschenmassen vor dem Präsidentenpalast

Auf der Krakowskie Przedmieście (Krakauer-Vorstadt-Straße) vor dem Präsidentenpalast versammelten

Grabkerzen vor dem Präsidentenpalast

Grabkerzen vor dem Präsidentenpalast

sich während des ganzen Tages mehr als tausend Polinnen und Polen, um der Opfer zu gedenken. Die Menschen drängten scharenweise zum Präsidentenpalast, vor dem eine Fläche abgesperrt worden war, auf der Sicherheitskräfte Grabkerzen entgegen nahmen und in Form eines Kreuzes auf dem Boden aufstellten. Dem Präsidentenpalast direkt gegenüber befand sich eine Bühne, von der gesungene und von einer Kapelle begleitete Trauermusik ertönte. Auf den Hintergrund wurde ein Bild Lech Kaczyńskis mit seiner ebenfalls beim Unglück umgekommenen Ehefrau an die Wand projiziert.

Protestbekundungen

Protestbanner im Umzug "Tusk und Komorowski vor Gericht"

Protestbanner im Umzug „Tusk und Komorowski vor Gericht“

Die meisten Demonstranten – Anhänger der Oppositiospartei „Recht und Gerechtigkeit“, PiS – trugen eine polnische Flagge bei sich, viele hatten sich einen Aufkleber mit polnischer Flagge und dem Zeichen des Warschauer Aufstandes (PW für Polska Walcząca, Kämpfendes Polen) auf die Brust geklebt. Zahlreiche Protestierende hielten Banner in die Luft, auf denen Parolen gegen die amtierende Regierung und den Staatspräsidenten zu lesen waren: „Es war ein Attentat“, „Weg mit der totalitär-mafiösen Regierung Tusks, die die fünfte Teilung Polens vollführte! Tusk und Komorowski vor Gericht!“, „Herr Tusk, für die skandalöse Smolensk-Untersuchung hätte ein Ehrenmann sich in den Kopf geschossen! Es genügt Ihr Rücktritt gemeinsam mit der PO-Regierung (Anm. AF: Regierungspartei Platforma Obywatelska, PO, Bürgerplattform). Komorowski – dieser Appell geht über Sie hinaus, weil Sie die Ehrenhaftigkeit verloren haben wegen: der Entfernung des Kreuzes, des Denkmals für die Bolschewiken, Jaruzelski im Palast und der Kooperation mit den kommunistischen Gespenstern.“ Andere beschränkten sich auf Banner, die Aufschluss über die Herkunft der eigens anlässlich des Jahrestages angereisten Demonstranten gaben. So manch einer nutzte den Jahrestag auch kommerziell, indem er Polenflaggen oder Kaczyński-Anstecknadeln verkaufte.

Gedenkveranstaltung mit Musik

Bühne gegenüber dem Präsidentenpalast als Abschlussort des Gedenkmarsches

Gedenkmarsch

Gegen 15 Uhr erreichten die vom Plac Trzech Krzyży (Drei-Kreuze-Platz) gestarteten Teilnehmer eines der Gedenkmärsche den Präsidentenpalast. Jeder von ihnen trug ein Plakat mit dem Bild eines Opfers. Auch sie führten Banner mit radikalen Parolen mit sich: „Es war kein Attentat, sondern eine Exekution“ und „Verbrecher! Für dieses Verbrechen an den Galgen“.

Kommentar

Wie lange werden die Vorwürfe gegen Russland, es habe den Flugzeugabsturz geplant, und die eigene Regierung aufgrund angeblicher Mitwisserschaft noch anhalten? Und wird Jarosław Kaczyński von seiner Anschlagstheorie politisch profitieren? Wohl kaum. Eine Präsidentschaftswahl kann durch bloße Anschuldigungen – zumal diese widerlegt wurden – nicht gewonnen werden. Wie die Gazeta Wyborcza am 12. April in ihrer Printausgabe schreibt, nahmen dieses Jahr wesentlich weniger Menschen an den Protesten am Jahrestag teil, als noch im Jahr zuvor. Ministerpräsident Tusk und Staatspräsident Komorowski werden sich folglich kaum von der radikalen PiS-Propaganda stören lassen. Bleibt abzuwarten, welche Taktik Kaczyński als nächstes verfolgt. Bis 2015 hat er noch ein wenig Zeit.

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