Gedenkstätten-Internetadressen in falschen Händen

Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Foto: Polen.pl (MH)

Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Foto: Polen.pl (MH)

(Berlin, MH) Der Kulturminister Bogdan Zdrojewski hat mit einem unprofessionellen Vorgehen in Bezug auf die Vernichtungslager-Gedenkstätten für Verärgerung gesorgt. Sein Anliegen ist durchaus nachvollziehbar und kaum umstritten, nur die Umsetzung ist unglücklich gelaufen. Es geht dabei um die Außenwirkung der Internetadressen einiger Gedenkstätten. Darüber berichtete die Tageszeitung Gazeta Wyborcza.

‚.pl‘ ist nicht mehr erwünscht

Die Gedenkstätten für die ehemaligen Vernichtungslager nutzen heute Internetadressen mit der Endung ‚.pl‘ für Polen. Dies möchte Zdrojewski ändern, um zukünftig Fehlinterpretationen wie die des Wall-Street-Journals zu vermeiden: Diese Zeitung hatte von ‚polnischen Vernichtungslagern‘ geschrieben. Dieser Fehler unterlief auch bereits der Times. Ebenso leistete sich die deutschsprachige Welt im Jahr 2008 diesen Fauxpas.

Anliegen Zdrojewskis ist, diese Internetadressen auf andere Endungen, so genannte Top-Level-Domains, umzustellen. Zum Beispiel würden seiner Meinung nach die Top-Level-Domain ‚.eu‘ oder ‚.org‘ für die Gedenkstätten der ehemaligen Vernichtungslager geeignet sein. Dies teilte der Minister einzelnen Gedenkstätten zunächst in Gesprächen und anschließend in einem Schreiben mit. Parallel zum Versand der Schreiben erging auch eine Mitteilung an die Presse. Dies geschah ohne ausreichenden Abstand zu den Schreiben, so dass noch nicht alle Internetadressen mit den geplanten neuen Top-Level-Domains reserviert oder von den Gedenkstätten übernommen werden konnten.

Gedenkstätten konnten Domains nicht rechtzeitig sichern

Die Gedenkstätten Auschwitz, Stutthoff und Majdanek konnten aufgrund der vorschnellen Information der Presse die neuen Internetadressen nicht rechtzeitig reservieren oder erwerben.

Einige Leser, die aus der Presse von der neuen Anordnung des Ministeriums erfahren hatten, ließen schnell die entsprechenden Internetadressen auf ihren Namen eintragen. Manche Adressen befanden auch bereits vorher in anderen Händen.

So wird es nun zu einem längeren juristischen Tauziehen zwischen den Domaininhabern und den Gedenkstätten kommen. Die Gerichtsverfahren werden aufgrund der Gerichtsbarkeiten außerhalb Polens sicher nicht schnell und unkompliziert ablaufen; sicher ist auch nicht, ob die Gedenkstätten überhaupt einen Anspruch auf die Internetdomains haben. Alternativ könnten die Adressen für voraussichtlich viel Geld zurückgekauft oder angekauft werden.

Man wartet nun darauf, wie die weiteren Weisungen des Ministeriums in dieser Sache aussehen werden. Vielleicht wird die Anordnung auch noch etwas abgeschwächt. Gründe dafür gäbe es: So meint beispielsweise Pawel Sawicki von der Gedenkstätte Auschwitz, dass er kein Problem in der Verwendung der ‚.pl‘-Adresse sieht. Die Besucher der Internetseiten der Gedenkstätten seien ausreichend gebildet und informiert, dass Fehltritte wie das Berichten von ‚polnischen Vernichtungslagern‘ wohl nicht so schnell wieder vorkämen.

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  1. Jens

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