Hauptbahnhof in Warschau endlich barrierefrei?

Ticketautomat  am Dworzec Centralny in Warschau. Photo: Polen.pl (BD)

Neue Ticketautomaten am Dworzec Centralny (Hbf) in Warschau.

(Warszawa, BD) Manchmal ist die Hoffnung größer als die Möglichkeiten der Realität es sind: So einen Fall haben wir in Bezug auf die erst einmal – vor dem Hintergrund großer Politik – nebensächlich erscheinende Frage der Barrierefreiheit des Warschauer Hauptbahnhofs. Wir also haben vor rund acht Monaten gehofft, unser Artikel aus dem Mai 2011 (Barrierefreie Fahrt ins Fussballstadion bleibt fraglich) würde kurz vor dem Beginn der EM 2012  als ‚veraltet‘ und ‚historisch‘ eingestuft werden können. Leider ist der Artikel nach wie vor aktuell.

Positive Tendenzen mit Ausnahme: Am Hauptbahnhof der Hauptstadt

Es sollte schon stutzig machen: An vielen Stellen haben polnische Behörden bewiesen, dass sie den Abbau von Barrieren für Menschen mit körperlichen Behinderung ernst nehmen. So wurden bei Neuanschaffungen etwa von Bussen, Zügen oder Strassenbahnwaggons höhere Investitionen getätigt, um auf unnötige Treppen verzichten zu können und ebenerdige Einstiege zu schaffen. Nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Eltern mit Kindern oder Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, profitieren davon. Ein Unfall in der Warschauer Metro, bei dem ein Sehbehinderter zu Schaden kam, bewegte die Behörden zur schnellen Einigung: Es wurde ausgesprochen zügig Abhilfe geschaffen. Die Installation von einheitlichen Metallknopf-Markierung an den Bahnsteigen der U-Bahn und der Stadtbahn (SKM) wird sichtbar schnell vorangetrieben.

‚Dworzec Centralny‘ in Warschau wird nur halb renoviert

Der Hauptbahnhof Warschaus (Dworzec Centralny) hingegen wurde vergessen. So scheint es zumindest. Gerade angesichts der Unsicherheit bezüglich der Fertigstellung der Autobahnverbindung  zwischen Berlin und Warschau, die trotz aller Bemühungen seitens der polnischen Regierung noch herrscht, dürfte die Rolle der Eisenbahnverbindung nach Warschau an Bedeutung gewinnen. Und damit auch der Hauptbahnhof. Alle Bahngäste zum Beispiel aus Deutschland werden – nicht nur, aber auch zur EM 2012 – hier eintreffen und dann zur Station ‚Stadion Narodowy‘ (Station Nationalstadion) weiterfahren; vom Hauptbahnhof zum Stadion sind es nur fünf Minuten Fahrt. Trotzdem wird der Hauptbahnhof auch nach dem großen Umbau nicht barrierefrei sein, was die Menschen nicht nur in Warschau sehr verwundert.

Der aus Gierek-Zeiten stammende von außen sehr schlicht gestaltete Hauptbahnhof befindet sich zu einem großen Teil unter der Erde. Und die zurzeit laufenden Renovierungen für mehrere Millionen Zloty haben bisher auch gute Ergebnisse gezeigt: Selbst Skeptiker lobten die Veränderungen. Die neuen weiten, hellen Wandflächen wirken erfrischend, zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte einladend. Das war nicht immer so, früher glich der unterirdische Bahnhof einer dunklen Parallelwelt mit kleinen ‚Butzen‘ als Läden und oft wenig überzeugender Sauberkeit. Auch die langen Wartezeiten an den Kassen versucht man auf zwei Wegen zu verringern: Privat betriebene Ticketverkaufstellen kamen hinzu, neue Ticketautomaten werden laufend installiert. Eine Kreditkarten oder Geldkartennutzung an den Automaten ist nun möglich; das mühselige Kleingeldzählen entfällt.

In Sachen Barrierefreiheit wurde auch an die Knopf-Markierungen als Hilfe für Sehbehinderte gedacht. Doch die polnische Bahngesellschaft PKP überraschte – negativ – mit der Ankündigung, dass es auch nach abgeschlossener Renovierung keine Aufzüge von den Bahnsteigen geben werde. Unter anderem berichtete gazeta.pl, dass die existierenden Aufzüge weiterhin nur für den Gütertransport bestimmt seien. Die Nutzung dieser Aufzüge für Reisende mit Behinderung zwar im Ausnahmefall möglich, jedoch nur mit der Hilfe eines Assistenten der PKP. Dieser Assistent müsse 48 Stunden vor dem Bedarf telefonisch bei den polnischen Eisenbahnen (PKP) vorbestellt werden muss. Die PKP ergänzte, dass Rollstuhlfahrer wie bisher die rollenden Flachplattformen benutzen sollen. Barrierefreiheit sieht anders aus.

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  1. Bartek

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