Heiraten? Warum eigentlich…?

Bewusst für Kleinkinder bauen. Hier ein Aufzug für Eltern in Warschau, Photo: Polen.pl (BD)

Bewusst für Kleinkinder bauen: Hier ein Aufzug für Eltern und Behinderte in Warschau

(Warszawa, BD) Heiraten? Warum eigentlich? Diese Frage könnte man sich nach der Lektüre der Tagespresse vom vergangenen Freitag stellen, die sich mit den neuesten Daten des polnischen Hauptamtes für Statistik GUS auseinandersetzen. Diese Analysen beschäftigen sich unter anderem mit der Geburtenrate, den Entwicklungen der Ehen und weiteren gesellschaftlichen Parametern.

Tendenz ist klar

Das GUS wertete in der aktuellen Studie die Geburtenentwicklung aus und stellte dabei fest: Immer mehr Kinder in Polen werden in ‚Ehen ohne Trauschein‘ in die Welt gesetzt. Zwar ist diese Tendenz in der ganzen EU ähnlich, in Polen ist sie allerdings stärker ausgeprägt. Das schreibt rzeczpospolita.pl. Seit 1990 hat sich die Anzahl der außerehelichen Geburten im EU-Schnitt verdoppelt, in Polen dagegen verdreifacht.

Interressantes steckt im Detail

Aber: Der Durchschnittswert von 20 Prozent für ganz Polen gibt die Wirkllichkeit kaum anschaulich wieder. Die Unterschiede sind tatsächlich je nach Region sehr groß. In Westpommern kommen 37,5 Prozent der Kinder in außerehelichen Gemeinschaften zur Welt, im Vorkarpatenland nur 11 Prozent. Ähnlich differenziert sieht es bei der Unterscheidung zwischen den Städten aus: In Łodź (Lodsch) leben die Eltern fast jedes dritten neugeborenen Kindes ohne Trauschein (29,9 Prozent), für Wrocław (Breslau) liegt die Marke bei 24,1 Prozent und in Warszawa (Warschau) bei 20 Prozent.

Bei der Interpretation der Gründe für diese Entwicklungen sind die Experten nicht ganz einig: Vom ‚Druck der Familie, der Nachbarn und der lokalen Kirchenvertreter‘ wird gesprochen, wenn Ursachen für das ‚Stadt-Land Gefälle‘ im Heiratsverhalten gesucht werden. Die insgesamt steigende Tendenz von außerehelichen Lebensgemeinschaften wird zudem mit falschen Impulsen aus der Steuer- und Familienpolitik erklärt. So würden alleinstehende  Mütter bei der Vergabe der gefragten Kindergartenplätze bevorzugt. Auch dürften, anders als Ehepaare, alleinstehende Eltern die Steuerpflicht durch die gemeinsame Versteuerung mit den Minderjährigen und die doppelte Nutzung der Freibeträge vermindern. Zuletzt wird in der Praxis nicht kontrolliert, ob die Angaben zur Ehe oder Familienlage zutreffen.

Der Einfluss der katholischen Kirche, die sich traditionsgemäß gegen diese Entwicklung zu verteidigen sucht, ist in den städtische Gemeinden sicherlich schwächer. Die Eltern werden selbstbewusster, sie entscheiden sich seltener für eine schnelle Trauung. Außerdem: Der Kinderwunsch bei jungen Eltern kommt statistisch gesehen etwas später als noch vor zehn Jahren. Immer mehr Frauen werden von ihrem Partener wirtschaftlich unabhängig und treffen die Entscheidung, die Kinder allein zu erziehen. Die Entscheidung zu heiraten kommt daher unter Umständen erst später.

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