Herr Kryger: 7 Fragen zum Tourismus in Polens Süden

Hotel Swieradow in Bad Flinsberg, Foto: Hotel Swieradow

So sieht das Hotel Swieradow aus

(Berlin, JW)  Es geht weiter mit der zweiten Ausgabe unserer Interviewserie zum Tourismus in Polen, die wir in Zusammenarbeit mit der Xing-Gruppe ‚Reiseland Polen‘ durchführen. Wir hatten Vielfalt versprochen, die wir auch liefern möchten. Nachdem im ersten Interview im Januar ein Kurreisenveranstalter zu Wort kam, haben wir diesmal Land und Perspektive gewechselt und sprechen mit einem polnischen Hotelier im Süden des Landes. Wir haben ganz bewusst einen Seiteneinsteiger befragt, und zwar einen mit einer bemerkenswerten Vita, aus der hervorgeht, dass er die Mentalität seiner Gäste aus Deutschland ausgiebig kennen lernen konnte. Live. 

7 Fragen zum Tourismus in Polens Süden, Herr Kryger

Herr Kryger, wir freuen uns sehr, dass Sie bereit sind, unsere ‚7 Fragen zum Tourismus in Polen‘ zu beantworten. Spannend ist ja Ihr Weg zum Tourismus: Sie waren als Profi-Fußballer lange Zeit in der ersten polnischen Liga erfolgreich und spielten auch fünf Jahre für den Vfl Wolfsburg in der Bundesliga. Danach wurden Sie Hotelier. Heute leiten Sie ein Hotel in Bad Flinsberg, das den Namen Świeradów (Flinsberg) trägt.

War es eine gute Entscheidung, sich im Tourismus zu engagieren? Und wie kam es dazu?

Als meine Fußballkariere sich langsam dem Ende neigte und ich überlegte was ich nun machen könnte, sind wir mit meiner Frau und meinen Freunden zum Skifahren nach Świeradów gefahren. Hier sahen wir ein paar Hotels, die zum Verkauf standen. Wir beschlossen, es zu probieren. So kauften wir ein Hotel und begannen, es zu renovieren.

Świeradów – Bad Flinsberg ist auf der Landkarte der Reiseziele für Touristen aus Deutschland eher noch ein weißer Fleck. Haben Sie viele Gäste aus Deutschland? Und sind dies eher Stammgäste oder häufig neue interessierte Urlauber? Und gleich noch eine Frage: Wer besucht Bad Flinsberg mit welchem Urlaubswunsch?

Unsere Gäste kommen hauptsächlich aus Deutschland und viele von ihnen sind inzwischen unsere Stammgäste geworden, die regelmäßig zwei Mal im Jahr kommen. Natürlich sind das ältere Menschen, die Kuraufenthalte vorziehen, denn Świeradów ist ein Kurort, der auch in Deutschland bekannt ist. Aber: Seit der Eröffnung der Gondelbahn kommen vermehrt auch jüngere Gäste zu uns.

Welche Probleme sehen Sie im Marketing für den Tourismus in Polen auf dem deutschen Markt?

Meines Erachtens sind es die in Deutschland weit verbreiteten Klischees über Polen: Viele Menschen in Deutschland denken zum Beispiel immer noch, Polen sei ein Land, in dem  hohe Kriminalität und Korruption an der Tagesordnung seien.

Eine sehr wichtige Rolle hat hier die Fussball-EM 2012 gespielt, die Polen in einem besseren Licht zeigte: Mit moderner Infrastruktur, sicher und gastfreundlich.

Erlauben Sie eine etwas indiskrete Frage: Was ist Ihre Strategie, Kunden aus Deutschland zu gewinnen? Ihr Bekanntheitsgrad als Fußballer könnte dabei helfen. Gelingt es, darüber auch junge Gäste ins doch eher beschauliche Bad Flinsberg zu locken?

Jeder Gast, unabhängig von der Nationalität, möchte sich wohl und entspannt fühlen, erkannt werden – und vor allem gut essen (lacht). Das ist das Geheimnis.

Wenn es um meine Fußballvergangenheit geht, so ist mein Name nicht so bekannt, dass es die Gäste anziehen könnte. Die Deutschkenntnisse jedoch, die ich mir währenddessen angeeignet habe, waren immer sehr hilfreich.  Die jungen Gäste wiederum sprechen eher unsere Skiinfrastruktur, Radwege, Singletrails und der Skatepark an, die in Polen wirklich einzigartig sind.

