Handel mit Nazi-Symbolen in Polen

Foto zweier Bücher zum Thema Nationalsozialismus

Haben Nazi-Symbole Informationscharakter?

(Warschau, BD) – Kommentar – Es ist erstaunlich, wie gegensätzlich die Entwicklungen in Bezug auf den Umgang mit der Vergangenheit heute sind. Einerseits sprachen die Präsidenten Wulff und Komorowski  am Dienstag in Warschau über ein wichtiges Jubiläum: 40 Jahre nach dem so genannten Kniefall von Willy Brandt am Denkmal des Warschauer Ghettos. Also eine Geste für den reflektierten und offenen Umgang mit der Geschichte.

Andererseits: Fast gleichzeitig geht das größte polnische Online-Auktionsportal Allegro.pl vor Gericht, um seinen guten Namen zu schützen. So heißt es in einer Pressemitteilung. Angegriffen werden von dem Auktionsportal die Stiftung Zielone Swiatlo (Grünes Licht) und Jerzy Masłowski von der Performergruppe ‚Zawleczka‘. Das schreibt wyborcza.pl.

Es geht um Nazi-Symbol-Auktionen

Mehrheitsaktionär Naspers, ein Medienkonzern aus Südafrika, betreibt über seine GmbH namens QXL Poland Sp. z o.o. aus Poznan, Allegro.Pl. Die Internetseite ist das meistbesuchte Auktionsportal in Polen, das weit mehr Nutzer als Ebay in Polen hat. Auf dieser Plattform wird so alles gehandelt, was sich an neuen und gebrauchten Artikeln handeln lässt. Und darunter sind auch strittige Produkte mit nationalsozialistischem Symbolcharakter.

Bereits in 2009 startete die Anti-Nazi Gruppe GAN sowie die Vereinigung ‚Nigdy Wiecej‘ (übersetzt etwa: Nie wieder) eine Bürgeraktion mit dem Titel ‚Nie wieder Nationalsozialismus auf Allegro‘. Allegro reagierte damals nicht auf die Petitionen dieser Gruppen und unternahm nichts gegen den Handel mit Nazi-Symbolen. Das zumindest sehen die Gegner so.

Die Aktivisten, die sich gegen den Handel mit Nazi-Symbolen auf der Plattform richten, fordern von dieser das Löschen solcher Angebote. Um dies zu erreichen, greifen sie auch zu medialen und radikalen Mitteln. Beispielsweise wurde das Logo der Online-Plattform durch optische Veränderung in die nationalsozialistische Nähe gerückt. Wir möchten das verfremdete Logo hier nicht zeigen, da darum noch ein Rechtsstreit läuft. Jerzy Maslowski von ‚Zawleczka‘, dessen Gruppe das Logo des Online-Auktionshauses verfremdete, war bisher nicht bereit, sich für diese umstrittene Kampagne in den Medien zu entschuldigen.

Obwohl der Handel mit Nazi Symbolen seit einigen Monaten auch in Polen als gesetzeswidrig gilt, dulde Allegro den Handel bewusst weiter. Das jedenfalls behaupten die Gegner dieses Handels. Der Pressesprecher des Allegro-Portals, Tryzubiak, hält dagegen, dass die Adressaten der betroffenen Auktionen geschichtsinteressierte Polen sind, die diese Gegenstände für Rekonstruktionen benötigen, die nichts mit der Nazi-Verherrlichung zu tun haben sollen.

Ein Gericht wird jetzt entscheiden müssen, wessen Rechte eher eines Schutzes bedürfen.

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