Gleichgeschlechtliche Partnerschaften in Polen warten auf Anerkennung

Ein glückliches Kind umarmt von zwei Müttern – diese Vorstellung passt nicht allen.

(Hamburg, JE) Manchmal reicht schon ein harmloses Zeitschriftencover aus, um große Emotionen hervorzurufen. Während man sich in Deutschland über einen inkontinenten Papst auf dem Titelblatt der Titanic entweder leicht amüsierte oder kurz empörte, sorgte in Polen ein im Bett liegendes lesbisches Paar mit Kind auf dem Cover der Newsweek für Diskussionen – zumindest in bestimmten Kreisen. Für den Großteil der polnischen Gesellschaft stellt offen gelebte Homosexualität inzwischen wohl keinen Skandal mehr da, auch wenn Meinungsumfragen zufolge eine Mehrheit der Polen gegen die rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ist. Denn darum geht es nüchtern betrachtet bei der ganzen Sache. Doch, wo das böse Wort „Homopropaganda“ die Runde macht und von „politischer Emigration“ gesprochen wird, da prallen eben auch unterschiedliche Wertevorstellungen aufeinander.

Die anderen Eltern

Die Titelgeschichte der Newsweek war eigentlich keine gezielte Provokation, sondern viel mehr der Versuch eines Einblicks in die Situation homosexueller Paare mit Kindern in Polen. Doch natürlich gab es auch eine Botschaft: Gleichgeschlechtliche Paare sollten genauso ein Recht auf ‚echtes Familienglück‘ haben. Einige Kirchenvertreter und konservative Feuilletonisten werteten das Titelblatt allerdings als Werbung für eine für sie aus religiösen oder wie auch immer gelagerten Gründen nicht akzeptable Form des Zusammenlebens („Homopropaganda“) und empörten sich öffentlich. Viele homosexuelle Paare beschrieben gleichzeitig in der Gazeta Wyborcza ihre Schwierigkeit, in Polen normal zu leben, geschweige denn, als Eltern anerkannt zu werden. Darüber hinaus wurde immer wieder die Emigration ins liberalere Ausland („politische Emigration“) thematisiert, zu der sich nicht wenige ‚Betroffene‘ offenbar gedrängt fühlen.

Nirgends registriert

Das Titelbild stieß denjenigen sauer auf, die durch öffentliches Leben gleichgeschlechtlicher Liebe eine Erosion traditioneller Familienwerte befürchten und die daher den rechtlichen Status Quo keinesfalls verändern möchten. Denn in Polen gibt es bisher keine Möglichkeit, eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft behördlich registrieren zu lassen beziehungsweise gar einen Partner desselben Geschlechts zu heiraten (Das in Deutschland bekannte Modell „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ existiert generell – also auch für heterosexuelle Paare – nicht). Daraus ergeben sich für homosexuelle Paare im Alltag zahlreiche Nachteile im Vergleich zu (heterosexuellen) Ehepaaren, wie der Artikel der Newsweek demonstriert. Bei Paaren mit Kindern dreht es sich vor allem um Fragen der elterlichen Vertretung oder auch, nach einer möglichen Trennung, des Sorgerechts.

Ehe unter Schutz

Im polnischen Sejm hatte sich zuletzt die sogenannte Gesetzgebungskommission (komisja ustawodawcza) mit den Stimmen der PO, PSL und PiS gegen ein entsprechendes Gesetzesprojekt von SLD und Ruch Palikota ausgesprochen. Die Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften würde gegen Art. 18 der polnischen Verfassung, das Gebot des Schutzes der Ehe als Verbindung von Mann und Frau, verstoßen, so ihre Begründung. Auch wenn das Urteil formal nicht bindend ist, stehen die Chancen für eine erfolgreiche Gesetzesinitiative derzeit ziemlich schlecht, schreibt die Gazeta Wyborcza. In der Regierungspartei PO ringen Liberale und Konservative miteinander um eine gemeinsame Position, was liberalisierende Reformen generell (siehe Dauerthema ‚In-Vitro‘) blockiert. Und mit der Entscheidung der Kommission habe Sejm-Marschall Ewa Kopacz (PO), die letztlich darüber entscheiden kann, ob ein Gesetz zur Abstimmung im Parlament gelangt, eine „bequeme Ausrede“ erhalten, um das Thema erst einmal wieder „unter den Teppich zu kehren“, ergänzt Witold Mrozek auf der Internetseite krytykapolityczna.pl.

 

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