Es hat sich viel geändert im Tourismus nach Polen: Reisten früher hautsächlich ehemals dort ansässige Menschen in ihre frühere Heimat, so fahren heute viele entweder aufgrund geringerer Kosten zum Beispiel an die Ostsee oder in die Berge. Oder der Grund für die Reise nach Polen liegt in dem, was wir ‚Exotenbonus‘ nennen: Für viele Menschen ist Polen exotischer als etwa die USA, weil sie das Land aus dem Fernsehalltag weniger kennen. Doch mit dem zunehmenden Angleichen der Lebensverhältnisse funktioniert auch die ‚Reise in den Sozialismus‘ nicht mehr als Reisegrund. Und auch das Preisargument ist nicht mehr so stark, seitdem die Kosten in Polen ebenfalls steigen. Was kann an dessen Stelle treten?

Wie gesagt, Polen wird oft mit Klischees betrachtet. Die Realität sieht eindeutig anders aus. Polen gehört nun der Europäischen Union an und die polnische Meinung wird im Europarat respektiert. Seit ein paar Jahren sind wir die ‚grüne Insel‘ auf der europäischen Landkarte mit konstantem Wirtschaftswachstum und positivem Bruttoinlandsprodukt. Leider sind auch somit die Preise gestiegen. Vielleicht sind wir preislich nicht mehr so konkurrenzfähig, aber dem hohem Preis folgt die gute Qualität der Leistung.

Ganz konkret: Wie möchten Sie Gäste aus Deutschland zu Stammgästen machen? Wir hören immer wieder, dass Gäste unzufrieden sind, wenn es beispielsweise Gewohntes – etwa das Bier zum Abendessen oder das Brötchen zum Frühstück – nicht gibt. Andererseits sollte man als Urlaubsgast auch nicht erwarten, dass alles genau so wie daheim ist. Wie gehen Sie mit diesen widerstrebenden Anforderungen in Ihrem Hotel um?

Wir erzwingen nichts, schließlich entscheidet der Gast, welches Hotel gebucht wird. Durch die gute Qualität der Leistung können wir jedoch dem Gast die Entscheidung erleichtern. Die Gäste haben ein Recht darauf, gewisse Erwartungen zu haben, gerade dann, wenn sie im Urlaub sind. Schließlich haben sie ja das ganze Jahr daraufhin gearbeitet.

Letztendlich dürfen wir nicht vergessen, dass wir alle nur Menschen sind, die ihre Schwächen haben. Uns ist am wichtigsten, dass der Gast zufrieden, erholt und glücklich nach Hause zurückfährt. Die Zufriedenheit und das Lächeln der Gäste sind für uns das größte Lob.

Zum Abschluss hätten wir Sie gern noch gewusst: Ihre Vision vom Tourismus in Polen beziehungsweise in Bad Flinsberg 2030. Welche Menschen aus Deutschland und anderen Ländern werden dann wann, wohin und aus welchem Grund Polen besuchen?

Es scheint mir realistisch, dass zu diesem Zeitpunkt die Barrieren und Vorurteile komplett durchgebrochen sind.  Der Gast bekommt ein fertiges Produkt und alles, was er dann machen muss, ist die Bereitschaft zum Reisen zu haben. Ich behaupte, es kommen vorwiegend Gäste aus Großstädten, die dem Chaos und Lärm der Großstadt entfliehen wollen. Gäste, die sich nach einer Oase der Ruhe sehnen, die sie in Świeradów finden.

Herr Kryger: Ganz herzlichen Dank für das interessante Gespräch. Versuchen wir, zusammenzufassen: Mehr Qualität, Preise spielen keine so große Rolle mehr, Erholung und freundlicher Komfort sind die ausschlaggebenden Kriterien für den Erfolg Polens Süden bei Touristen aus Deutschland. Für uns klingt das plausibel. Und natürlich wollen wir – nicht nur den Großstädtern, sondern allen Lesern von Polen.pl – auch den Hinweis auf Ihr Hotel nicht vorenthalten. Das ist im Internet unter www.hotelswieradow.pl zu finden (auch auf Deutsch). Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und sympathische Gäste.

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  1. Benno Koch
  2. K. S.
  3. Jens Hansel

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