‚Hey Joe‘ sichert Breslau drei erste Plätze

Gitarren-Weltrekord in Breslau 2011. Foto: Polen.pl (JW)

6.501 Gitarren auf dem Breslauer Marktplatz

(Breslau, JW) Wie ein übergroßes Pfadfinderlager von Gitarrentaschen tragenden jungen Menschen wirkte Wrocław (Breslau) am vergangenen Samstag. Am 30. April versuchte man in der studentischen Stadt in Südpolen ein weiteres Mal im Wettbewerb um das größte Gitarrenkonzert der Welt ganz vorn mitzuspielen. Mit Erfolg: Zwar schaffte man es nicht, den eigenen Rekord aus dem vorvergangenen Jahr zu brechen, doch versammelten sich in diesem Jahr mehr Gitarristen als 2010 auf dem sonnenbeschienen Marktplatz der schön restaurierten schlesischen Metropole. Nach den dort verkündeten Ergebnissen verzeichnet das ‚Guiness Buch der Rekorde‘ nun die drei ersten Plätze zu diesem Weltrekord für Breslau.

Skurriler Wettbewerb füllt die Stadt

Am akustischen Erlebnis dürfte es nicht liegen, dass jedes Jahr wieder tausende in die Stadt strömen, um dem tausendfach gespielten ‚Hey Joe‘ zu lauschen. Exakt 5.601 Gitarristen waren in diesem Jahr registriert und standen samt Gitarre und meist auch vielen Verwandten und Bekannten vor der großen Bühne am Marktplatz. Tausende Schaulustige genossen stehend und aus den Straßencafés den Weltrekordversuch. Die Talente, so viel darf kommentiert werden, sind in Bezug auf das Gitarrenspielen durchaus unterschiedlich verteilt – und das war auch nicht zu überhören. Dank der kräftigen Verstärkung der tonangebenden Saiteninstrument-Profis auf der Bühne klingt das Ganze zwar schon ganz gut; ein ordentliches Konzert hingegen macht den Ohren aber doch mehr Freude. Deswegen vermutlich werden vor und nach dem eigentlichen Weltrekordbestreben auch Konzerte auf der Bühne gespielt, die das Hinhören und Mitrocken zu einem angenehmen Vergnügen machen.

Wochenendbezogene Stadtverjüngung

Gitarrenspieler in Breslau. Foto: Polen.pl (JW)

In ganz Breslau gab es am Wochenende Gitarrensound

Die Idee, sich an dem etwas skurril wirkenden Wettrennen um die größte Gitarristenrunde zu beteiligen, zahlt sich für Breslau zunehmend aus: Viele junge Menschen reisten bereits einige Tage vorher an und blieben noch etwas, um sich die Stadt anzusehen oder Freunde zu treffen. So klang denn auch das ganze Wochenende in der Altstadt und auf den Oder-Inseln Gitarrenmusik durch den Tag und vor allem die Nacht. Und diese oftmals in hoher Qualität: Kleine Privatkonzerte etwa in der Unterführung einer Straße oder auf einer Oderbrücke unterhielten auch die gediegener gekleideten Passanten.

Damit passt die auf den ersten Blick nicht sonderlich anspruchsvoll wirkende Gitarrenparty in der Stadt zu vielen anderen Maßnahmen, die den Besuch und das Leben in Breslau attraktiv machen. Zu den schon zahlreiche dort lebenden Studierenden gesellen sich mit dieser Veranstaltung viele weitere junge und mittelalte Menschen. Nicht nur alternative Gruppierungen von lagerfeuerbeschallenden Pfadfindern, sondern auch rockig oder zeitgemäß gekleidete Teilnehmer zieht im Rahmen dieser Aktion in die Stadt. Zu erkennen an Gitarrentypen zwischen ‚von Opa geerbt‘ bis zum teuren Vorzeigestück der Szene gesellen sich auf den abendlichen Partys und in den Kneipen der Stadt alle möglichen Gesellschaftsschichten zueinander: Der Anblick der Stadt an diesem Wochenende war der eines städtischen Woodstocks. Fast alle anderen Veranstaltungen, die an diesem Wochenende dann noch stattfanden, waren damit schon beinahe automatisch gut besucht. Nur die öffentliche Übertragung der päpstlichen Seligsprechung auf dem Marktplatz fand unter den ‚Hey Joe‘-Fans dann aber doch nicht so viele Freunde, wie wir gestern berichteten.

...sind diese Artikel auch interessant für Sie?

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*